Einkommensteuer-Reform: Zehn Milliarden Euro für Arbeitnehmer
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 07:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Wirtschaftsforscher warnen: Die wahren Verluste sind inflationsbereinigt deutlich höher.
Entlastung, die keine ist
Der Grundfreibetrag soll bis 2028 auf 12.900 Euro steigen, das Kindergeld auf 272 Euro. Auch der Arbeitnehmer-Pauschbetrag erhöht sich um 200 Euro auf 1.430 Euro. Der Spitzensteuersatz greift künftig ab 70.600 Euro.
Doch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet anders. Ein Single mit 60.000 Euro Jahreseinkommen verliert inflationsbereinigt 155 Euro. Eine vergleichbare Familie sogar 106 Euro. Die Reform bleibt hinter einem reinen Inflationsausgleich zurück.
Parallel dazu verschärft die Regierung die Reichensteuer: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro.
200 Milliarden neue Schulden
Der Haushaltsentwurf 2027 sieht Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor. Die Nettokreditaufnahme im Kernhaushalt beträgt 118,7 Milliarden Euro. Inklusive Sondervermögen summiert sich die Neuverschuldung auf rund 200 Milliarden Euro.
Das Ifo-Institut kritisiert die Bilanzierungspraktiken der Regierung. Demnach wurden 4,2 Milliarden Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen in den Verteidigungsetat umgebucht. Ziel: eine Investitionsquote von über zehn Prozent ausweisen. Ohne diesen Trick hätte sie bei 9,9 Prozent gelegen.
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Bis 2030 droht eine Verdopplung der Zinslast. Dann müsste jeder fünfte Steuereuro in den Schuldendienst fließen.
Bundestag beschließt Entlastungen
Am 9. Juli 2026 stimmte der Bundestag mehreren Vorhaben zu. Eine Milliarde Euro jährlich geht an Länder und Kommunen: 400 Millionen für finanzstarke Länder, 350 Millionen für ostdeutsche Länder zur Deckung von DDR-Rentenansprüchen, 250 Millionen für hochverschuldete Kommunen. Die Regelung gilt rückwirkend ab 2026 und ist bis 2029 befristet.
Zudem kommt das antragslose Kindergeld. In der ersten Stufe wird die Auszahlung ab dem zweiten Kind automatisiert. Später folgt das erste Kind.
Gesundheitsreform: Karlsruhe gibt grünes Licht
Das Bundesverfassungsgericht wies Eilanträge gegen das Sparpaket im Gesundheitssektor zurück. Die Reform sieht Einsparungen bei Krankenkassen vor, höhere Zusatzbeiträge und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung.
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EU will Steuern vereinfachen
Die EU-Kommission legte am 24. Juni 2026 ein Paket zur steuerlichen Vereinfachung vor. Unternehmen sollen jährlich rund acht Milliarden Euro entlastet werden. Kernstück: die Befreiung von Quellensteuern auf Zinsen, Dividenden und Lizenzzahlungen. Das spart 5,3 Milliarden Euro. Allerdings braucht es dafür Einstimmigkeit aller Mitgliedstaaten.
Die Reformbemühungen laufen vor einem düsteren Hintergrund. Der IWF senkte seine Wachstumsprognose für Deutschland 2026 auf 0,7 Prozent, für 2027 auf 1,0 Prozent. Die Energiepreise liegen 25 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Die Inflation bleibt hartnäckig.
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