Deutschland, Bayern

Nach drei Jahren: Urteil im Wirecard-Prozess in Sicht

16.12.2025 - 17:59:00

Der Münchner Wirecard-Prozess ist eine Großoperation: Seit mehr als drei Jahren verhandeln die Richter gegen den früheren Konzernchef Markus Braun und zwei Mitangeklagte. Nun rückt das Urteil nahe.

Im Münchner Wirecard-Prozess steuert das Landgericht München I nach über drei Jahren auf das Urteil zu. Der Mammutprozess gegen den früheren Konzernchef könnte nach derzeitigem Stand in der ersten Hälfte nächsten Jahres enden. Das Gericht veröffentlichte am Mittwoch die Liste der Sitzungstage im kommenden Jahr, die nur noch bis zum 29. Juni reicht. In den Vorjahren hatte die IV. Strafkammer jeweils im Dezember immer das gesamte folgende Jahr durchterminiert.

Termine für Plädoyers und Urteil sind jedoch noch nicht festgelegt. Die neue Terminliste bedeutet auch nicht, dass der Vorsitzende Richter Markus Födisch am 29. Juni das Urteil verkünden würde oder müsste. Denn die Richter könnten einerseits durchaus früher fertig werden oder anderenfalls bei Bedarf weitere Prozesstage anhängen. 

Kammer wollte eigentlich vor Neujahr das Urteil sprechen

Födisch hatte im Sommer deutlich gemacht, dass die Kammer das Verfahren am liebsten vor dem Jahreswechsel beenden würde. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung, doch ist klar, dass die Richter den am 8. Dezember 2022 eröffneten Prozess zu einem Ende bringen wollen. Der letzte Zeuge wird im Laufe des Januars erwartet, anschließend können die Verteidiger noch weitere Anträge stellen. Zum Ende eines jeden Strafprozesses folgen die Plädoyers mit den Strafanträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, danach das Urteil.

Braun beteuert weiter Unschuld 

Der einstige Milliardär Braun ist der Hauptangeklagte in dem Verfahren um den mutmaßlichen Milliardenbetrug bei Wirecard. Der österreichische Manager argumentiert seit Prozessbeginn, er sei unschuldig und selbst von den wahren Tätern getäuscht worden: einer Bande um den abgetauchten früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek und den Mitangeklagten Oliver Bellenhaus. Letzterer erhebt seinerseits schwere Anschuldigungen gegen Braun und hat dem früheren Konzernchef im Prozess vorgeworfen, einen Opfermythos zu verbreiten. 

Der einst von vielen Kleinaktionären als Technologieprophet verehrte Braun hofft auf einen Freispruch. Die Richter haben jedoch nicht erkennen lassen, dass sie Braun glauben. Ablesen lässt sich das unter anderem daran, dass der einstige Vorstandsvorsitzende seit fünfeinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt und nicht unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt wurde.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Infineon kauft Teil von ams Osram Der Bereich, der eine spezielle Sorte von Sensoren herstellt, kostet mehr als eine halbe Milliarde Euro. (Wirtschaft, 03.02.2026 - 20:26) weiterlesen...

Keine Regierungsvertreter Russlands in München erwartet. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wird es dagegen wohl kein Aufeinandertreffen geben. Russland und die Ukraine sitzen nach vier Jahren Krieg wieder an einem Tisch - in Abu Dhabi. (Ausland, 03.02.2026 - 07:44) weiterlesen...

Geldstrafe für Halemba - AfD-Mann angefasst und empört Daniel Halemba sieht sich als Opfer, doch die Ermittler sehen Geldwäsche und Nötigung bei ihm als bewiesen an. (Politik, 02.02.2026 - 13:45) weiterlesen...

Start-up aus Bayern soll Logistik bei Hadsch übernehmen. Dabei muss es eine besondere Hürde überwinden. Ein Unternehmen aus Bayern soll bei der großen Wallfahrt in Mekka Lebensmittel und Müll transportieren. (Wirtschaft, 02.02.2026 - 13:30) weiterlesen...

Verbotene Russland-Exporte – fünf Festnahmen bei Razzia. Welche Rolle dabei womöglich der russische Staat und eine Scheinfirma aus Lübeck spielt. Ein Netzwerk soll trotz EU-Embargos Tausende Lieferungen an russische Unternehmen organisiert haben. (Politik, 02.02.2026 - 13:08) weiterlesen...

60.000 Kündigungen: ADAC-Verkehrspräsident tritt ab. Es folgten Empörung und eine Kündigungswelle, nun ist er zurückgetreten. In einem Interview hatte Hillebrand die CO2-Bepreisung, die Sprit verteuert als «richtiges Instrument» bezeichnet. (Wirtschaft, 02.02.2026 - 12:55) weiterlesen...