Justiz

Bundesgerichtshof weist Klage von Wirecard-AktionÀren ab

13.11.2025 - 10:37:46

Eine deutsche Kapitalanlagegesellschaft, die im Fall Wirecard Schadensersatz gefordert hat, gilt nicht als "einfache" InsolvenzglĂ€ubigerin und soll bei der Verteilung der restlichen Mittel aus der Insolvenz nur nachrangig berĂŒcksichtigt werden.

Das hat der neunte Zivilsenat des Bundesgerichtshofs am Donnerstag entschieden. Die Kapitalanlagegesellschaft erwarb im Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis zum 12. Juni 2020 Aktien von Wirecard auf dem SekundĂ€rmarkt und verkaufte diese zum großen Teil wieder. Am 18. Juni 2020 hielt die KlĂ€gerin noch 73.345 Aktien der Wirecard AG. Sie meint, ihr stĂŒnden kapitalmarktrechtliche SchadensersatzansprĂŒche gegen die Gesellschaft zu.

Die Wirecard AG habe ein tatsĂ€chlich nicht vorhandenes GeschĂ€ftsmodell vorgetĂ€uscht und ĂŒber ihre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage getĂ€uscht. Bei Kenntnis der wahren Sachlage hĂ€tte die KlĂ€gerin keine Aktien erworben. Das Landgericht hatte die Klage und die Widerklage abgewiesen. Das Oberlandesgericht hatte dann die eingelegte Berufung des Beklagten durch Teilurteil zurĂŒckgewiesen und auf die Berufung der KlĂ€gerin ein Zwischenurteil erlassen. Darin hatte das Oberlandesgericht ausgesprochen, dass die Klage zulĂ€ssig sei und die KlĂ€gerin ihre kapitalmarktrechtlichen Schadensersatzforderungen als Insolvenzforderungen geltend machen könne. Mit ihrer vom Oberlandesgericht zugelassenen Revision verfolgten die Beklagten ihren Antrag auf Klageabweisung schließlich weiter. Der Bundesgerichtshof entschied nun, dass die von der KlĂ€gerin angemeldeten Forderungen keine einfachen Insolvenzforderungen darstellen. Kapitalmarktrechtliche SchadensersatzansprĂŒche der AktionĂ€re seien derart mit der Stellung als AktionĂ€r verknĂŒpft, dass sie in der Insolvenz der Gesellschaft hinter den Forderungen einfacher InsolvenzglĂ€ubiger zurĂŒcktreten mĂŒssten. Im Fall Wirecard sind rund 15,4 Milliarden Euro Forderungen angemeldet, aber nur 650 Millionen Euro vorhanden. Die Kapitalanlagegesellschaft geht folglich wahrscheinlich leer aus.

@ dts-nachrichtenagentur.de