Einzelhandel, IKEA-Beschäftigte

Einzelhandel: 8.000 IKEA-Beschäftigte streiken für 7% Lohnplus

21.06.2026 - 00:09:15 | boerse-global.de

Tarifkonflikt im Einzelhandel eskaliert: ver.di ruft zu Warnstreiks bei IKEA auf, Arbeitgeber legen Gegenangebot vor.

IKEA-Streiks: 8.000 Mitarbeiter legen Arbeit in 31 Filialen nieder
Einzelhandel - IKEA-Mitarbeiter streiken vor einem IKEA-Geschäft und fordern 7% Lohnerhöhung. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Am Freitag legten über 8.000 IKEA-Mitarbeiter in 31 Filialen die Arbeit nieder.

Die Gewerkschaft ver.di hatte zu den koordinierten Warnstreiks aufgerufen. Sie fordert 7 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro monatlich – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Betroffen sind rund 5,2 Millionen Beschäftigte der Branche.

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Die Arbeitgeber kontern mit einem eigenen Angebot: sechs Monate Nullrunde, dann 2 Prozent mehr ab November 2026 und weitere 1,5 Prozent ab August 2027. Die Laufzeit: 24 Monate. Der Handelsverband Deutschland (HDE) nannte die Streiks „falsche Taktik".

IKEA selbst gibt sich gelassen. Alle 54 deutschen Filialen blieben geöffnet, die Auswirkungen aufs Geschäft seien gering. Die Gewerkschaft kritisiert dagegen den Sparkurs und personelle Einschnitte beim Möbelriesen – der im Geschäftsjahr 2024 immerhin 6,1 Milliarden Euro Umsatz machte.

Arbeitszeitreform: Ministerin legt umstrittenen Entwurf vor

Parallel zu den Tarifkonflikten sorgt ein neuer Gesetzesentwurf für Zündstoff. Arbeitsministerin Bärbel Bas will das Arbeitszeitgesetz reformieren.

Der Kern: Weg vom starren Acht-Stunden-Tag. Künftig soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gelten – aber nur, wenn Tarifverträge das regeln. Zudem plant das Ministerium eine verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung.

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Die Arbeitgeber laufen Sturm. BDA und Gesamtmetall lehnen den Entwurf ab. Auch aus der Union kommt Kritik: Fraktionsvize Carsten Linnemann wies die Pläne zurück. Der DGB warnt vor gesundheitlichen Risiken durch entgrenzte Arbeitszeiten.

Die Zahlen zeigen, wie relevant das Thema ist: 2024 leisteten Arbeitnehmer in Deutschland 638 Millionen unbezahlte Überstunden.

Leiharbeit: Scharfe Kritik an Tarifvereinbarungen

Ein weiterer Streitpunkt: die Lage der Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie. Die International Workers Association (IWA-AIT) wirft der IG Metall vor, mit ihren Tarifvereinbarungen prekäre Verhältnisse zu zementieren.

Die Branchenzuschläge von 15 bis 50 Prozent basierten auf niedrigen Basistarifen, so der Vorwurf. Das Prinzip der gesetzlichen Gleichbehandlung (Equal Pay) werde damit faktisch unterlaufen. Rund 250.000 Leiharbeiter seien betroffen.

Sozialgerichte kippen Regeln für EU-Ausländer

Auch vor Gericht tut sich was. Sozialgerichte in Berlin und Leipzig erklärten die Richtlinien der Bundesagentur für Arbeit für wirkungslos, die bestimmte EU-Bürger vom Bezug von Hartz-IV-Leistungen ausschließen. Begründung: Der deutsche Vorbehalt gegen das Europäische Fürsorgeabkommen sei rechtswidrig.

Schweiz: Jeder vierte Entsendebetrieb zahlt zu wenig

Blick über die Grenze: Ein aktueller SECO-Bericht für 2025 dokumentiert massive Verstöße gegen Lohnvorgaben. Bei Überprüfungen von 38.500 Unternehmen und 147.000 Beschäftigten fiel jeder vierte ausländische Entsendebetrieb durch Lohndumping auf. Auch bei Schweizer Firmen lag die Quote bei 10 Prozent. Die Folge: zahlreiche Sanktionen und Versöhnungsverfahren.

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