Hitze am Arbeitsplatz: 95% der Firmen handeln, nur 43% messen Folgen
31.05.2026 - 08:30:13 | boerse-global.deBesonders die systematische Erfassung von Gesundheitsdaten hinkt hinterher.
Klimafolgen: Fast alle Firmen haben Hitze auf dem Schirm
Extremwetter wird zum wirtschaftlichen Risikofaktor. Auf dem Summer Meeting der Shareholders for Change am 28. und 29. Mai 2026 in Bochum präsentierten die GLS Bank Gruppe, GLS Investments und die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) Ergebnisse einer Befragung unter 22 börsennotierten europäischen Unternehmen.
95 Prozent der Firmen berücksichtigen Hitze bereits in ihren Gefährdungsbeurteilungen. Die technischen Schutzmaßnahmen sind weit verbreitet. Doch nur 43 Prozent erfassen hitzebedingte Gesundheitsausfälle systematisch.
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Die International Labour Organization (ILO) schätzt, dass weltweit rund 2,4 Milliarden Arbeitnehmer von Hitze am Arbeitsplatz betroffen sind. Für die deutsche Wirtschaft prognostizieren Experten bis 2030 einen kumulierten Schaden von rund 112,5 Milliarden Euro durch Produktivitätsverluste.
Psychische Belastungen treiben Krankenstände und Kosten
Der durchschnittliche Krankenstand lag 2025 bei 14,5 Tagen. Der Bundeskanzler kritisierte die hohe Zahl der Krankschreibungen. Vertreter der Ärzteschaft verweisen dagegen auf den deutlichen Anstieg psychischer Erkrankungen als Ursache.
In der Schweiz zeigt sich die Entwicklung besonders deutlich: Die Prämien für Krankentaggeldversicherungen sind drastisch gestiegen. Für Arbeitnehmer über 50 Jahre berichten Versicherte in Einzelfällen von einer Verzehnfachung der Kosten.
International verschärft sich der regulatorische Rahmen. In Brasilien trat am 26. Mai 2026 eine neue Arbeitsgesetz-Regel in Kraft. Unternehmen müssen psychosoziale Risiken wie Überlastung oder Isolation aktiv managen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 6.708,08 Real pro Mitarbeiter.
Auch in Asien wird präventiv gehandelt: In Ho-Chi-Minh-Stadt startete am 30. Mai 2026 ein großangelegtes Programm. Bis Ende September sind medizinische Untersuchungen für eine Million Gewerkschaftsmitglieder und Arbeiter geplant.
Digitale Helfer: Vom Sensorpflaster bis zur KI-Analyse
Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) plant für Juli 2026 die Markteinführung eines speziellen Sensorpflasters. Es überträgt Vitaldaten wie Sauerstoffsättigung, Puls und Atemfrequenz per Funk. Bei medizinischen Notfällen soll das die Koordination der Einsatzkräfte verbessern.
Im Mai 2026 startete eine neue Fitnessplattform. Sie ermöglicht künftig KI-gestützte Gesundheitscoachings und eine verbesserte Datenfreigabe zwischen verschiedenen Systemen.
Auf dem Life Summit Berlin im Mai 2026 diskutierten Fachleute weitere Trends: KI-basierte Gesundheitschecks per Sprachaufnahme oder Selfie sowie Blutanalysen zur Stresskontrolle. Die Instrumente der betrieblichen Vorsorge werden digitaler.
Strengere Regeln: Arbeitszeiterfassung und Datenschutz
Das Bundesarbeitsgericht hat die Erfassung der Arbeitszeit bereits für verpflichtend erklärt. Für 2026 wird ein neues Gesetz zur konkreten elektronischen Ausgestaltung erwartet. Das Bundesarbeitsministerium betont: Arbeitgeber dürfen nicht auf die gesetzliche Anpassung warten.
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Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Cloud-Dienste im Gesundheitswesen. Ein neues Prüfverfahren (C5:2026) mit insgesamt 168 Kriterien wird ab Juni 2027 verpflichtend. Es löst den bisherigen Standard ab und betrifft besonders SaaS-Anbieter, die Gesundheitsdaten verarbeiten. Sie müssen künftig strengere Kriterien zur digitalen Souveränität erfüllen.
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