Tarifkonflikt bei der Bahn:Â Reaktion von EVG erwartet
30.05.2023 - 02:00:42Bei den Verhandlungen in Fulda hat die Deutsche Bahn ein neues Tarifangebot vorgelegt - am Dienstag wird nun die Reaktion der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darauf erwartet. Die Bahn hatte der Gewerkschaft bis einschlieĂlich heute Abend Zeit fĂŒr die RĂŒckmeldung gegeben.
Die Gewerkschaft bestĂ€tigte der dpa am Montagabend, dass sie am Dienstag entscheiden wird. Erwartet wird, dass die Delegationen beider Seiten in den nĂ€chsten Tagen zu neuen GesprĂ€chen zusammenkommen werden. Die EVG hatte vergangenen Donnerstag bereits kurz nach Erhalt des Angebots mitgeteilt, dass sie zĂŒgig weiterverhandeln will.
EVG wohl noch nicht zufrieden
Das neue DB-Angebot fĂŒr gut 180.000 BeschĂ€ftigte sieht zwölf Prozent mehr Geld fĂŒr die unteren, zehn Prozent mehr fĂŒr die mittleren und acht Prozent mehr fĂŒr die oberen Einkommensgruppen vor. Die Erhöhungen sollen in zwei Stufen erfolgen, die erste im Dezember 2023. AuĂerdem bietet die DB die Zahlung von 2850 Euro InflationsausgleichsprĂ€mie an - 1450 Euro voraussichtlich im Juli, weitere 1400 Euro im November. Die Laufzeit liegt im Angebot bei 24 Monaten.
Mit dem Angebot ist die Bahn der Gewerkschaft einen Schritt entgegen gekommen, gemessen an der bisherigen Verhandlungsposition dĂŒrfte die damit aber noch nicht zufrieden sein. GrundsĂ€tzlich fordert die EVG mindestens 650 Euro mehr pro Monat oder 12 Prozent mehr bei den oberen Einkommensgruppen. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll nach Gewerkschaftsvorstellung bei zwölf Monaten liegen. Von diesen Forderungen ist das DB-Angebot letztlich noch weit entfernt.
Daher ist nicht ausgeschlossen, dass die Gewerkschaft zunĂ€chst noch mal an den Verhandlungstisch kommt, in den nĂ€chsten Wochen aber auch erneut mit einem Warnstreik ihren Forderungen Nachdruck verleihen könnte. Sie befindet sich dabei in einer komplizierten Gemengelage, die ĂŒber das reine Tarifergebnis hinausgeht.
Dritter Warnstreik verhindert
Auch die Mitgliederentwicklung spielt fĂŒr Gewerkschaften wĂ€hrend der Tarifverhandlungen eine groĂe Rolle - und bei einer streikenden Gewerkschaft steigen in der Regel die Mitgliederzahlen deutlich. Bisher hat die EVG im laufenden Tarifkonflikt zweimal zum Warnstreik aufgerufen, ein dritter und besonders langer Warnstreik wurde nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der DB kurzfristig abgesagt.
Die EVG steht zudem in Konkurrenz zur Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer (GDL), deren TarifvertrĂ€ge bei der Deutschen Bahn zwar nur fĂŒr gut 8000 BeschĂ€ftigte Anwendung finden, die aber durch ihr hartes Auftreten in Tarifverhandlungen bekannt ist und so ebenfalls um Mitglieder und Einfluss wirbt. Die GDL will am 5. Juni mitteilen, mit welchen Forderungen sie im Herbst in die TarifgesprĂ€che mit der DB zieht. Gut möglich, dass die EVG die Ansage der Konkurrenz vor einem eigenem Abschluss noch abwarten will.
Der Tarifkonflikt zwischen der DB und der EVG dauert seit Ende Februar an. Zu Beginn verliefen die GesprÀche sehr stockend, die vierte Verhandlungsrunde vergangene Woche in Fulda wurde von beiden Seiten aber zumindest als konstruktiv bewertet.


