BAföG-Reform: Wohnkostenpauschale kommt erst 2027
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 08:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die geplante Anhebung der Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro kommt erst zum Sommersemester 2027 â statt wie geplant zum Wintersemester 2026/27. Der Bund spart dadurch einmalig rund 150 Millionen Euro.
Leistungen werden gestaffelt
Auch andere Verbesserungen fĂŒr Studierende und Auszubildende werden zeitlich gestreckt. Der Grundbedarf steigt in zwei Schritten: auf 503 Euro zum Wintersemester 2027/28, auf 563 Euro zum Sommersemester 2029. Die jĂ€hrliche Anpassung der FreibetrĂ€ge um 1,5 Prozent beginnt erst ab Wintersemester 2028/29.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von einem Vertrauensbruch. Die durchschnittliche Miete fĂŒr ein WG-Zimmer liegt bei 512 Euro â die geplante Pauschale von 440 Euro deckt die Kosten nicht. Aktuelle Zahlen untermauern die Dringlichkeit: 2024 sank die Zahl der BAföG-EmpfĂ€nger auf 612.800, den niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende.
Strukturelle Neuerungen geplant
Die Novelle sieht auch grundlegende Ănderungen vor. Der Leistungsnachweis ab dem fĂŒnften Fachsemester soll entfallen. Ein vollstĂ€ndig digitales Antragsverfahren ist in Planung. Das Auslands-BAföG bleibt jedoch LĂ€ndersache â eine Neuregelung scheiterte im Bundesrat.
Bildungsetat unter Druck
Die Wohnkostenpauschale steigt erst 2027 â die durchschnittliche WG-Miete liegt aber schon heute bei 512 Euro. Wie Sie die Finanzierung Ihres studierenden Kindes trotzdem stemmen, zeigt unser kostenloser Ratgeber mit Checkliste und Finanzierungsalternativen. Jetzt Eltern-Ratgeber anfordern
Der Bundeshaushalt 2027 umfasst 555,4 Milliarden Euro. Davon flieĂen rund 201 Milliarden in Arbeit und Soziales, etwa 40 Milliarden in Bildung und Forschung. Kritiker sehen wichtige Programme in Gefahr. Das seit 2013 laufende Bildungsprogramm âKultur macht starkâ benötigt eine FortfĂŒhrung bis 2028 mit mindestens 50 Millionen Euro jĂ€hrlich. Der Haushaltsentwurf lĂ€sst dessen Zukunft offen.
Schuldenexplosion und Kritik
Die finanzpolitische Ausrichtung stöĂt auf deutliche Kritik. Die Nettokreditaufnahme 2027 betrĂ€gt 118,7 Milliarden Euro â eine deutliche Steigerung gegenĂŒber den geplanten 98 Milliarden fĂŒr 2026. Inklusive Sondervermögen liegt die Neuverschuldung bei rund 200 Milliarden Euro.
Das Ifo-Institut wirft Finanzminister Klingbeil intransparente BuchfĂŒhrung vor. Mittel in Höhe von 4,2 Milliarden Euro, ursprĂŒnglich fĂŒr Schienen- und StraĂeninfrastruktur gedacht, werden im Verteidigungsetat verbucht. Ohne diese Umbuchungen lĂ€ge die Investitionsquote bei 9,9 statt der ausgewiesenen 10,8 Prozent.
VerbĂ€nde wie die Jungen Unternehmer kritisieren fehlende Generationengerechtigkeit. Bis 2030 plant der Bund eine Neuverschuldung von 839 Milliarden Euro â andere SchĂ€tzungen gehen von ĂŒber einer Billion aus. Die Zinslast werde sich bis Ende des Jahrzehnts verdoppeln, sodass voraussichtlich jeder fĂŒnfte Steuereuro fĂŒr Schuldentilgung draufgeht. Zudem wurden 2,7 Milliarden Euro aus dem Emissionshandel in den Kernhaushalt umgeleitet, die Tilgung von Bundeswehr-Schulden auf 2033 verschoben.
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