CO2-Emissionshandel, Zertifikat-Freigabe

CO2-Emissionshandel: EU verdoppelt Zertifikat-Freigabe ab 45 Euro

12.06.2026 - 01:48:30 | boerse-global.de

EU-Parlament und Staaten beschließen Ausweitung der Marktstabilitätsreserve, um extreme CO2-Preissprünge zu dämpfen und Haushalte zu entlasten.

EU einigt sich auf CO2-Preisdeckel gegen soziale Härten
CO2-Emissionshandel - Abstrakte Darstellung des Emissionshandels mit digitalen Grafiken, die CO2-Preise und Marktschwankungen in kühlen Farben zeigen. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die EU-Parlamentarier und Mitgliedstaaten haben sich auf Mechanismen geeinigt, die extreme Preissprünge beim Tanken und Heizen abfedern sollen.

Mehr Spielraum bei der Zertifikate-Freigabe

Kern der Einigung ist eine Ausweitung der Marktstabilitätsreserve (MSR). Übersteigt der CO2-Preis die Schwelle von 45 Euro pro Tonne, können künftig bis zu 40 Millionen Zertifikate freigegeben werden – doppelt so viele wie bisher geplant. Da dieser Mechanismus zweimal jährlich greift, stehen pro Jahr bis zu 80 Millionen zusätzliche Einheiten bereit.

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Die Schwelle für eine schrittweise Freigabe wurde ebenfalls gesenkt: Sie greift bereits, wenn weniger als 260 Millionen Zertifikate im Umlauf sind. Bisher lag der Wert bei 210 Millionen. Zudem bleibt die Marktstabilitätsreserve dauerhaft bestehen – eigentlich sollte sie Ende 2030 auslaufen. Rund 600 Millionen Zertifikate bleiben so als Steuerungsinstrument verfügbar.

Reaktion auf soziale Ängste

Die Anpassungen sind eine direkte Antwort auf 19 EU-Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Polen und Tschechien. Sie warnten vor einer übermäßigen Belastung privater Haushalte. Eine Studie aus dem Jahr 2026 zeigt: Bei einem CO2-Preis von 57,50 Euro könnten die Lebenshaltungskosten ohne Effizienzmaßnahmen um durchschnittlich 1,18 Prozent steigen.

Der Sozialklimafonds soll soziale Härten abfedern und einkommensschwächere Haushalte bei der Dekarbonisierung unterstützen. Die Einnahmen aus dem Zertifikateverkauf fließen teilweise zurück an die Bürger.

Was das für Deutschland bedeutet

Ab 2028 löst das europäische ETS2 den nationalen Emissionshandel ab. Aktuell liegt der deutsche CO2-Preis zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne. Bei 60 Euro entspricht das rund 17 Cent pro Liter Benzin und 19 Cent pro Liter Diesel.

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Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese rechnet für die Anfangsphase mit Preisen zwischen 45 und 50 Euro – unter dem aktuellen deutschen Niveau. Ein Expertenrat warnt jedoch: Ohne weitere Maßnahmen könnte Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 um 60 bis 100 Millionen Tonnen überschreiten.

Investoren fordern klare Regeln

Während die Politik auf soziale Stabilität setzt, mahnen Finanzakteure zur Standhaftigkeit. 46 Investoren – darunter die Allianz SE und L&G Asset Management – verwalten zusammen rund 12 Billionen Euro. Sie fordern ein robustes System mit transparenten Regeln für Planungssicherheit.

Die EU-Kommission prüft derzeit das ETS2. Ein konkreter Vorschlag zur Revision wird für Mitte Juli 2026 erwartet. Zur Debatte stehen unter anderem die Kopplung kostenloser Zertifikate an Investitionszusagen sowie die Ausweitung auf internationale Flüge. Die formelle Zustimmung von Parlament und Rat zur aktuellen Einigung steht noch aus.

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