CO2-Bepreisung, Bundeshaushalt

CO2-Bepreisung: Bundeshaushalt drohen 4 Milliarden Einnahmeverluste

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 00:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die geplante EU-Reform des Emissionshandels sorgt fĂŒr tiefe GrĂ€ben in der deutschen Industrie. WĂ€hrend einige Unternehmen vor einer Aufweichung der Klimaziele warnen, fordern andere mehr Zeit fĂŒr den Wandel.

EU-Emissionshandel: ReformplÀne spalten die deutsche Industrie
Industrielandschaft mit rauchenden Schornsteinen einer StahlhĂŒtte bei Sonnenuntergang und der Silhouette einer modernen Anlage. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

WĂ€hrend Teile der Schwerindustrie vor einer Aufweichung der Klimaziele warnen, fordern andere Unternehmen mehr Zeit fĂŒr die Transformation. Am Freitag will die EU-Kommission ihren Reformvorschlag vorlegen – unter anderem mit einer langsameren Reduktion der CO2-Zertifikate.

Stahlindustrie: Zwei Lager prallen aufeinander

In der Stahlbranche stoßen die BrĂŒsseler PlĂ€ne auf ein geteiltes Echo. Stefan Rauber, Chef von Saarstahl, warnt: Eine Aufweichung des Emissionshandels gefĂ€hrde die Wirtschaftlichkeit von grĂŒnem Stahl und der Wasserstoffwirtschaft. Wenn Unternehmen lĂ€nger als geplant kostengĂŒnstig CO2-intensiv produzieren könnten, verlören Investitionen in klimafreundliche Technologien an AttraktivitĂ€t. Saarstahl und die Dillinger HĂŒtte investieren derzeit rund 4,6 Milliarden Euro in den ökologischen Umbau. Rauber spricht von einem bloßen „Börsenspiel".

Marie Jaroni, Chefin von Thyssenkrupp Steel, fordert dagegen mehr RealitĂ€tssinn. Sie plĂ€diert dafĂŒr, modernen Direktreduktionsanlagen (DRI) die gleiche Menge an kostenfreien Zertifikaten zuzugestehen wie herkömmlichen Hochöfen. Auch Vertreter von ArcelorMittal und Voestalpine verlangen ein Einfrieren kostenloser Zertifikate. Unternehmen wie Salzgitter oder die schwedische SSAB teilen hingegen die Warnungen vor einer Aufweichung.

Der CO2-Preis liegt aktuell bei rund 80 Euro pro Tonne. Branchenanalysten zufolge könnte er durch die Reform bis Ende des Jahrzehnts unter 100 Euro fallen.

Milliardenrisiko fĂŒr den Bundeshaushalt

Auch auf nationaler Ebene sorgt die CO2-Bepreisung fĂŒr Diskussionen. Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zeigt die fiskalischen Risiken: Sollte der nationale CO2-Preis 2027 wie geplant zwischen 55 und 65 Euro fixiert werden, statt auf 80 Euro zu steigen, drohen dem Bundeshaushalt Einnahmeverluste von ĂŒber 4 Milliarden Euro. Folgeinvestitionen von bis zu 15 Milliarden Euro wĂ€ren gefĂ€hrdet.

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Das Bundeskabinett befasste sich heute mit dem Entwurf fĂŒr den Klima- und Transformationsfonds (KTF) fĂŒr 2027. Das Volumen: rund 40 Milliarden Euro. Haushaltsexperten wie Illenseer kritisieren, dass etwa 2,7 Milliarden Euro aus der CO2-Bepreisung in den Kernhaushalt fließen sollen. Aus der Politik kommt die Sorge, der KTF werde zunehmend zum Instrument fĂŒr kurzfristige Strompreisentlastungen.

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) drĂ€ngt unterdessen auf die Umsetzung der Koalitionszusagen fĂŒr eine CO2-Bepreisung ab 2028. Der Verband warnt vor Wettbewerbsverzerrungen im europĂ€ischen Binnenmarkt. Eine nationale Anschlussbelastung nach dem Ausscheiden aus dem ETS 2 könnte Produktionsverlagerungen ins Ausland auslösen.

Wissenschaft: Kein abrupter Kurswechsel, sondern Flankierung

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlĂ€gt in einer aktuellen Untersuchung vor, kostenlose Emissionszertifikate so lange beizubehalten, bis der CO2-Grenzausgleich (CBAM) der EU seine volle Wirkung entfaltet. Die Wissenschaftler raten, die Menge der Zertifikate langsamer zu senken und das Ende der Ausgabe erst fĂŒr 2039 anzuvisieren.

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Um den Industriestandort zu sichern, mĂŒsse der Emissionshandel durch gezielte Infrastruktur- und Investitionsförderung ergĂ€nzt werden. Die Autoren plĂ€dieren zudem fĂŒr eine entschlossenere Handelspolitik gegen Subventionen aus Drittstaaten wie China. Die EU-Kommission plant laut aktuellen EntwĂŒrfen, das Ziel der KlimaneutralitĂ€t im Emissionshandel von 2039 auf 2042 zu verschieben.

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