Hitzegefahren, Arbeitsplatz

Hitzegefahren am Arbeitsplatz: 112 Milliarden Euro Schaden bis 2030

20.06.2026 - 06:10:14 | boerse-global.de

Allianz-Studie prognostiziert 112 Milliarden Euro Schaden durch Hitze bis 2030. Österreich meldet hunderte Verstöße gegen neue Schutzverordnung.

Hitzewellen: Milliardenkosten für Deutschland und neue Regeln in Österreich
Hitzegefahren - Bauarbeiter in Schutzkleidung machen eine Pause im Schatten auf einer heißen Baustelle, mit dunstigem Himmel im Hintergrund. 20.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Deutschland über wirtschaftliche Schäden diskutiert, zieht Österreich erste Bilanz zur neuen Hitzeschutzverordnung. Die Schweiz fordert nationale Standards.

Deutschland: Hitze kostet Milliarden

Die Allianz-Volkswirtin Katharina Utermöhl schlägt Alarm. Deutschland sei nicht ausreichend auf extreme Temperaturen vorbereitet. Berechnungen von Allianz Trade zufolge könnten Hitzewellen die deutsche Wirtschaft bis 2030 rund 112 Milliarden Euro kosten.

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Die Zahl der Krankschreibungen steigt an Tagen über 30 Grad um durchschnittlich 3,5 Prozent. Bei länger anhaltenden Hitzewellen sogar um bis zu 6 Prozent. Das belegen aktuelle Statistiken.

Die Rechtslage ist klar: Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeiter schützen. Ab 26 Grad Raumtemperatur sind Schutzmaßnahmen zu prüfen, ab 30 Grad zwingend umzusetzen. Bei über 35 Grad gilt der Raum als ungeeignet für die Arbeit. Einen gesetzlichen Anspruch auf „Hitzefrei" gibt es jedoch nicht.

Kommunen setzen auf flexible Arbeitszeiten

Einige Städte reagieren mit kreativen Lösungen. Freiburg erlaubt der Abfallwirtschaft bei Temperaturen über 25 Grad einen Arbeitsbeginn um 5:30 Uhr. In Lindau durfte eine Baustelle bereits um 6:00 Uhr starten – um der Mittagshitze zu entgehen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt pauschale Siesta-Modelle jedoch ab. Die Gewerkschafter warnen vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tages durch Union und SPD.

Österreich: 491 Verstöße in sechs Monaten

Seit Januar 2026 gilt in Österreich eine neue Hitzeschutzverordnung. Das Sozialministerium zieht nun eine erste Bilanz: Über 1.300 Beratungsgespräche und mehr als 700 Kontrollen fanden statt. Dabei wurden 491 Übertretungen festgestellt – meist fehlende Gefahrenevaluierungen.

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Das Ministerium setzt zunächst auf Beratung, bevor Strafen verhängt werden. Arbeitsministerin Schumann bezeichnet die Verordnung als „Meilenstein für den Arbeitnehmerinnenschutz".

Die Regelungen greifen ab einer Hitzewarnung der Stufe 2 – das entspricht Temperaturen zwischen 30 und 34 Grad. Arbeitgeber müssen dann Trinkwasser, Schattenplätze oder angepasste Arbeitszeiten bereitstellen.

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) weist auf konkrete Gefahren hin: Ab 30 Grad sinke die Konzentration, ab 32,5 Grad steige das Unfallrisiko deutlich. Bauarbeiter in Fürth berichteten Mitte Juni von extremen Bedingungen: über 45 Grad in der direkten Sonne, während Helmpflicht weiterhin strikt galt.

Schweiz: Nationaler Hitzestopp gefordert

Der Aargauische Baumeisterverband fordert heute klare, landesweit gültige Regeln für einen Arbeitsstopp bei Hitze. Bisher fehlen verbindliche Kriterien. Ein politischer Vorstoß wurde vom Nationalrat Ende 2024 befürwortet – der Ständerat hat noch nicht entschieden.

Die Gewerkschaft Unia geht weiter: Sie verlangt eine generelle Arbeitsunterbrechung auf Baustellen ab 33 Grad. Aktuelle Hitzewellen erreichten im Juni Spitzenwerte von bis zu 37 Grad. Für weite Landesteile galten Hitzewarnungen der Stufe 3 und 4.

Klimaanlagen als Lebensretter?

Nationalrat Patrick Hässig fordert den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen zum Schutz vulnerabler Personen. Der Hintergrund ist alarmierend: Daten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigen, dass im August 2024 zeitweise bis zu 20 Hitzetote pro Tag verzeichnet wurden – zumeist Personen über 75 Jahre.

Eine kanadische Studie untermauert das Anliegen: Die Sterbewahrscheinlichkeit in Pflegeheimen ohne Klimatisierung liegt rund 8 Prozent höher.

Eine Umfrage der Barmer aus dem Jahr 2025 zeigt zudem: 64 Prozent der Menschen in Norddeutschland sorgen sich vor zunehmenden Hitzewellen. 87 Prozent befürworten kürzere Arbeitszeiten bei direkter Sonneneinstrahlung.

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