Handwerk-Ausbildung: Verträge in MV und Bayern deutlich gestiegen
05.07.2026 - 14:09:54 | boerse-global.de
Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und im bayerischen Dachdeckerhandwerk liegen die Zahlen deutlich über dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig warnen Branchenvertreter vor steigenden Sozialabgaben und Bürokratie.
Mecklenburg-Vorpommern: Plus von 11,2 Prozent
Im nördlichsten Bundesland wurden seit Jahresbeginn 972 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet – ein Plus von 11,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders gefragt ist das Kraftfahrzeughandwerk mit 253 Abschlüssen. Die sogenannten Klimaberufe, etwa Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, kommen auf 96 neue Verträge.
Insgesamt befinden sich rund 5.000 Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern in einer handwerklichen Ausbildung, darunter 848 Frauen.
Bayern: Dachdecker legen um 15 Prozent zu
Auch im Freistaat läuft es rund: Die Zahl der Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk stieg um 15 Prozent auf 295. Der Landesinnungsverband freut sich über den Zuwachs – kritisiert aber einen Reformstau bei Rente, Krankenversicherung und Arbeitszeitrecht. Die Branche beschäftigt in Bayern aktuell 5.217 Menschen, die Bruttolohnsumme kletterte um 2,5 Prozent auf 207 Millionen Euro.
ZDH fordert zweites Reformpaket
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) vertritt bundesweit rund eine Million Betriebe mit über sechs Millionen Beschäftigten. Die Zahl der Auszubildenden liegt bei 346.388. Präsident Jörg Dittrich fordert eine spürbare Entlastung von Berichtspflichten und eine Senkung der Sozialbeiträge.
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Das Ziel: Die Lohnzusatzkosten sollen sich Richtung 40 Prozent bewegen. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die Rentenbeiträge bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen könnten. Das Handwerk verlangt deshalb von der Bundesregierung ein zweites Reformpaket im Herbst.
Jugend will anpacken – aber Technik-Image fehlt
Ein aktueller Report von Autodesk zeigt: 66 Prozent der befragten Schüler und Studenten wünschen sich einen Beruf, in dem sie physische Produkte herstellen können. Allerdings assoziieren 60 Prozent das Handwerk und Bauwesen mit manuellen Fähigkeiten – nur 24 Prozent sehen darin einen hochtechnologischen Bereich.
Die Digitalisierung des Lernens spielt eine wichtige Rolle: 80 Prozent der Jugendlichen nutzen Plattformen wie YouTube, um sich berufsrelevante Fähigkeiten anzueignen. Die Handwerkskammern empfehlen dennoch, praktische Erfahrungen durch Ferienpraktika zu sammeln. Die Praktikumsprämie soll den Einstieg erleichtern.
G9-Umstellung sorgt für Einbruch in NRW
Nicht überall läuft es rund. In Nordrhein-Westfalen führt die Umstellung vom achtjährigen auf das neunjährige Gymnasium (G9) dazu, dass in diesem Jahr rund 75 Prozent der Abiturienten als Bewerber fehlen. Die regionalen Industrie- und Handelskammern rechnen mit einem Rückgang der Ausbildungsinteressierten um etwa 15 Prozent. Einige Unternehmen versuchen, den Mangel durch höhere Einstellungsquoten auszugleichen.
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Internationalisierung als Lösung
Um den Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen, setzt das Handwerk verstärkt auf internationale Azubis. In Unterfranken stieg ihr Anteil an den neu abgeschlossenen Lehrverträgen von 16 Prozent im Jahr 2024 auf 21 Prozent im Jahr 2025. Mecklenburg-Vorpommern sucht derweil den direkten Draht nach Zentralasien: Eine Delegation unterzeichnete eine Absichtserklärung mit der usbekischen Agentur für Arbeitsmigration, um die Zusammenarbeit bei Ausbildung und Arbeitsmigration zu vertiefen.
