USA halten groĂe ZugestĂ€ndnisse Kiews fĂŒr unausweichlich
12.02.2025 - 17:39:21Die Amerikaner halten dabei schmerzhafte ZugestĂ€ndnisse Kiews fĂŒr unausweichlich - unter anderem den Verzicht auf einen Nato-Beitritt. AuĂerdem sehen die USA die EuropĂ€er weitgehend alleine in der Pflicht, die Ukraine zu unterstĂŒtzen und einen Frieden militĂ€risch abzusichern - ohne amerikanische Truppen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth prĂ€sentierte die Vorstellungen bei einem Ukraine-Treffen in BrĂŒssel, bei dem eigentlich Waffenlieferungen fĂŒr Kiew koordiniert werden sollten. Er bestĂ€tigte damit dĂŒstere Vorahnungen der Ukrainer und EuropĂ€er.
Die Botschaft der USA an die Ukraine
Noch im vergangenen Jahr hatte die Nato der Ukraine bei einem Gipfel in Washington zugesichert, ihr Pfad zur Mitgliedschaft sei unumkehrbar. Trumps Regierung sieht dies allerdings ganz anders. "Die Vereinigten Staaten glauben nicht, dass eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine ein realistisches Ergebnis einer Verhandlungslösung ist", sagte Hegseth.
Auch die RĂŒckkehr zu den ukrainischen Grenzen vor 2014 ist demnach aus US-Sicht unrealistisch. "Dieses illusorische Ziel zu verfolgen, wird den Krieg nur verlĂ€ngern und mehr Leid verursachen", sagte er.
Die Ukraine verteidigt sich seit knapp drei Jahren mit westlicher Hilfe gegen die russische Invasion. Die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim hatte Russland bereits 2014 annektiert. Derzeit kontrolliert Russland knapp ein FĂŒnftel des ukrainischen Staatsgebiets.
Die USA sind auch nicht bereit, Soldaten bereitzustellen, um eine Friedenslösung abzusichern. "Ein dauerhafter Frieden fĂŒr die Ukraine muss solide Sicherheitsgarantien beinhalten, um sicherzustellen, dass der Krieg nicht wieder aufflammt", sagte Hegseth. FĂŒr solche Sicherheitsgarantien mĂŒssten aber europĂ€ische und andere Truppen eingesetzt werden. "Es werden keine US-Truppen in die Ukraine geschickt." Einen Nato-Einsatz schloss er aus.
Die Botschaft der USA an die Nato und Europa
Trumps Regierung bekennt sich zum transatlantischen MilitĂ€rbĂŒndnis, fordert aber eine andere Lastenteilung unter den Mitgliedern. "Die Vereinigten Staaten bleiben dem Nato-BĂŒndnis und der Verteidigungspartnerschaft mit Europa verpflichtet - ohne Wenn und Aber", betonte Hegseth. "Aber die Vereinigten Staaten werden nicht lĂ€nger ein unausgewogenes VerhĂ€ltnis tolerieren." Die Nato-Partner mĂŒssten deutlich mehr in ihre Verteidigung investieren.
Und: Die europĂ€ischen VerbĂŒndeten mĂŒssten die Verantwortung fĂŒr die Sicherheit auf ihrem Kontinent ĂŒbernehmen. Hegseth kĂŒndigte an, Europa mĂŒsse kĂŒnftig den ĂŒberwiegenden Teil der militĂ€rischen Hilfen fĂŒr die Ukraine stemmen. Die USA hĂ€tten sich auf andere Bedrohungen und Herausforderungen zu konzentrieren - etwa darauf, die eigenen Grenzen zu sichern und einen Krieg mit China zu verhindern.
Was bedeutet das fĂŒr die Ukraine?
FĂŒr die Ukraine sind die Aussagen von Hegseth ein herber RĂŒckschlag, der sich allerdings seit lĂ€ngerem angedeutet hat. Kiew hat zwar nie offiziell das Ziel der RĂŒckholung aller von Russland kontrollierten Gebiete aufgegeben, aber zuletzt rĂŒckten der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj und sein Team mehr und mehr eine diplomatische statt militĂ€rische Lösung des Konflikts in den Vordergrund. Ein faktischer, aber juristisch nicht anerkannter ukrainischer Gebietsverzicht kursiert bereits seit Wochen als Variante fĂŒr eine mögliche Friedenslösung.
Ein von Russland geforderter und jetzt von Hegseth ausformulierter Verzicht auf einen Nato-Beitritt des unbesetzten Teils der Ukraine wurde in Kiew ebenso bereits als Gefahr erkannt. Selenskyj versuchte dem entgegenzuwirken, indem er stattdessen eine atomare Wiederbewaffnung der Ukraine durch den Westen ins Spiel brachte. Zudem sagte der ukrainische Staatschef, dass nur die USA seinem Land reale Sicherheitsgarantien geben können. An Zusicherungen der EuropÀer glaubt er offensichtlich nicht.
Was bedeutet das fĂŒr die EuropĂ€er?
FĂŒr viele europĂ€ische Partner der Ukraine bestĂ€tigen sich mit den Ansagen der US-Regierung die schlimmsten BefĂŒrchtungen. In BrĂŒssel und anderen HauptstĂ€dten ging bereits zuvor die Sorge um, dass die USA ihre UnterstĂŒtzung drastisch zurĂŒckfahren und eine Friedenslösung erzwingen könnten, aus der Russland faktisch als Sieger hervorgehen könnte. Im Wahlkampf hatte Trump ohne Unterlass behauptet, er könne den Krieg in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden beenden - unter anderem wegen seiner guten Kontakte zu Kremlchef Wladimir Putin.
Besonders problematisch ist der Kurs der USA, weil er auch die EU spalten könnte. Schon in den vergangenen Monaten hatte Ungarn immer wieder auf europĂ€ischer Ebene UnterstĂŒtzungsentscheidungen fĂŒr die Ukraine blockiert. MinisterprĂ€sident Viktor Orban dringt wie Trump auf schnelle Verhandlungen.
Zudem gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass die EU finanziell und militĂ€risch ĂŒberhaupt in der Lage wĂ€re, der Ukraine alleine eine erfolgreiche Fortsetzung des Abwehrkampfes gegen Russland zu ermöglichen. In Berlin und anderen europĂ€ischen HauptstĂ€dten wurde bislang nicht einmal eine Ukraine-Friedenstruppe ohne US-Beteiligung fĂŒr denkbar gehalten.
Absehbar kommt auf die EU nun auch neuer Streit ĂŒber Verteidigungsinvestitionen und mögliche neue Schulden dafĂŒr zu. Ein RĂŒckzug der Amerikaner aus Europa dĂŒrfte zusĂ€tzliche Milliardeninvestitionen erfordern und viele Staaten sind schon jetzt hoch verschuldet. Bislang werden neue EU-Schulden aber vor allem von Deutschland abgelehnt.
Was bedeutet das fĂŒr Russland?
Eines der deklarierten Kriegsziele Moskaus war es, den Nato-Beitritt der Ukraine zu verhindern. Insofern wĂ€re dies ein Etappensieg, aber der Kreml hat noch weitere Forderungen, die bislang nicht von Hegseth angesprochen wurden. So besteht Russland darauf, die im Herbst 2022 annektierten Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja vollstĂ€ndig zu kontrollieren. Damit mĂŒssten sich die ukrainischen Truppen sogar noch von der aktuellen Frontlinie weit zurĂŒckziehen.
AuĂerdem beharrt Moskau auf einem Mitspracherecht in der ukrainischen Politik, was unter anderem durch die Forderung nach einer "Entnazifizierung der Ukraine" zum Ausdruck gebracht wird.
Da die USA wenig Interesse an einer weiteren militĂ€rischen StĂŒtzung der Ukraine zeigen, wird der Kreml es bei Verhandlungen nicht eilig haben, solange sich auf dem Schlachtfeld die Lage weiter zu seinen Gunsten entwickelt. Stattdessen könnte Russland weitere Eroberungen ins Auge fassen. Charkiw, Odessa und Dnipro waren zumindest vor dem Krieg gröĂtenteils russischsprachige MillionenstĂ€dte und werden in Moskau oftmals als Teil der "russischen Welt" betrachtet.

