Bewegung an Schulen: 80 Prozent der Kinder erreichen keine 60 Minuten tÀglich
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKörperliche AktivitĂ€t im Schulalltag gewinnt fĂŒr Konzentration, Wohlbefinden und kognitive LeistungsfĂ€higkeit zunehmend an Bedeutung. PĂ€dagogische Einrichtungen suchen vermehrt nach Wegen, strukturierte Bewegungsangebote direkt in den Unterricht zu integrieren.
Ein Beispiel fĂŒr diese Entwicklung ist das Wimmer Gymnasium OberschĂŒtzen, das als erste burgenlĂ€ndische Schule zur Partnerschule des Programms âSimply Strongâ ernannt wurde.
Schulleiter Klaus Pahr nahm die offizielle Urkunde von Werner Schwarz, dem Initiator und MitbegrĂŒnder der Initiative, entgegen. Schwarz gestaltete zudem einen Impuls-Workshop am BORG GĂŒssing, wĂ€hrend am BG/BRG/BA OberschĂŒtzen eine Fortbildung zu Bewegung, Konzentration und Wohlbefinden stattfand.
Wissenschaftliche Befunde zu Motorik und Lernleistung
Dass koordinative und sportliche Einheiten kognitive Prozesse unterstĂŒtzen, wird durch internationale Forschungsergebnisse gestĂŒtzt. In einem Editorial fĂŒr die Fachzeitschrift Frontiers in Sports and Active Living plĂ€dierten Souhail Hermassi, Sascha Ketelhut, Roland van den Tillaar und Abdulla Alneama auf Basis einer Sammlung von 13 Facharbeiten dafĂŒr, Bewegung als festen Bestandteil von Bildungssystemen zu verankern.
Eine Meta-Analyse von He und Kollegen zeigte auf, dass schulische Interventionen die akademische LeistungsfĂ€higkeit verbessern können. Die Forscher um Che machten dabei Selbstregulation und Selbstwirksamkeit als maĂgebliche Faktoren aus, wĂ€hrend das Team um Tao ein System zur Bewertung der körperlichen LiteralitĂ€t im Vorschulalter erarbeitete.
Auch Untersuchungen an der finnischen Hochschule Jamk legen dar, dass koordinative FĂ€higkeiten exekutive Funktionen und die Lernleistung in verschiedenen Entwicklungsphasen begĂŒnstigen.
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AusgeprÀgter Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen
Diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen steht in der RealitĂ€t ein deutlicher Bewegungsmangel gegenĂŒber. Daten der Motorik-Modul-LĂ€ngsschnittstudie belegen, dass rund 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene tĂ€gliche AktivitĂ€tszeit von 60 Minuten nicht erreichen.
Laut Weltgesundheitsorganisation sind international 81 Prozent der Heranwachsenden im Alter von elf bis 17 Jahren unzureichend aktiv. Auch grundlegende motorische FĂ€higkeiten weisen LĂŒcken auf: Der Deutsche Schwimm-Verband verzeichnet, dass mehr als jedes zweite Kind die Grundschule verlĂ€sst, ohne sicher schwimmen zu können, und jedes fĂŒnfte Kind ĂŒberhaupt nicht schwimmen kann.
Initiativen in Ausbildung und Schulpraxis
Um diesen Defiziten zu begegnen, setzen Ausbildungsinstitute und SchultrĂ€ger verstĂ€rkt auf Weiterbildungsangebote. An der PĂ€dagogischen Hochschule Steiermark in Graz thematisierte der Sporterziehertag im Oktober 2026 praktische AnsĂ€tze zur Bewegungsförderung, die von gezieltem Koordinationstraining bis hin zu Konzepten wie âSimply Strongâ reichten.
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Auf bildungspolitischer Ebene beginnen Ă€hnliche Vorhaben: Hessen fĂŒhrt ab November 2026 die Neuauflage seines Bewegungschecks an Grundschulen mit dem Deutschen Motorik-Test ein, wĂ€hrend in Bayern fĂŒr das Schuljahr 2027/28 eine dritte Sportstunde in der ersten Jahrgangsstufe vorgesehen ist.
Dieter Braus vom Vitos Institut fĂŒr PrĂ€vention und PrĂ€zisionspsychiatrie unterstrich im Rahmen von Fortbildungen, dass gesundheitliche PrĂ€vention vor dem Auftreten klinischer Diagnosen ansetzen mĂŒsse und LehrkrĂ€fte bei der Beobachtung von Entwicklungs- und VerhaltensauffĂ€lligkeiten eine tragende FrĂŒhwarnfunktion besitzen.
