ROUNDUP, Trump

Trump kritisiert Bidens Ukraine-Kurs und bleibt selbst vage

17.12.2024 - 06:35:01 | dpa.de

Auch fĂŒnf Wochen vor Amtsantritt lĂ€sst der designierte US-PrĂ€sident Donald Trump die Welt bei seinem kĂŒnftigen Kurs im Ukraine-Krieg weiter im Unklaren.

Zwar Ă€ußerte sich der Republikaner ausfĂŒhrlich ĂŒber das vom Nachbarn Russland angegriffene und großflĂ€chig zerstörte Land - wie er den von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg beenden will, erlĂ€uterte er aber nicht. In Kiew wird befĂŒrchtet, dass Trump die Waffenhilfe kĂŒrzen und die Ukraine zu einem Frieden mit Russland zwingen könnte, der einer Kapitulation gleichkommt.

Klar wurde, dass Trump die Entscheidung des scheidenden US-PrĂ€sidenten Joe Biden, der Ukraine Angriffe mit weitreichenden westlichen Waffen auf russisches Staatsgebiet zu erlauben, fĂŒr "sehr dumm" hĂ€lt. "Ich denke, das hĂ€tte man nicht zulassen dĂŒrfen (...) und schon gar nicht wenige Wochen vor meinem Amtsantritt", sagte er vor Journalisten im US-Bundesstaat Florida. Trump schloss auf seiner ersten Pressekonferenz seit dem Wahlsieg Anfang November in seinem Anwesen Mar-a-Lago nicht aus, Bidens Beschluss nach seinem Amtsantritt am 20. Januar rĂŒckgĂ€ngig zu machen.

Der Demokrat Biden hatte der Ukraine im November genehmigt, mit ATACMS-Raketen aus amerikanischer Produktion Ziele in Russland anzugreifen. Die Ukraine hat seitdem mit diesen Waffen einige wirkungsstarke SchlĂ€ge gegen russische Befehlszentralen und Nachschubdepots gefĂŒhrt.

Trump weicht Fragen aus

Trump drĂ€ngte erneut darauf, den seit mehr als 1000 Tagen andauernden Krieg schnell zu beenden. Er nannte aber keine Details dazu, wie er sich das vorstellt. Auf die Frage, ob er bereits mit Russlands PrĂ€sident Putin gesprochen habe, antwortete er nicht. Auch auf die Frage, ob die Ukraine Territorium an Russland abtreten sollte, gab er keine klare Antwort. "Nun, ich werde es Ihnen nach meinem ersten Treffen mitteilen", sagte der 78-JĂ€hrige bloß. Unklar blieb, was genau er damit meint.

Wohl mit Blick auf die von Russland zerstörte Ostukraine fĂŒgte der frĂŒhere Immobilienunternehmer hinzu: "Wenn man sich anschaut, was dort passiert ist, ich meine, es gibt StĂ€dte, da steht kein einziges GebĂ€ude mehr." Die Menschen könnten nicht in diese StĂ€dte zurĂŒckkehren. "Dort gibt es nichts mehr. Es sind nur TrĂŒmmer, genau wie wenn ich ein GebĂ€ude in Manhattan abgerissen habe."

Selenskyj nicht eingeladen, aber gerngesehener Gast

Trump betonte zwar, dass er den ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj nicht zu seiner AmtseinfĂŒhrung eingeladen habe - schob dann aber hinterher: "Wenn er kommen möchte, wĂŒrde ich ihn gerne dabeihaben."

Der ukrainische Abgeordnete Oleksij Gontscharenko berichtete, dass die französische und die ukrainische Regierung versuchten, fĂŒr den Tag der AmtseinfĂŒhrung ein Treffen Trumps mit Selenskyj und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron zu organisieren. Eine offizielle BestĂ€tigung dafĂŒr gab es nicht. Die drei hatten sich bei der Wiedereinweihung der Kathedrale Notre Dame Anfang Dezember in Paris getroffen.

Was plant Trumps Mann fĂŒr die Ukraine?

Trump hat den ehemaligen General und Sicherheitsberater Keith Kellogg zum Sonderbeauftragten fĂŒr den russisch-ukrainischen Krieg berufen. Nach dessen bisher bekannten Vorstellungen könnten die KĂ€mpfe entlang der jetzigen Front eingestellt werden - ĂŒberwacht von einer Truppe europĂ€ischer Staaten.

Die Ukraine will keinen förmlichen Verzicht auf ihre besetzten Gebiete akzeptieren und verlangt Sicherheitsgarantien gegen weitere russische Angriffe. Russland wiederum sieht sich militĂ€risch im Vorteil und zielt auf eine politische Unterwerfung der gesamten Ukraine ab. Die fĂŒhrenden europĂ€ischen Nato-Staaten, darunter Deutschland, wollen am kommenden Donnerstag in BrĂŒssel mit Selenskyj ĂŒber ihre Strategie im Umgang mit Trump beraten, der sich wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit vom Prinzip der internationalen Zusammenarbeit abgewendet und wichtige VerbĂŒndete der USA verprellt hatte.

Selenskyj: Die Nordkoreaner mĂŒssten nicht hier sterben

Die Nacht auf Dienstag begann fĂŒr einige ukrainische Gebiete wegen der Sichtung russischer Drohnen erneut mit Luftalarm. Selenskyj berichtete in seiner abendlichen Videoansprache von heftigen KĂ€mpfen an vielen Stellen der Front. Gegen den ukrainischen BrĂŒckenkopf im russischen Gebiet Kursk setze Moskau auch Soldaten aus Nordkorea ein, berichtete er. Diese erlitten Verluste. "Dabei gibt es keinen Grund, warum Koreaner in diesem Krieg sterben sollten", sagte Selenskyj. "Der einzige Grund ist Putins Wahnsinn, der Russland erfasst hat und der diesen Krieg anheizt."

Auch der US-Sicherheitsrat teilte mit, dass nach US-Erkenntnissen die Nordkoreaner nicht mehr nur im RĂŒckraum, sondern an der vordersten Frontlinie eingesetzt wĂŒrden.

Lob fĂŒr EU-Sanktionen gegen russische Schattenflotte

Zugleich lobte Selenskyj das Vorgehen der EU gegen Russlands sogenannte Schattenflotte von Tankern und anderen Frachtschiffen. "Das ist jetzt ein wichtiger Schritt: Alle russischen Tanker, alle Unternehmen und Einzelpersonen, die Russland helfen, den Krieg zu finanzieren - sie mĂŒssen letztendlich alle sanktioniert werden", sagte der Staatschef.

Russland wird seit langem vorgeworfen, zur Umgehung eines westlichen Preisdeckels fĂŒr russische Ölexporte in Drittstaaten auf Schiffe zu setzen, die nicht in der Hand westlicher Reedereien oder von westlichen Versicherungen versichert worden sind. Nach Ansicht von Experten gibt es dabei große Risiken fĂŒr die Schifffahrt und die Umwelt. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass viele Tanker ĂŒberaltert seien, technische MĂ€ngel hĂ€tten und zeitweise ohne automatisches Identifizierungssystem unterwegs seien.

Die EU hatte wegen des russischen Angriffskrieges ein 15. Sanktionspaket erlassen, das sich vor allem gegen Schiffe richtet, die russisches Öl, MilitĂ€rgĂŒter oder aus der Ukraine gestohlenes Getreide transportieren. 52 weiteren Schiffen wurde das Einlaufen in HĂ€fen in der EU verboten, sodass die Gesamtzahl auf 79 Schiffe stieg. Die nordischen und baltischen Staaten, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Polen verstĂ€ndigten sich auf koordinierte Schritte, um die Schattenflotte zu "stören und abzuschrecken".

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