Das Deutschlandticket soll bleiben - aber wird es teurer?
06.08.2025 - 12:00:11Beim Deutschlandticket droht wegen einer FinanzlĂŒcke im kommenden Jahr erneut eine Preiserhöhung. Zwar brachte das Bundeskabinett am Mittwoch eine GesetzesĂ€nderung auf den Weg, damit sich der Bund auch 2026 mit 1,5 Milliarden Euro an der Finanzierung des Tickets beteiligt. Unklar bleibt aber, wie erwartete Mehrkosten von Bund und LĂ€ndern ausgeglichen werden sollen. Die 1,5 Milliarden Euro Bundesmittel reichten nicht aus, um den Preis des Deutschlandtickets im Jahr 2026 stabil zu halten, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (GrĂŒne).Â
«Die quĂ€lenden Finanzierungsdebatten zum Deutschlandticket mĂŒssen beendet werden», sagte Krischer. Auch der Deutsche StĂ€dtetag warnte vor einer HĂ€ngepartie. Alexander Möller, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), sagte: «Bund und LĂ€nder mĂŒssen darauf achten, dass die Diskussionen um die auskömmliche Finanzierung nicht aus Versehen zum Ende des Deutschlandtickets fĂŒhren.»
Kabinett bringt GesetzesplÀne auf den Weg
Das Bundeskabinett beschloss einen Gesetzentwurf zur Ănderung des Regionalisierungsgesetzes. Bisher geben Bund und LĂ€nder einen Zuschuss von jeweils 1,5 Milliarden Euro fĂŒr das Ticket, um EinnahmeausfĂ€lle bei Verkehrsbetrieben auszugleichen. Denn die meisten ĂŒblichen Pendler-Abos waren zuvor deutlich teurer. Festgeschrieben ist die Finanzierung im Regionalisierungsgesetz aber nur noch fĂŒr 2025. Die GesetzesĂ€nderung zielt darauf, dass der Bund das Ticket auch im kommenden Jahr mit 1,5 Milliarden Euro unterstĂŒtzt, die LĂ€nder sollen ebenfalls insgesamt 1,5 Milliarden geben.
Ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nannte den Gesetzentwurf einen wichtigen Baustein, um die im Koalitionsvertrag verankerte Fortsetzung des Deutschlandtickets ĂŒber das Jahr 2025 hinaus zu erreichen. Das Ticket gibt es seit Mai 2023. Es wird nach Branchenangaben von rund 14 Millionen Menschen genutzt und ermöglicht bundesweit Fahrten im öffentlichen Regional- und Nahverkehr. Zu Jahresbeginn war der Preis um rund 18 Prozent von 49 Euro auf 58 Euro im Monat angehoben worden.
Bund und LĂ€nder verhandelnÂ
Knackpunkt bei Verhandlungen zwischen Bund und LĂ€ndern ist die Frage, wie erwartete Mehrkosten fĂŒr die Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden sollen - ĂŒber die 3 Milliarden Euro hinaus, die Bund und LĂ€nder bereitstellen. BranchenverbĂ€nde wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sowie der StĂ€dtetag sprechen von einer absehbaren FinanzierungslĂŒcke.Â
Schon im vergangenen Jahr habe beim Ticket der Gesamtverlust bei rund 3,5 Milliarden Euro gelegen und damit deutlich ĂŒber den 3 Milliarden, die Bund und LĂ€nder jĂ€hrlich gemeinsam finanzieren, sagte Möller. «Das Ticket ist Stand jetzt auch ab 2026 unterfinanziert.» Christian Schuchardt, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen StĂ€dtetags, sagte der Funke-Mediengruppe. «Wenn das Regionalisierungsgesetz vom Bund und damit die Finanzierung des Deutschlandtickets so bleiben, stehen uns wieder Wochen und Monate des Bangens ins Haus.»Â
Sowohl der Bund als auch viele LĂ€nder verweisen auf eine angespannte Haushaltslage. Viele LĂ€nder fordern, der Bund solle die Mehrkosten alleine ĂŒbernehmen, das lehnt dieser ab. Verhandelt wird auch darĂŒber, ob es ab 2026 zu einem dauerhaften Preismechanismus kommt - der nach bestimmten Kriterien jĂ€hrliche, moderate Preissteigerungen des Tickets fĂŒr Nutzer vorsieht.
Der niedersÀchsische Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte, eine langfristige und verlÀssliche Finanzierung des Tickets sei zwingend erforderlich, um mögliche HÀngepartien zum Jahresende zu vermeiden.
Droht Preiserhöhung?
Sollten sich Bund und LĂ€nder nicht ĂŒber eine auskömmliche Finanzierung einigen, droht eine erneute Preissteigerung. Diese sei dann «alternativlos», wenn die prognostizierten und tatsĂ€chlichen Einnahmen aus den Fahrgeldeinnahmen die Kosten nicht decken und Bund und LĂ€nder eine Erhöhung der Ausgleichsmittel in Höhe von insgesamt 3 Milliarden Euro ausschlieĂen, heiĂt es in einer Stellungnahme des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen sowie des Bundesverbands Schienennahverkehr.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte mit Blick auf die geplanten Bundesmittel, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) wolle offensichtlich nicht mehr Geld bereitstellen. Klingbeil trage damit die Verantwortung, wenn der Preis fĂŒr die FahrgĂ€ste um mehrere Euro steigen mĂŒsse.
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist eigentlich zugesagt, dass der Preis erst einmal stabil bleibt. Ab 2029 soll der Anteil der Nutzerfinanzierung «schrittweise und sozialvertrÀglich» erhöht werden. Nach Branchenangaben setzt sich die Finanzierung des Tickets bisher aus den Fahrgeldeinnahmen und den Ausgleichsleistungen des Bundes und der LÀnder jeweils hÀlftig zusammen.
Firmen zögern beim Jobticket
Die Verkehrsbranche sieht viel Potenzial vor allem beim Jobticket - dieses rabattierte Abo stagniere nach wie vor bei einem Anteil von rund 20 Prozent an allen verkauften Deutschlandtickets. Viele Unternehmen und Organisationen zögerten, weil es keine langfristige Finanzierungszusage des Bundes gebe.
Arbeitgeber können ihren BeschĂ€ftigten das Ticket als Jobticket zur VerfĂŒgung stellen - wenn sie einen Zuschuss von mindestens 25 Prozent auf den Ausgabepreis leisten, können zusĂ€tzlich fĂŒnf Prozent Rabatt auf den Ausgabepreis gewĂ€hrt werden. Das Deutschlandticket kostet dann maximal 40,60 Euro pro Monat. Möller sagte, der Rabatt fĂŒr das Deutschlandticket Job mĂŒsse verlĂ€ngert werden - wie auch ein Angebot fĂŒr Auszubildende, analog zu D-Tickets fĂŒr Studierende.







