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BEM nach sechs Wochen: Nur 52 Prozent der Berechtigten erhalten ein Angebot

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
BEM-Angebote erreichen mehr BeschĂ€ftigte als 2018, doch viele kehren ohne UnterstĂŒtzung zurĂŒck und arbeiten trotz Krankheit.
Ein heller, leerer Besprechungsraum mit Holzmöbeln und Blick ins GrĂŒne als Symbol fĂŒr die betriebliche Wiedereingliederung. Illustration mit AI erstellt.

Wenn BeschĂ€ftigte ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum arbeitsunfĂ€hig sind, stellt die RĂŒckkehr an den Arbeitsplatz Unternehmen wie Betroffene vor organisatorische Herausforderungen.

Im Bundesland Salzburg greift ab einer Dauer von sechs Wochen Krankenstand die Eingliederungsberatung des Programms Fit2work. Das vom Sozialministerium finanzierte Angebot ist fĂŒr Arbeitgeber kostenfrei und zielt darauf ab, den Wiedereinstieg strukturiert zu begleiten.

Ein Unternehmensberater aus Seekirchen schilderte dazu den praktischen Ablauf, der mit einem vertraulichen GesprÀch vor Ort beginnt und darauf aufbauend Anpassungen bei Arbeitsaufgaben, Arbeitszeiten sowie betrieblichen AblÀufen vorsieht.

Neben Fit2work stehen Betrieben weitere Partner wie die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), das Arbeitsmarktservice (AMS) und das Netzwerk Berufliche Assistenz (NEBA) zur Seite. ErgĂ€nzend verweisen Fachleute auf die gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsdokumentation nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz sowie Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, um Ausfallzeiten prĂ€ventiv zu reduzieren.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und RealitÀt der Wiedereingliederung

WĂ€hrend in Österreich Programme wie Fit2work ansetzen, ist die stufenweise RĂŒckkehr in anderen LĂ€ndern gesetzlich fest verankert. In Deutschland verpflichtet Paragraf 167 Absatz 2 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch (SGB IX) Arbeitgeber seit dem Jahr 2004 dazu, BeschĂ€ftigten nach mehr als sechs Wochen ArbeitsunfĂ€higkeit innerhalb von zwölf Monaten ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) anzubieten. Die Teilnahme daran bleibt fĂŒr Arbeitnehmer freiwillig.

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Erhebungen zeigen jedoch Unterschiede bei der praktischen Umsetzung. Laut der BIBB/BAuA-ErwerbstÀtigenbefragung 2024 erhielten 52 Prozent der 1396 potenziell berechtigten BeschÀftigten ein entsprechendes BEM-Angebot, nach 40 Prozent im Jahr 2018. Die Annahmequote lag 2024 bei 67 Prozent (2018: 68 Prozent).

Die lidA-Studie fĂŒr die Jahre 2022 und 2023 wies aus, dass 34 Prozent der Betroffenen proaktiv eingeladen wurden und 7 Prozent die Initiative selbst ergriffen, wĂ€hrend 59 Prozent kein Angebot erhielten. Nach Daten des GHS fĂŒr 2019 bis 2022 bekamen 45,5 Prozent das Angebot unaufgefordert und 13 Prozent auf Nachfrage.

FĂŒr die Umsetzung wird hĂ€ufig die stufenweise Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell genutzt, die auf einem Ă€rztlichen Stufenplan basiert; BeschĂ€ftigte gelten wĂ€hrend dieser Phase weiterhin als arbeitsunfĂ€hig.

PrÀventionsbedarf bei psychischen und postinfektiösen Leiden

Die Notwendigkeit frĂŒhzeitiger UnterstĂŒtzung unterstreichen aktuelle Gesundheitsdaten. Nach dem Gesundheitsreport 2025 des BKK-Dachverbands verursachen psychische Erkrankungen in Deutschland die meisten Fehltage. Bei einer Informationsveranstaltung im Landkreis OstallgĂ€u betonten beteiligte Fachstellen, dass rechtzeitige Hilfen und strukturiertes Eingliederungsmanagement die RĂŒckkehrchancen deutlich verbessern.

ZusÀtzliche Anforderungen stellen postinfektiöse Krankheitsbilder dar. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina stuft Erkrankungen wie Long-COVID und ME/CFS als somatische Multisystemerkrankungen ein, von denen bundesweit mehr als 1,5 Millionen Menschen betroffen sind.

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Bei Vorliegen einer Post-Exertional Malaise (PEM), die typischerweise 12 bis 48 Stunden nach einer Belastung auftritt, sind aktivierende Standardtherapien kontraindiziert; als primÀrer Rehabilitationsansatz gilt das sogenannte Pacing zur individuellen Energiesteuerung.

Die Akademie fordert unter anderem flexible Wiedereingliederungsmodelle, Optionen fĂŒr Homeoffice und Reizreduktion am Arbeitsplatz. Zudem weist die Leopoldina darauf hin, dass Impfungen gegen COVID-19 das Risiko fĂŒr Post-COVID senken.

Gleichzeitig bleibt der Druck auf BeschÀftigte hoch: Eine Befragung der AOK Hessen unter rund 600 BeschÀftigten und SelbststÀndigen ergab, dass sich lediglich 27 Prozent bei Krankheit stets vollstÀndig auskurieren. Rund 70 Prozent gaben an, trotz Beschwerden gearbeitet zu haben.

Als Hauptgrund nannten 44 Prozent ein starkes PflichtgefĂŒhl, gefolgt von der furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes (13 Prozent) sowie Sorgen vor Konflikten im Betrieb oder einer zu hohen Arbeitslast nach der RĂŒckkehr (jeweils 12 Prozent).

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