Energieeffizienzgesetz: Rechenzentren bekommen 3 Mrd. Euro Entlastung
06.07.2026 - 00:30:17 | boerse-global.de
Das zeigt eine Untersuchung von Umweltbundesamt und Universität Freiburg.
Die Forscher analysierten 111 Human- und 28 Tierwirkstoffe. Ergebnis: Für 65 Prozent der Tierarzneimittel mit per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen existieren bereits Alternativen. Ein Problem: Über 80 Prozent der untersuchten PFAS-Wirkstoffe zerfallen zu Trifluoressigsäure (TFA). Das UBA hat die Daten in den Arzneimittelindex Umwelt eingepflegt. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) soll bis Ende 2026 bewerten – ein EU-Gesetzesentwurf könnte 2027 folgen.
Halogenfreie Alternativen für die Industrie
Spezialchemieunternehmen entwickeln parallel neue Lösungen ohne kritische Stoffgruppen. Im Brandschutz gewinnt Bisphenol-A-bis-(diphenyl-phosphat) (BDP) als halogenfreies Flammschutzmittel an Bedeutung. Es überzeugt durch thermische Stabilität und geringer Flüchtigkeit – relevant für Automobilindustrie, Elektronikfertigung und 3D-Druck.
Auch die Textilindustrie setzt auf grüne Chemie. Neue anionische Acrylpolymer-Verdickungsmittel für den Textildruck verzichten auf Alkylphenolethoxylate (APEO) und Formaldehyd. Sie verbessern die Druckqualität und senken durch geringeren Chemikalien- und Energieverbrauch die Betriebskosten. Für Outdoor- und Industriebereich gibt es zudem C8-Fluorcarbon-Lösungen als wasser- und ölabweisende Imprägnierung – eingestuft als nicht-giftig.
Energieeffizienzgesetz: Entlastung für Rechenzentren
Das Bundeskabinett beschloss am 24. Juni 2026 die Novelle des Energieeffizienzgesetzes. Die Pflicht zum Energiemanagementsystem greift erst ab 23,6 GWh Verbrauch – statt bisher 7,5 GWh. Auch die Grenzwerte für die Power Usage Effectiveness (PUE) bei Bestandsanlagen wurden gelockert: Zielwert maximal 1,6 bis 2027 und 1,4 bis 2030. Die Pflicht zur Abwärmenutzung ersetzt eine Kosten-Nutzen-Analyse. Das Ziel, bis 1. Januar 2030 vollständig auf erneuerbaren Strom umzustellen, bleibt bestehen. Die Bundesregierung rechnet mit Entlastungen von über 3 Milliarden Euro.
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ESRS-Reform: 60 Prozent weniger Datenpunkte
Anfang Juli verabschiedete die EU-Kommission eine Reform der European Sustainability Reporting Standards. Die neuen Regeln reduzieren verpflichtende Datenpunkte um 60 Prozent. KMU mit weniger als 1.000 Beschäftigten können Übergangsfristen bis 2028 nutzen. Für größere Unternehmen gelten die neuen Regeln ab 1. Januar 2027.
Strengere Regeln für Umweltaussagen
Ab 27. September 2026 verbietet eine Novelle des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb unbelegte Werbeaussagen wie „klimaneutral“. Der Markenverband warnt vor möglicher Vernichtung bereits produzierter Verpackungen. Begriffe wie „umweltfreundlich“ müssen künftig strenger belegt sein.
Vietnam plant unterdessen strengere Auflagen für Insektizid- und Desinfektionsmittel-Produktion. Anlagen sollen künftig mindestens einen qualifizierten Chemikaliensicherheitsbeauftragten beschäftigen. Bei Änderungen in Lieferkette oder Zusammensetzung sind umfangreiche Tests vorgesehen.
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Lieferkettengesetz: Weniger Unternehmen betroffen
Der Koalitionsausschuss von Union und SPD einigte sich auf eine Umsetzung der EU-Lieferkettenrichtlinie. Der Anwendungsbereich gilt für Unternehmen mit mindestens 5.000 Beschäftigten und über 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Kritiker aus NGOs schätzen, dass damit nur noch etwa 150 Unternehmen direkt betroffen wären.
Pestizide in Wolkenwasser nachgewiesen
Eine Studie der Universität Clermont Auvergne vom 5. Juli zeigt die Dringlichkeit der Wirkstoff-Überwachung. Forscher wiesen in Wolkenwasserproben 32 verschiedene Pestizidwirkstoffe nach – darunter bereits verbotene Substanzen. In der Hälfte der Proben überschritt die Gesamtbelastung den EU-Trinkwassergrenzwert von 0,5 µg/L.
Industrie reagiert mit Umstrukturierungen
Bayer gliedert sein US-Glyphosat-Geschäft in die neue Tochter Ruveon mit Sitz in St. Louis aus – bekanntgegeben am 4. Juli. Bayer bleibt wirtschaftlicher Eigentümer. Marktbeobachter sehen darin eine Vorbereitung für strategische Optionen im Umgang mit rechtlichen Herausforderungen in den USA.
Aurubis nahm am 3. Juli eine neue Recyclinganlage in Hamburg in Betrieb. Bei Investitionen von 190 Millionen Euro verarbeitet die Anlage jährlich rund 30.000 Tonnen Material.
