Kabinettsbeschluss: Bundesregierung will neuen Wehrdienst
06.11.2024 - 12:08:12ErklĂ€rtes Ziel des SPD-Verteidigungsministers ist es, dass alle jungen MĂ€nner, die vom kommenden Jahr an 18 Jahre alt werden, in einem digitalen Fragebogen Auskunft ĂŒber ihre Bereitschaft und FĂ€higkeit zum MilitĂ€rdienst geben mĂŒssen, junge Frauen können dies machen.
"Das Gesetz zum Neuen Wehrdienst ermöglicht uns, die Wehrerfassung wieder zu installieren, die es seit Aussetzung der Verpflichtung zum Grundwehrdienst 2011 nicht mehr gibt. Wenn es morgen zum Verteidigungsfall kĂ€me, wĂŒssten wir nicht, wen wir einziehen könnten, weil es keine vollstĂ€ndige Datengrundlage gibt", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur vor der Entscheidung. "Mit der Aussetzung des Wehrdienstes sind Wehrerfassung und WehrĂŒberwachung zerschlagen worden, obwohl der Staat gesetzlich dazu verpflichtet ist."
Zahl der Soldaten war zuletzt weiter im Sinkflug
Die Wehrpflicht war 2011 in Deutschland unter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach 55 Jahren ausgesetzt worden. Das kam einer Abschaffung von Wehr- und Zivildienst gleich, denn gleichzeitig wurden praktisch alle Strukturen fĂŒr eine Wehrpflicht aufgelöst.
Im Wehrpflichtgesetz ist aber weiter festgelegt, dass die Wehrpflicht fĂŒr MĂ€nner auflebt, wenn der Bundestag den Spannungs- und Verteidigungsfall feststellt, ohne dass es nach 2011 noch konkrete Vorbereitungen fĂŒr eine solche Situation gab. Personalsorgen der Bundeswehr haben zuletzt zugenommen und die Zahl der Soldaten war mit Stand Juni sogar unter 180.000 MĂ€nner und Frauen gesunken. Es gibt zudem rund 60.000 beorderte - also fest eingebundene - Reservisten.
Deutschland braucht im Ernstfall 460.000 Soldaten
Wegen der verĂ€nderten Sicherheitslage ist der Bedarf Deutschlands fĂŒr die Nato-Ziele aber ganz anders. "Der deutsche Beitrag zur BĂŒndnisverteidigung erfordert langfristig einen Verteidigungsumfang von insgesamt rund 460.000 Soldatinnen und Soldaten. Ein groĂer Teil davon, nĂ€mlich rund 260.000, muss aus der Reserve aufwachsen können", sagt Pistorius.
Dazu ein paar Zahlen: In der Bundeswehr gibt es aktuell etwa 15.000 PlĂ€tze fĂŒr die Ausbildung freiwillig Wehrdienstleistender, von denen regelmĂ€Ăig 5.000 unbesetzt sind. Das ist der Startpunkt, den es zunĂ€chst zu fĂŒllen gilt. Der Plan: Jedes Jahr sollen 3.000 AusbildungsplĂ€tze zusĂ€tzlich aufgebaut werden. Ein Jahrgang in Deutschland zĂ€hlt etwa 650.000 Menschen, also mehr als 300.000 junge MĂ€nner.
Die MilitĂ€rplaner sind ĂŒberzeugt, mit dem Prinzip des verpflichtenden Fragebogens und einem freiwilligen Dienst auf eine ausreichende Zahl an Bewerbern kommen zu können. Von einer Wehrpflicht - wie sie im Kriegsfall wieder in Kraft treten wĂŒrde - bleibt damit wenig ĂŒbrig. Die Regierung baut aber wieder Strukturen auf und macht auch Frauen ein Angebot, ohne das Grundgesetz zu Ă€ndern.
Das Grundgesetz kennt eine Wehrpflicht nur fĂŒr MĂ€nner
"Wir versenden einen digitalen Fragebogen. Junge MĂ€nner, die 18 Jahre alt werden, sind verpflichtet, ihn auszufĂŒllen. Damit erheben wir die nötigen Daten, die wir fĂŒr eine Erfassung brauchen. Die Musterung eines ganzen Jahrgangs ist nicht nötig", sagt Pistorius. "Auch die gleichaltrigen Frauen bekommen den digitalen Fragebogen. Sie sind allerdings nicht verpflichtet, ihn auszufĂŒllen, da es im Grundgesetz nur eine Wehrpflicht fĂŒr MĂ€nner, nicht aber fĂŒr Frauen gibt."
Dabei soll die Basisausbildung fĂŒr den neuen Wehrdienst sechs Monate dauern - mit der Option, fĂŒr Spezialisierungen auf bis zu 23 Monate verlĂ€ngern zu können. Im Raum steht ein Sold von mindestens 1.800 Euro, den UmstĂ€nden nach auch bis zu 200 Euro mehr.
Der weitere Zeitplan ist ambitioniert und im Verteidigungsministerium hofft man, dass er nicht unter den TrĂŒmmern einer auseinanderbrechenden Ampel-Koalition verschĂŒttet wird. Mit dem neuen Wehrdienst befassen sich Bundestag und Bundesrat. Als möglich gilt, dass das Gesetz dafĂŒr im Mai kommenden Jahres in Kraft treten könnte.

