Arbeitsschutz, Notfallpläne

Arbeitsschutz digital: 97% haben Notfallpläne, üben aber kaum

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 13:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Unternehmen digitalisieren Arbeitsschutz und Cybersicherheit, doch regelmäßige Übungen bleiben oft aus. Neue Studien zeigen deutliche Lücken in der Praxis.

Digitale Sicherheit 2026: Neue Schulungskonzepte für Unternehmen
Arbeitsschutz - Eine digitale Schnittstelle zeigt Sicherheitsprotokolle und Risikobewertungen, mit Hologrammen von Datenfluss und Cybersicherheitssymbolen. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien und Praxisbeispiele aus Juli 2026 zeigen: Unternehmen setzen auf automatisierte Schulungssysteme – sowohl für klassische Arbeitssicherheit als auch für Cybersicherheit.

Doch während technische Notfallpläne in der Breite vorhanden sind, hapert es oft an der praktischen Umsetzung.

Gesundheitsamt Wiesbaden geht online

Das Gesundheitsamt Wiesbaden bietet seit dem 8. Juli Infektionsschutzbelehrungen nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG) online an. Die Lösung, entwickelt mit einem Softwarepartner, unterstützt 30 Sprachen. Persönliche Termine vor Ort bleiben ergänzend bestehen.

Auch im gewerblichen Bereich setzen Unternehmen verstärkt auf integrierte Managementsysteme. Papierbasierte Listen werden zunehmend durch digitale Statussichten und automatisierte Wiederholungslogiken ersetzt – etwa beim Einsatz von domeba iManSys. Rechtliche Grundlagen sind der § 12 des Arbeitsschutzgesetzes sowie die DGUV Regel 100-001 aus dem Juni 2025.

Die Schreinerei Walter aus Pfedelbach nutzt seit einem Pilotbetrieb im Jahr 2025 ein browserbasiertes System für Gefährdungsbeurteilungen. Seit der Betriebsübernahme 2022 konnte das Unternehmen seinen Umsatz nahezu verdreifachen – ein Effekt, der unter anderem auf die Effizienzsteigerung durch digitale Prozesse zurückgeht.

Studie: Notfallpläne ja, Übungen nein

Trotz fortschreitender Digitalisierung offenbaren aktuelle Erhebungen Lücken. Eine am 9. Juli veröffentlichte G-Data-Studie zeigt: 97 Prozent der deutschen Unternehmen haben einen Notfallplan. Aber weniger als die Hälfte führt regelmäßige Schulungen oder Übungen durch. Nur 51 Prozent setzen auf technische Eindämmungsmaßnahmen.

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„Notfallpläne müssen nicht nur existieren, sondern auch regelmäßig praktisch erprobt werden“, sagt Mitgründer Andreas Lüning. Die Zahlen geben ihm recht: Bei aktiver Vorsorge liegt die durchschnittliche Schadenhöhe 33 Prozent niedriger.

Ähnliche Tendenzen zeigt die HDI-KMU-Cyberstudie vom 8. Juli. Demnach stufen 60 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen Cyberschäden als relevant ein. 87 Prozent haben technische Schutzmaßnahmen implementiert, 71 Prozent führen Mitarbeiterschulungen durch.

Die durchschnittlichen Schadensummen sind auf rund 25.000 Euro gesunken – nach zuvor mindestens 68.000 Euro. Doch neue Angriffsformen bleiben eine Bedrohung: 7 Prozent der befragten Firmen berichteten von CEO-Fraud, 4 Prozent von Angriffen mittels Deepfakes.

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KI-Bedrohungen fordern neue Schulungskonzepte

Der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändert die Anforderungen an Sicherheitsunterweisungen – sowohl auf Angreifer- als auch auf Verteidigerseite. Laut einer Digicert-Studie vom 8. Juli hatten bereits 78 Prozent der Organisationen KI-bezogene Sicherheitsvorfälle. 90 Prozent diskutieren das Thema Governance auf Vorstandsebene, aber nur 50 Prozent verfügen über formale Programme.

Die Diskrepanz zwischen privater und beruflicher KI-Nutzung bremst die Etablierung von Sicherheitsstandards. Eine Umfrage von elaboratum für das zweite Quartal 2026 ergab: 82 Prozent der Befragten nutzen KI privat, aber nur 59 Prozent beruflich. Fehlende klare Richtlinien gelten als Haupthindernis.

Frame Security brachte am 8. Juli eine neue Plattform für Human-Risk-Management auf den Markt. CEO Tal Shlomo betont: „Schulungen müssen mit den technologischen Möglichkeiten der Angreifer Schritt halten“ – etwa Stimmenklonen und personalisierten Phishing-Mails. Auch Sophos-Analysen belegen, dass KI im Untergrund zunehmend für automatisierte Malware-Erstellung und Deepfake-Simulationen genutzt wird.

Kritische Infrastrukturen besonders gefährdet

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Sicherheit kritischer IT-Infrastrukturen, etwa im Gesundheitswesen. Ein BSI-Bericht identifizierte Schwachstellen in Praxisverwaltungssystemen. IT-Experte Frank Nelles empfiehlt eine genaue Prüfung der Sicherheitsstandards bei der Systemauswahl.

Parallel entwickelt sich der Markt für Identitätsmanagement weiter. Daten der FIDO Alliance für 2026 zeigen: 75 Prozent der Verbraucher haben Passkeys aktiviert, 68 Prozent der Unternehmen treiben deren Einführung voran. Da sich Angriffe vermehrt auf Wiederherstellungsprozesse verlagern, gewinnt die biometrische Lebenderkennung an Bedeutung. Laut Branchenberichten kann diese Technologie die Rate erfolgreicher Kontoübernahmen um 80 bis 90 Prozent senken.

Für die praktische Aus- und Weiterbildung bieten Institutionen wie das WIFI Österreich oder die KRAUSE ACADEMY für das Schulungsjahr 2026/27 erweiterte Programme an. Schwerpunkte: KI-Anwendungen, Digitalisierung sowie die fachgerechte Prüfung von Steigtechnik und persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz.

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