Emissionshandel, Kommission

Emissionshandel: Kommission bremst Zertifikat-Abbau für 2040er

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 20:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission schlägt eine Verlangsamung des Zertifikateabbaus vor und knüpft Gratiszertifikate an Investitionsauflagen.

EU-Kommission reformiert Emissionshandel: Weniger Tempo bei Zertifikaten
Industrielandschaft mit stilisierten Rauchfahnen, die sich in digitale Datenströme verwandeln, um CO2-Emissionen und Wirtschaftspolitik darzustellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Am heutigen Freitag präsentierte sie ein Paket, das die Industrie stärker stützen, aber gleichzeitig die Klimaziele für 2040 absichern soll. Kern der Vorschläge: eine Verlangsamung beim Abbau der Emissionsrechte ab dem nächsten Jahrzehnt und die Beibehaltung kostenloser Zertifikate unter bestimmten Bedingungen.

Weniger Tempo beim Zertifikate-Abbau

Das Ziel ist ambitioniert: 90 Prozent weniger Treibhausgase bis 2040. Derzeit sinkt die jährliche Obergrenze für Emissionsrechte bis 2027 um 4,3 Prozent, ab 2028 um 4,4 Prozent. Die Kommission schlägt für die Zeit nach 2030 eine moderatere Gangart vor. Zwischen 2031 und 2035 soll die Reduktionsrate auf 3,7 Prozent sinken, ab 2036 sogar auf 1,7 Prozent pro Jahr.

Die Folge: Neue Zertifikate werden erst ab 2039 nicht mehr ausgegeben – später als ursprünglich geplant. Seit Einführung des ETS im Jahr 2005 sind die Emissionen in den erfassten Sektoren bereits um etwa die Hälfte gesunken. Der aktuelle CO2-Preis liegt bei rund 80 Euro pro Tonne.

Gratiszertifikate nur gegen Investitionen

Ein zentraler Punkt: Die Kommission verlängert die Vergabe kostenloser Zertifikate – und kommt damit Forderungen aus Industrie und Mitgliedstaaten nach. Allerdings knüpft sie die Zuteilungen an Bedingungen. Unternehmen sollen 80 Prozent ihrer Gratiszertifikate vorab erhalten. Die restlichen 20 Prozent gibt es erst nach dem Nachweis konkreter Investitionen in klimafreundliche Technologien.

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Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen künftig gezielter zurück in die Wirtschaft. Rund 50 Prozent der Erlöse sind für die Dekarbonisierung der Industrie vorgesehen. Der Industrieverband BDI sowie Vertreter der Chemie- und Stahlindustrie hatten zuvor wiederholt Entlastungen gefordert – um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und eine Abwanderung von Produktionskapazitäten zu verhindern.

Neue Sektoren kommen dazu

Ab 2031 soll die Müllverbrennung in den Emissionshandel integriert werden. Auch der Flugverkehr – für Strecken bis zu 5.000 Kilometern – sowie die Schifffahrt mit kleineren Schiffen werden stärker erfasst.

Parallel zum bestehenden ETS-1 für Energieerzeuger und Industrie bereitet die Kommission ein separates System vor: ETS-2 für Gebäude und Straßenverkehr. Es soll 2028 starten. Das übergeordnete Ziel bleibt die Klimaneutralität der EU bis 2050. Das Elektrifizierungsziel bis 2040 liegt bei knapp unter 50 Prozent.

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Geteiltes Echo aus Politik und Verbänden

Der Vorschlag spaltet die Lager. Die EVP-Fraktion im EU-Parlament lobte die zusätzliche Unterstützung für die Industrie. Abgeordnete der Grünen und der SPD kritisierten dagegen, dass die Aufweichung der Reduktionsziele das wichtigste Klimaschutzinstrument der EU schwächen könnte. Umweltorganisationen forderten eine Verschärfung statt einer Lockerung.

Auch innerhalb der Mitgliedstaaten gibt es Differenzen. Polen drängt auf eine deutliche Lockerung des Systems. Schweden und Finnland sprechen sich für strenge Vorgaben aus. Die Bundesregierung hatte sich für gezielte Ausnahmen eingesetzt. Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IGBCE, bezeichnete den Vorschlag als zu zaghaft. Der gewonnene Zeitrahmen reiche für die tiefgreifende industrielle Transformation noch nicht aus.

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