Arbeitszeitgesetz: Referentenentwurf sieht elektronische Erfassung vor
25.06.2026 - 13:51:12 | boerse-global.de
Berlin, 25. Juni 2026 – Psychische Störungen werden immer häufiger zur Belastung für Arbeitnehmer und Unternehmen. Auf dem 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz diskutierten über 200 Fachleute über Lösungen. Die Zahlen sind alarmierend: 16,7 Prozent aller Krankheitstage entfielen 2024 auf psychische Erkrankungen. Noch deutlicher wird der Trend bei den Erwerbsminderungsrenten – hier sind psychische Störungen mit 42 Prozent der häufigste Grund.
Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Streit
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat im Juni einen Referentenentwurf vorgelegt, der das Arbeitszeitrecht grundlegend ändern soll. Künftig könnten Tarifvertragsparteien die Höchstarbeitszeit auf wöchentlicher statt täglicher Basis festlegen. Unter bestimmten Schutzregeln wäre sogar eine Verkürzung der Ruhezeit von elf Stunden möglich. Zentraler Punkt: die verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung.
Wirtschaftsvertreter und die Union begrüßen die Pläne teilweise als notwendigen Schritt. Der DGB lehnt sie dagegen ab. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) warnt vor einer zunehmenden Entgrenzung der Arbeit durch zu hohe Flexibilität.
Chronoworking und KI als Entlastungsfaktoren
Neben gesetzlichen Reformen rücken operative Maßnahmen in den Fokus. Eine Analyse des Softwareunternehmens Asana zeigt: Rund 60 Prozent der Arbeitszeit fließen in organisatorische Tätigkeiten. Experten empfehlen daher eine transparente Ressourcenplanung, optimierte Kommunikationsabläufe und den gezielten Einsatz von KI-Tools.
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Ein Beispiel liefert das Unternehmen Anthropic. Am 24. Juni stellte es einen proaktiven KI-Assistenten für Slack vor. Das Tool delegiert Aufgaben und weist auf stockende Prozesse hin. Laut Eigenangaben entstehen in den Produktteams bereits 65 Prozent des Codes durch interne Versionen dieser Technologie.
Auch individuelle Arbeitszeitmodelle gewinnen an Bedeutung. Beim „Chronoworking“ richtet sich die Arbeitszeit nach dem persönlichen Biorhythmus. Eine japanische Studie mit über 8.000 Büroangestellten zeigte bereits 2022: Spättypen leiden besonders unter Präsentismus, wenn Arbeitszeiten nicht ihrem Chronotyp entsprechen. In bayerischen Kliniken wird mittlerweile die Haarwurzelanalyse zur Bestimmung dieser Typen angeboten.
Bildung und Handwerk unter Druck
Besonders dramatisch ist die Lage im Bildungssektor. Das Deutsche Schulbarometer 2026 zeigt: 46 Prozent der Lehrkräfte nennen das Schülerverhalten als größten Belastungsfaktor – ein deutlicher Anstieg gegenüber 35 Prozent im Jahr 2024. Knapp ein Viertel fühlt sich mehrmals wöchentlich erschöpft.
In anderen Branchen erzwingen externe Faktoren Anpassungen. Die aktuelle Hitzewelle in der Schweiz zwingt Bauunternehmen und soziale Einrichtungen zu früheren Arbeitsbeginnen sowie Schutzausrüstung wie Nackenschutz und Kühlgeräten. In Deutschland gilt: Ab 26 Grad Raumtemperatur sollten Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen, ab 30 Grad sind sie dazu verpflichtet. Temperaturen über 35 Grad machen Räume ohne Schutzmaßnahmen ungeeignet für die Arbeit.
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BEM als rechtlicher Schutz für Unternehmen
Werden Angebote zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) gemäß SGB IX von Arbeitnehmern abgelehnt, verlieren diese wesentliche Einwände gegen eine spätere krankheitsbedingte Kündigung. Das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Das BEM dient als milderes Mittel zur Vermeidung von Kündigungen und ist ein zentraler Baustein der betrieblichen Prävention. Auch die Industrie- und Handelskammern thematisieren das Ende Juni 2026 in Informationsveranstaltungen.
