Führungskräfte, Wandel

Führungskräfte im Wandel: Weniger Jobs, mehr Transparenz, neue Regeln

21.05.2026 - 02:11:24 | boerse-global.de

Steigende Arbeitslosigkeit unter Führungskräften, neue EU-Transparenzpflichten und KI-Regulierung prägen die Personalarbeit 2026.

Führungskräfte im Wandel: Weniger Jobs, mehr Transparenz, neue Regeln - Foto: über boerse-global.de
Führungskräfte im Wandel: Weniger Jobs, mehr Transparenz, neue Regeln - Foto: über boerse-global.de

Steigende Arbeitslosigkeit unter Führungskräften, verschärfte Transparenzregeln aus Brüssel und der Einzug Künstlicher Intelligenz in die Personalarbeit prägen das Jahr 2026.

Manager auf Jobsuche: Die Zahl steigt rasant

Die Zeiten für Führungskräfte am Arbeitsmarkt sind hinterher geworden. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der arbeitslosen Manager um 14 Prozent auf 49.000. Juristen berichten von einer Rekordzahl an Beratungsfällen – allein in den ersten Monaten dieses Jahres bearbeiteten einige Kanzleien rund 2.000 Mandate zu Führungskräfte-Trennungen.

Anzeige

Arbeitsverhältnisse einvernehmlich zu beenden, spart oft Zeit und Nerven auf beiden Seiten. Wie Sie rechtssichere Aufhebungsverträge ohne teure Gerichtsverfahren aufsetzen, zeigt dieser kostenlose Ratgeber mit fertigen Mustern. Arbeitsverhältnis rechtssicher beenden ohne Anwalt

Die Abfindungspraxis in Deutschland bleibt stabil: Ein Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr gilt weiterhin als Richtwert. Doch Experten warnen: Manager sollten Angebote realistisch prüfen und keine überstürzten Entscheidungen treffen. Die empfohlene Reaktionszeit für Vergleichsangebote liegt zwischen 7 und 14 Tagen – genug Zeit für eine gründliche rechtliche Prüfung.

Bestimmte Warnsignale deuten auf eine bevorstehende Trennung hin. Dazu gehören der Wechsel zu einer Doppelspitze, der schleichenden Machtverlust bedeutet, oder die Beförderung zum Geschäftsführer, die oft den Kündigungsschutz aushebelt. Auch Versetzungen ins Ausland oder der Verlust von Budget- und Personalverantwortung durch Projektaufgaben gelten als Alarmsignale.

EU-Transparenzrichtlinie: Deutschland hinkt hinterher

Eine der größten Herausforderungen für Arbeitgeber ist die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Die Frist für die nationale Umsetzung endet am 7. Juni 2026 – doch Deutschland liegt derzeit im Zeitplan zurück. Diese Verzögerung schafft Unsicherheit für Unternehmen, die sich auf strengere Berichtspflichten zu Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen vorbereiten müssen.

Österreich geht derweil eigene Wege: Der Ministerrat hat im Mai eine steuerfreie Mitarbeiterprämie für Juli bis Dezember 2026 beschlossen. Zahlungen bis zu 500 Euro sind steuerfrei, in Kombination mit Gewinnbeteiligungen sogar bis zu 3.000 Euro. Das Paket enthält zudem Anti-Betrugs-Maßnahmen, etwa die Meldepflicht bei Verlagerung stiller Reserven über 100.000 Euro.

Für mittelständische Unternehmen haben sich die rechtlichen Risiken verschärft. Kommunikation über Microsoft Teams oder WhatsApp wird zunehmend als Beweismittel in Arbeitsgerichtsverfahren genutzt. Auch die Komplexität von Homeoffice-Regelungen – besonders bei Arbeitszeiterfassung und Datenschutz – bleibt ein zentrales Thema für Rechtsabteilungen.

Krankheitstage auf Rekordniveau: Psychische Belastung steigt

Der Krankenstand in Deutschland hat 2025 einen neuen Höhepunkt erreicht. Die durchschnittliche Krankheitsquote lag bei 5,4 Prozent, einige Krankenkassen meldeten zwischen 19,5 und 23,9 Fehltage pro Beschäftigtem. Besonders besorgniserregend: Die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen stiegen um 6,9 Prozent.

Unternehmen setzen zunehmend auf den Bradford-Faktor, um Fehlzeitenmuster zu analysieren. Die Formel – Quadrat der Anzahl der Fehlzeiten multipliziert mit den gesamten Fehltagen über zwölf Monate – hilft, häufige Kurzerkrankungen zu identifizieren. Diese sind oft störender für den Betriebsablauf als einzelne Langzeiterkrankungen. Ab einem Wert von 900 ist ein betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) Pflicht.

Anzeige

Wenn die Krankheitsquote steigt und ein BEM-Gespräch zur Pflicht wird, müssen alle Beteiligten rechtssicher vorbereitet sein. Dieser kostenlose Leitfaden enthält eine Muster-Betriebsvereinbarung und praktische Hilfe für den BEM-Ablauf. Kostenlose BEM-Anleitung jetzt herunterladen

Ein neues Gesetz zur Teilkrankschreibung kommt 2027. Das Kabinett hat den Entwurf Ende April verabschiedet. Drei Stufen der Teilzeitarbeit (25, 50 und 75 Prozent) mit entsprechenden Teil-Krankengeldzahlungen sind vorgesehen – allerdings nur mit Zustimmung von Arzt, Arbeitgeber und Krankenkasse.

KI in der Personalarbeit: Hohes Risiko, strenge Regeln

Künstliche Intelligenz verändert die Personalarbeit grundlegend – aber unter strengen Auflagen. Die EU-KI-Verordnung stuft KI-Anwendungen im Personalwesen als Hochrisikosysteme ein. Das bedeutet: Bei Einstellungen und Bewerberauswahl muss ein Mensch die letzte Entscheidung treffen, nicht der Algorithmus.

Eine aktuelle Studie der ZHAW zeigt die ambivalente Wirkung von KI auf Führungskräfte. Von 30 befragten Managern berichteten 18 von Entlastung bei Routineaufgaben. Andere klagten über steigenden Druck, ein schnelleres Arbeitstempo und höhere Leistungserwartungen. Auch der kollegiale Austausch leide unter der zunehmenden Digitalisierung.

Trotz aller Technologie bleibt der menschliche Faktor entscheidend. Coaching-Kompetenz wird zur Kernanforderung für Führungskräfte. Unternehmen mit reflektierenden Führungskräften zeigen eine deutlich höhere Anpassungsfähigkeit als solche mit traditionellen Führungsstilen. Fortbildungsprogramme setzen daher verstärkt auf das Modell „Führungskraft als Coach".

Ausblick: Neue Arbeitszeitregeln und Sparpakete

Die kommenden Monate bringen weitere regulatorische Veränderungen. Die Bundesregierung bereitet einen Entwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes vor, der für Anfang Juni erwartet wird. Im Fokus: die Umstellung von einer täglichen Höchstarbeitszeit auf eine wöchentliche Grenze von 48 Stunden – angepasst an EU-Standards. Während Wirtschaftsverbände die Flexibilisierung begrüßen, warnen Gewerkschaften vor dem Abbau von Arbeitnehmerschutzrechten.

In Österreich sind für 2027 und 2028 Kürzungen bei Beschäftigungszuschüssen für Ältere und Langzeitarbeitslose geplant – Einsparungen von 100 Millionen Euro stehen im Raum. Zusammen mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie und der Einführung der Teilkrankschreibung zeichnet sich ab: Personalkostenmanagement und rechtliche Compliance bleiben die bestimmenden Themen der Unternehmensstrategie.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69386378 |