FlÀchentarifvertrÀge verlieren an Bedeutung - Kritik vom DGB
20.07.2023 - 16:27:10Die Bindung an FlĂ€chentarifvertrĂ€ge verliert in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Im Jahr 2022 hĂ€tten nur noch rund 43 Prozent der BeschĂ€ftigten in Westdeutschland und 33 Prozent in Ostdeutschland in einem Betrieb mit Branchentarifvertrag gearbeitet, teilte das Institut fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag auf Grundlage einer neuen Untersuchung in NĂŒrnberg mit.
Der bundesweite Durchschnitt liege bei 41 Prozent. Nimmt man FirmentarifvertrĂ€ge dazu, kommt man auf einen Anteil von 52 Prozent im Westen und 45 Prozent im Osten. Ein Teil der nicht tarifgebundenen Arbeitgeber orientiert sich etwa bei der Bezahlung nur freiwillig an den Tarifbestimmungen der jeweiligen Branche. Damit gehe die Tarifbindung nach einer stabilen Phase in den Jahren 2020 und 2021 weiter zurĂŒck.
Seit 1996 sei der Anteil der BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse mit Branchentarifvertrag in Westdeutschland um 26 Prozentpunkte gesunken. In Ostdeutschland war das Niveau von Anfang an niedriger - dennoch sank es auch dort um 23 Punkte. Auch der Anteil der Betriebe, die ĂŒber einen Betriebsrat verfĂŒgten, sinke und betrage nur noch 40 Prozent.
Es «bröckelt eine tragende SÀule»
«Dieser Trend kann niemanden gefallen», sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell. «Denn mit der Tarifbindung bröckelt auch eine tragende SĂ€ule unseres Sozial- und Wirtschaftssystems.» Die Bundesregierung mĂŒsse schnellstens umsetzen, was sie im Koalitionsvertrag versprochen habe: «Wir brauchen ein Bundestariftreuegesetz, das dazu verpflichtet, die öffentliche Auftragsvergabe des Bundes kĂŒnftig an die Einhaltung eines Tarifvertrages zu binden», sagte der Gewerkschafter. Tarifbindung sei auch gesamtwirtschaftlich wichtig: Dem Fiskus entgingen Einnahmen bei der Einkommensteuer in Höhe von 18 Milliarden Euro.
Nach Auffassung der IAB-Forscher sei gerade ein Betriebsrat in Zeiten der Transformation und des FachkrÀftemangels von Vorteil. Betriebe mit Betriebsrat wiesen im Durchschnitt eine höhere ProduktivitÀt auf, hÀtten weniger Personalfluktuation und böten höhere Löhne sowie mehr ArbeitszeitflexibilitÀt - Dinge, die derzeit als Wachstumsfaktoren in der Wirtschaft gelten.
FĂŒr das IAB-Betriebspanel werden jĂ€hrlich rund 15 500 Betriebe befragt.


