R+V-Chef: Reform privater Altersvorsorge voranbringen
29.06.2023 - 05:24:40Die deutsche Versicherungswirtschaft hofft auf Tempo bei einer Reform der privaten Altersvorsorge. «Es sollte schon das Ziel sein, hier jetzt eine Reform voranzubringen», sagte Norbert Rollinger, Chef der genossenschaftlichen Versicherungsgruppe R+V, der Deutschen Presse-Agentur. Die Ergebnisse einer Expertenrunde bei FinanzstaatssekretĂ€r Florian Toncar sollen Ende Juni vorliegen. «Wir Versicherer haben dort unseren Vorschlag fĂŒr eine neue staatlich geförderte private Altersvorsorge eingebracht, die BĂŒrgerrente.»
«Riester ist reformbedĂŒrftig, gar keine Frage. Aber auch reformfĂ€hig. Die Nullzinsen haben dem Produkt schwer geschadet», sagte Rollinger, der auch PrĂ€sident des Branchenverbandes GDV ist. Die Nullzinsen hĂ€tten dazu gefĂŒhrt, dass das Produkt aus sich heraus keine gute Rendite mehr erwirtschaftet habe. «Mit den Zulagen war und ist das gerade fĂŒr Geringverdiener aber nach wie vor ein gutes GeschĂ€ft.»
Riester-Anbieter sind gesetzlich verpflichtet, eingezahlte BeitrÀge der Vorsorgesparer und staatliche Zulagen zu 100 Prozent zu garantieren. Das wurde in der Zinsflaute auch wegen der Kosten zunehmend schwieriger.
BeitrÀge am Kapitalmarkt anlegen
Der GDV hat vorgeschlagen, das Garantieniveau zu senken. So könnten die BeitrĂ€ge gewinnbringender am Kapitalmarkt angelegt werden. In die BĂŒrgerrente sollen auch SelbststĂ€ndige, Beamte und Arbeitslose einbezogen werden. Nach dem Vorschlag wĂŒrde der Staat jeden eingezahlten Euro der Versicherten bis zu einer Obergrenze mit einem Zuschuss von 50 Cent fördern. Eine noch unter der alten Bundesregierung geplante Reform der privaten Altersvorsorge war nicht zustande gekommen.
«Wir stehen weiter zu Riester, zumal wir auch BestÀnde haben», sagte Rollinger. Demnach gibt es rund 16 Millionen Riester-VertrÀge, davon rund zehn Millionen Riester-VersicherungsvertrÀge. «Den Menschen hinter diesen VertrÀgen sollte man nicht im Nachhinein sagen: Ihr habt einen Riesenfehler gemacht», mahnte der Manager. «Wenn ich die Leute so verunsichere, dass sie gar nichts mehr machen, dann gefÀhrde ich die Solidargemeinschaft, dann riskiere ich zunehmende Altersarmut.»
Rollinger betonte: «Wir haben groĂes Interesse dran, sowohl unsere Riester-Bestandskunden als auch potenzielle neue Kunden in eine geförderte Altersvorsorge einzubringen und alle mitzunehmen.»


