Hitze, Arbeitsplatz

Hitze am Arbeitsplatz: Ab 30 Grad müssen Arbeitgeber handeln

20.06.2026 - 09:02:51 | boerse-global.de

Trotz Temperaturen über 37 Grad bleibt ein generelles Hitzefrei in NRW aus. Ministerien setzen auf Homeoffice, Gleitzeit und technische Anpassungen.

NRW Ministerien setzen auf Flexibilität statt Hitzefrei
Hitze - Ein Thermometer zeigt hohe Temperaturen an, während im Hintergrund ein Büroarbeitsplatz mit Laptop verschwommen zu sehen ist. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Trotz Temperaturen über 37 Grad: Die nordrhein-westfälischen Ministerien haben klargestellt, dass es für die Landesverwaltung kein generelles Hitzefrei gibt. Stattdessen setzen die Ressorts auf Homeoffice, Gleitzeit und technische Anpassungen.

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Lockerungen statt Ausnahmen

Die Staatskanzlei lockerte die übliche Präsenzpflicht von zwei Tagen pro Woche. Das Wirtschaftsministerium verteilt die notwendigen Bürotage über vier Wochen. Das Bauministerium erlaubt den Wechsel in kühlere Räume oder ins Homeoffice.

Andere Ministerien setzen auf Technik und Flexibilität: Das Wissenschaftsministerium verweist auf klimatisierte Räume und Gleitzeit ab 6:30 Uhr. Ein Erlass im Umweltministerium ermöglicht früheren Arbeitsbeginn bis Ende August. Das Finanzministerium stellt Mineralwasser bereit, das Schulministerium nutzt automatisierte Belüftung.

Hessen mahnt Fürsorgepflicht an

Bereits am 18. Juni appellierte Hessens Arbeitsministerin Heike Hofmann (SPD) an die Arbeitgeber. Bei Temperaturen über 37 Grad – im Wetterpark Offenbach wurden am 19. Juni 37,3 Grad gemessen – gelten strenge Regeln: Ab 26 Grad Raumtemperatur sind Maßnahmen nötig, ab 30 Grad sind Arbeitgeber gesetzlich zum Handeln verpflichtet.

Hofmann warnte vor ernsten Gesundheitsrisiken: UV-bedingter Hautkrebs bei Außenarbeit, erhöhte Herz-Kreislauf-Belastung und steigendes Unfallrisiko durch nachlassende Konzentration. Ihre Vorschläge: Lockerung der Kleiderordnung, Entfernung von Wärmequellen wie Druckern und Gleitzeit für die kühleren Morgenstunden.

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Hitzetage kosten Millionen

Die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann bezifferte die Produktivitätsverluste an extrem heißen Tagen auf rund 400 Millionen Euro. Eine Studie des Instituts Prognos kommt sogar auf 431 Millionen Euro Schaden pro Hitzetag – unter anderem durch 76.500 zusätzliche Fehltage.

Traidl-Hoffmann fordert strukturelle Anpassungen: veränderte Schichtpläne und ausgeweitete Pausenregelungen. Das Bundesarbeitsministerium sieht derzeit keinen Handlungsbedarf. Einzelne Kommunen wie Jena oder Altenburg gehen voran – mit kühlen Räumen und frei zugänglichen Trinkwasserspendern.

Ventilatoren unter Kritik

Die IG Metall warnte am 19. Juni vor dem Einsatz von Ventilatoren in Großraumbüros. Die Gefahr: Zugluft, aufgewirbelter Staub und Pollen belasten Allergiker. Zudem könnten Aerosole im Raum verteilt werden. Die Gewerkschaft empfiehlt Ventilatoren nur für Einzelbüros. Mobile Klimageräte lehnt sie wegen Lärm und Erkältungsrisiko ab.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW fordert verbindliche Hitzeschutzregeln für Schulen. Landesvorsitzende Ayla Celik kritisiert, dass die aktuelle Erlasslage Lehrkräfte und Oberstufenschüler von Hitzefrei ausschließt. Der Schutz dürfe nicht von der Finanzlage einzelner Kommunen abhängen.

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