EU erlaubt Beihilfen fĂŒr Mikroelektronik und Kommunikation
08.06.2023 - 16:16:59Um bei der Entwicklung von Mikroelektronik und Chips unabhĂ€ngiger von den USA und China zu werden, hat die EU ein milliardenschweres Beihilfe-Programm genehmigt. Damit sollen Dutzende Projekte, viele davon in Deutschland, möglich werden, umriss EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Donnerstag in BrĂŒssel die PlĂ€ne. Mikrochips seien das RĂŒckgrat der Wirtschaft, Europa mĂŒsse hier die eigenen FĂ€higkeiten erhöhen. «Wir mĂŒssen Pioniere werden», sagte Vestager.
Im Rahmen des sogenannten «Important Projects of Common European Interest» (IPCEI) werden nach EU-Angaben Beihilfen in Höhe von 8,1 Milliarden Euro genehmigt. ZusĂ€tzlich investierten private Unternehmen noch einmal bis zu 13,7 Milliarden Euro, so dass es sich um eine Gesamtinvestition von rund 21,8 Milliarden Euro handele. An dem Projekt beteiligen sich neben Deutschland 13 weitere EU-Staaten, darunter Frankreich, Ăsterreich, die Niederlande und Spanien.
«Die neue Förderung fĂŒr Halbleiter stellt wichtige Weichen fĂŒr die digitale SouverĂ€nitĂ€t Deutschlands und Europas», betonte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Branchenverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder. Ohne Halbleiter gebe es keine Digitalisierung. Wichtig sei jetzt, dass die Förderbescheide aber auch zĂŒgig ausgestellt wĂŒrden, mahnte er. «Die Genehmigung der EU-Kommission hat viel Zeit in Anspruch genommen, viele Projekte sind seit mehr als einem Jahr in den Startlöchern.»
Zahlreiche der Projekte und Partner, die von dem Programm profitieren, sitzen in Deutschland. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck dankte der EU-Kommission fĂŒr die Entscheidung. Die Projekte stĂ€rkten den Mikroelektronik-Standort Deutschland und seien ein wichtiger industriepolitischer Meilenstein, erklĂ€rte er in Berlin. «Wir können so die WiderstandsfĂ€higkeit in ganz Europa in diesem wichtigen Feld erhöhen und Wertschöpfung und ArbeitsplĂ€tze sichern.»
Förderprojekte fĂŒr Deutschland
Deutschlandweit sind 31 Projekte in 11 BundeslĂ€ndern beteiligt. Die Zahl ist mit den europaweit 68 Projekten, von denen die EU-Kommission spricht, nicht unmittelbar vergleichbar - so redet das Ministerium von rund 100 Projekten europaweit. Das liege an unterschiedlichen ZĂ€hlweisen, erlĂ€uterte das Ministerium: WĂ€hrend die EU-Kommission Rechtseinheiten aufliste, zĂ€hle das Wirtschaftsministerium unterschiedliche Projekte von Firmen wie Bosch oder Infineon einzeln. Nach ZĂ€hlweise der EU-Kommission komme man fĂŒr Deutschland auf 23 Förderprojekte.
Neben groĂen Unternehmen seien in Deutschland auch kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen, sowie Start-ups beteiligt. Viele Projekte gibt es nach einer Ăbersicht des Wirtschaftsministeriums in Bayern und Sachsen. Geförderte Unternehmen werden demnach unter anderem Infineon mit Standorten in Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sein sowie Bosch mit Standorten in Baden-WĂŒrttemberg und Dresden. Die Projekte reichen von der Materialherstellung ĂŒber das Chipdesign bis zur Erstellung von neuen Produkten und Anwendungen.
Moderne Chip-Fabriken
Laut BMWK hat das Investitionsprogramm das Ziel, bei Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien vor allem dort aufzuholen, wo Europa zum Teil technologisch abhĂ€ngig von Drittstaaten geworden ist. Die Förderung der Mikroelektronik solle dazu beitragen, dass in Deutschland moderne Chip-Fabriken entstehen und leistungsfĂ€higere Komponenten entwickelt werden, heiĂt es aus dem Wirtschaftsministerium. Man gehe davon aus, dass die geförderten deutschen Unternehmen zusĂ€tzlich private Investitionen in Forschung und Entwicklung, Produktionsanlagen und GebĂ€ude im zweistelligen Milliardenbereich umsetzen werden. Gleichzeitig wĂŒrden durch die nationalen Projekte mehr als 4000 direkte neue ArbeitsplĂ€tze geschaffen.
Ein groĂer Abnehmer der neuen Techniken könnte die Automobilbranche in Deutschland werden. Bis 2030 werde sich die Nachfrage nach Halbleitern in der Automobilindustrie verdreifachen, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit. «Die Autoindustrie wird damit zum drittwichtigsten Chip-Abnehmer weltweit.» Vor allem bei der ElektromobilitĂ€t seien neue KapazitĂ€ten zwingend notwendig.
Es ist bereits die zweite groĂe Mikroelektronik-Offensive der EU, die bereits 2018 ein Ă€hnliches Programm genehmigt hatte. Damals hatten nach Angaben von EU-Kommissarin Vestager unter anderem eine Chip-Fabrik von Bosch in Dresden und Carl Zeiss in Baden-WĂŒrttemberg profitiert. Die EU-Kommission muss wichtige nationale Förderprojekte genehmigen, damit es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den EU-Staaten kommt.


