Kabinett stimmt Abkommen zu Gasförderung vor Borkum zu
02.07.2025 - 12:02:24Die umstrittenen PlĂ€ne zur Gasförderung vor der Nordseeinsel Borkum haben eine wichtige HĂŒrde genommen. Das Kabinett stimmte in Berlin einem Gasförder-Abkommen mit den Niederlanden zu. Das völkerrechtliche Abkommen ist nötig, weil es um die ErschlieĂung grenzĂŒberschreitender Gasfelder geht. UmweltverbĂ€nde und Teile der niedersĂ€chsischen Landesregierung sind gegen das Vorhaben.Â
Weitere Schritte stehen ausÂ
Beschlossene Sache ist die Förderung mit dem Kabinettsbeschluss noch nicht. Nötig ist noch ein sogenanntes Vertragsgesetz, dem laut Wirtschaftsministerium Bundestag und Bundesrat zustimmen mĂŒssen. Zudem stehen noch mehrere Gerichtsentscheidungen aus.Â
Der Beschluss der Bundesregierung ist eine Kehrtwende gegenĂŒber dem Kurs der Ampel-Koalition aus SPD, GrĂŒnen und FDP. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) hatte wĂ€hrend seiner Amtszeit erklĂ€rt, vor einer Unterzeichnung des Abkommens mögliche Gerichtsurteile abwarten zu wollen.Â
Ein BĂŒndnis von Umweltschutzorganisationen um die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und die Insel Borkum klagt vor dem NiedersĂ€chsischen Oberverwaltungsgericht in LĂŒneburg gegen die Gasförderung. Sie fĂŒrchten UmweltschĂ€den fĂŒr das benachbarte Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer.Â
Scharfe Kritik von den GrĂŒnen
Die aktuelle Koalition aus CDU, CSU und SPD hat hingegen im Koalitionsvertrag vereinbart, «die Potenziale konventioneller Gasförderung im Inland» zu nutzen. Habecks Nachfolgerin Katherina Reiche (CDU) sagte zu dem Beschluss: «Das stĂ€rkt nicht nur die Versorgungssicherheit unserer Nachbarn, sondern auch den europĂ€ischen Gasmarkt â und damit uns.»Â
GrĂŒnen-Fraktionsvize Julia Verlinden kritisierte den Beschluss scharf und sprach von völlig unnötiger Hast. Niedersachsens Energie- und Klimaschutzminister Christian Meyer (GrĂŒne) sagte: «Neue Gasförderung am Rande des Wattenmeers konterkariert die Klimaziele und wirkt wie eine reine GefĂ€lligkeit fĂŒr fossile Gaskonzerne.» Das Wirtschaftsministerium argumentiert hingegen, das Vorhaben widerspreche nicht den Klimazielen, da die beteiligten Unternehmen zugesagt hĂ€tten, Erdgas nur so lange zu fördern, wie Erdgas in den Niederlanden und Deutschland nachgefragt wird.Â
Konzern hat weitere Gasfelder im Blick
Der niederlĂ€ndische Energiekonzern One-Dyas will aus einem grenzĂŒberschreitenden Vorkommen nahe dem Wattenmeer Gas fördern. One-Dyas plant, von einer Bohrplattform auf niederlĂ€ndischem Hoheitsgebiet aus auch unter dem Meeresboden auf deutschem Gebiet Gas zu fördern. Das niedersĂ€chsische Landesamt fĂŒr Bergbau, Energie und Geologie hatte dafĂŒr 2024 eine auf 18 Jahre befristete Genehmigung erteilt.Â
AuĂerdem hat One-Dyas weitere benachbarte Gasfelder im Blick. Diese liegen nach Angaben des Konzerns aber weiter von den Wattenmeerinseln entfernt, nĂ€mlich zehn bis 20 Kilometer nördlich der Inseln in der Nordsee. Noch in diesem Sommer will One-Dyas ein Stromkabel zum deutschen Windpark Riffgat legen, etwa neun Kilometer von der Bohrplattform entfernt.Â
Die DUH beschuldigte die Bundesregierung, mit dem Abkommen Druck auf die zustĂ€ndigen Gerichte und Genehmigungsbehörden auszuĂŒben. «FĂŒr die Artenvielfalt in der Nordsee hĂ€tte eine weitere Industrialisierung verheerende Folgen. Wertvolle Riffe und bedrohte Tiere wie der Schweinswal dĂŒrfen nicht zu den Opfern der fossilen Industrie werden.»
Umweltminister: keine Gasförderung in Meeresschutzgebieten
In dem Kabinettsbeschluss wird neben der Gasförderung auch betont, der Meeresschutz solle gestĂ€rkt werden. «Um dies zu erreichen, besteht zusĂ€tzlicher Handlungsbedarf. Gasförderung in Schutzgebieten stĂŒnde dem entgegen.» Aus Sicht von Bundesumweltminister Carsten Schneider ist das als Botschaft an mögliche Investoren zu verstehen. «Gasförderung soll es in den deutschen Schutzgebieten nicht geben», sagte der SPD-Politiker. Meeresschutzgebiete dĂŒrften durch Bohrungen nicht gefĂ€hrdet werden. «Wir werden darum zĂŒgig einen angepassten Rechtsrahmen vorlegen.»


