Emissionshandel, Studie

Emissionshandel: Studie fordert Verschiebung der CO2-Reduktion auf 2033

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 00:14 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien und Politiker fordern mehr Zeit für die Industrie bei der CO2-Zertifikate-Reduktion. Der Haushaltsstreit um die ETS-Einnahmen spitzt sich zu.

EU-Kommission: Neue Reformvorschläge für den Emissionshandel
Industrielandschaft mit Fabrikschornsteinen, die Dampf ausstoßen, symbolisiert den Übergang zu sauberer Energie und politische Reformen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Schon im Vorfeld fordern Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung deutliche Anpassungen.

Studie fordert spätere Reduktion kostenloser Zertifikate

Das Öko-Institut und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) haben einen gemeinsamen Reformvorschlag vorgelegt. Die 160-seitige Studie plädiert dafür, die Reduktion kostenloser Zertifikate erst ab 2033 einzuleiten – statt wie bisher geplant ab 2028.

Auch die Ausgabe neuer Zertifikate soll verlängert werden: bis 2048 statt bis 2039. Zudem schlagen die Institute vor, das bestehende Benchmark-System durch eine jährliche Verschärfung um 0,3 Prozent zu ersetzen. Der Start für das Abschmelzen des Grenzausgleichsmechanismus CBAM soll um fünf Jahre verschoben werden.

Ziel sei es, der Industrie mehr Zeit für die technologische Umstellung zu geben.

Politischer Acht-Punkte-Plan für den Industriestandort

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Lies und IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis legten einen Acht-Punkte-Plan vor. Sie fordern, die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten bis 2030 einzufrieren und den allgemeinen Reduktionspfad zu verlangsamen.

In einem gemeinsamen Beitrag warnen Lies und Vassiliadis vor der Abwanderung von Produktionskapazitäten – vor allem in der Chemiebranche. Der Grund: Regionen wie die USA, China und Indien haben keine vergleichbaren CO2-Kosten.

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Preisdynamik: Gas ist das Problem, nicht der ETS

Eine Expertin der Bruegel-Denkfabrik stellt klar: Der Emissionshandel ist nicht die Hauptursache für hohe Strompreise. Entscheidend sei vielmehr die Abhängigkeit von Erdgas. Seit seiner Einführung 2005 habe das System die Emissionen in den betroffenen Sektoren um rund 50 Prozent gesenkt.

Derzeit werden etwa 51,5 Prozent der Zertifikate versteigert, der Rest geht kostenlos an die Industrie.

Die Stiftung Umweltenergierecht hat die rechtlichen Grundlagen geprüft. Sollten die neuen Regeln überwiegend steuerlicher Natur sein oder die Energiesouveränität der Mitgliedstaaten berühren, wäre im Rat Einstimmigkeit erforderlich.

Haushaltsstreit um ETS-Einnahmen

In der Bundespolitik sorgt die Verwendung der ETS-Erlöse für Zündstoff. Finanzminister Lars Klingbeil plant, 2027 rund 2,7 Milliarden Euro aus dem Emissionshandel in den allgemeinen Haushalt umzuleiten. Bisher fließen diese Mittel in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), der für 2026 Ausgaben von 34,8 Milliarden Euro vorsieht.

Das Vorhaben stößt in der Koalition und bei der Opposition auf Kritik.

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Industrie investiert bereits in neue Technologien

Dass die Industrie den Wandel vorantreibt, zeigt eine aktuelle Inbetriebnahme in Mergelstetten. Anfang Juli weihte thyssenkrupp Polysius dort eine Oxyfuel-Anlage im industriellen Maßstab ein. Die Anlage kostete über 120 Millionen Euro und soll rund 95 Prozent des anfallenden CO2 abscheiden.

Pro Tag können dort etwa 450 Tonnen Klinker produziert werden. Die Vermarktung der Technologie übernimmt die spezialisierte Einheit Calvion.

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