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Evangelische Kirche wechselt zu Kommunaltarif: 10.000 Mitarbeiter profitieren

14.05.2026 - 05:30:49 | boerse-global.de

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck führt den TVöD ein. Rund 10.000 Beschäftigte profitieren von höheren Gehältern und mehr Urlaub.

Evangelische Kirche wechselt zu Kommunaltarif: 10.000 Mitarbeiter profitieren - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Evangelische Kirche wechselt zu Kommunaltarif: 10.000 Mitarbeiter profitieren - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat einen historischen Schritt vollzogen: Seit Mai 2026 erhalten rund 10.000 Beschäftigte die ersten Gehaltserhöhungen nach dem neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Der Wechsel vom bisherigen Tarifvertrag der Länder (TV-L) zum kommunalen TVöD trat bereits am 1. Januar 2026 in Kraft. Damit beendet die Landeskirche eine jahrzehntelange Bindung an die staatliche Tarifwelt und stellt sich auf die Beine der Kommunen – ein Novum in der deutschen Kirchenlandschaft.

Die Strategie hinter dem Tarifwechsel

Den Grundstein legte die Arbeitsrechtliche Kommission (ARK) der Landeskirche am 25. Juni 2025. Das Gremium, paritätisch besetzt mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern, stimmte für die Übernahme des TVöD-Rahmens. Ziel: Die Kirche als modernen Arbeitgeber sichtbarer machen.

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„Wir wollten sicherstellen, dass kein Beschäftigter finanziell schlechter dasteht", betont Felicitas Becker-Kasper, ARK-Vorsitzende und Arbeitnehmervertreterin. Eine Bestandsschutzklausel garantiert, dass niemand im Januar 2026 weniger verdiente als noch im Dezember 2025.

Ein entscheidender Vorteil des neuen Systems: die sogenannte „dynamische Anwendung". Bisher musste die EKKW jede Tariferhöhung des TV-L mühsam nachverhandeln. Künftig greifen die Ergebnisse der TVöD-Verhandlungen automatisch und sofort. „In Zeiten großer Veränderungen sendet die Übernahme eines bekannten Tarifwerks ein klares Signal: Die Kirche bleibt ein verlässlicher Partner für ihre Mitarbeiter", erklärt Dr. Anne-Ruth Wellert, Leiterin der arbeitsrechtlichen Abteilung und stellvertretende ARK-Vorsitzende.

Konkrete Verbesserungen für die Beschäftigten

Die erste spürbare Erhöhung kam im Mai 2026: 2,8 Prozent mehr Gehalt – die Übernahme des TVöD-Abschlusses von 2025. Bereits im Frühjahr 2025 war eine lineare Steigerung von 3,0 Prozent (mindestens 110 Euro) in die neuen Tabellen eingeflossen.

Doch der Wechsel bringt noch mehr:
- Urlaubssonderzahlung: Eine neue Zusatzzahlung wird ab 2026 schrittweise eingefĂĽhrt
- Mehr Urlaub: Ab 2027 erhalten alle Beschäftigten einen zusätzlichen Urlaubstag
- Weihnachtsgeld: Die Jahressonderzahlung wird bis 2027 vollständig an das TVöD-Niveau angepasst – für die meisten Gruppen bedeutet das 85 Prozent

Nicht betroffen vom Wechsel sind die Mitarbeiter der Diakonie Hessen, die unter den spezifischen Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) arbeiten – etwa in der ambulanten Pflege und in diakonischen Stationen.

Sozial- und Erziehungsdienst im Fokus

Besonders profitiert der Bereich „Sozial- und Erziehungsdienst" (SuE). Die Kirche betreibt ein großes Netz an Kindertagesstätten und Beratungsstellen – genau dort, wo der Wettbewerb mit kommunalen Trägern um Fachkräfte besonders hart ist.

Die bisher nur für KiTa-Personal reservierten „Regenerationstage" und „Umwandlungstage" wurden auf alle Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsbereich ausgeweitet. Eine Anerkennung der psychischen und physischen Belastung, die in allen Beratungs- und Sozialberufen der Kirche anfällt.

Auch die Eingruppierung von KiTa-Leitungen wurde reformiert: Sie richtet sich jetzt strikt nach der Kinderzahl der Einrichtung – transparenter und objektiver als zuvor.

Die Umstellung der Entgeltordnung bedeutete zwar umfangreiche Verwaltungsarbeit im Herbst 2025. Doch die ARK meldet: Die meisten Mitarbeiter blieben auf ihrem Niveau oder verbesserten sich leicht durch die moderneren Stellenbeschreibungen des TVöD.

Ein radikalerer Schritt folgt

Der Tarifwechsel ist nur ein Teil einer umfassenden Personalstrategie. Ende April 2026 beschloss die Landessynode in Hofgeismar einen noch weiterreichenden Schritt: die Abschaffung des Beamtenstatus fĂĽr Pfarrer.

Ab 2029 werden neu eingestellte Pfarrer nur noch als Angestellte des Privatrechts beschäftigt – die EKKW ist damit die erste Landeskirche in Deutschland, die ein konkretes Datum für diesen Umbruch nennt. „Die finanziellen Verpflichtungen aus Pensionen und Beihilfen binden uns für 60 bis 70 Jahre pro Person", erläutert Synodenvizepräsidentin Katharina Apel.

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Die Doppelstrategie ist klar: Die allgemeine Belegschaft zum TVöD, die künftigen Pfarrer zum Angestelltenstatus – beides soll die finanziellen Verpflichtungen in ein berechenbares, beitragsbasiertes System überführen. Freiwerdende Mittel sollen direkt in die Gemeindearbeit fließen.

Ausblick auf 2027

Im Laufe des Jahres 2026 stabilisiert sich die neue Tarifstruktur. Der Fokus liegt nun auf der Umsetzung der nächsten Phase: der zusätzliche Urlaubstag und die finale Anpassung des Weihnachtsgeldes im Jahr 2027 sollen das Projekt der „Vergleichbarkeit" mit dem öffentlichen Dienst abschließen.

Die Arbeitsrechtliche Kommission wird die Umstellung weiter begleiten – besonders für spezielle Gruppen wie Kirchenmusiker und Küster. Sie wurden zwar in den TVöD integriert, doch für ihre unregelmäßigen Arbeitszeiten an Wochenenden und Feiertagen bleiben kirchenspezifische Regelungen nötig.

Andere Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beobachten die Entwicklung in Kurhessen-Waldeck genau. Der erfolgreiche Wechsel zum TVöD könnte als Blaupause dienen – für eine ganze Reihe von Kirchen, die ihre Arbeitsbeziehungen modernisieren wollen, ohne ihre Identität als Arbeitgeber des „dritten Weges" aufzugeben.

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