Deutschland, Konjunktur

Fuest: FachkrÀftemangel und Energiewende bremsen Wirtschaft

02.10.2023 - 05:43:57 | dpa.de

Hohe Energiepreise, zu wenig FachkrĂ€fte, hohe Zinsen: Die deutsche Wirtschaft ist gleich durch mehrere Faktoren belastet. FĂŒr Ifo-Chef Clemens Fuest ist keine schnelle Erholung in Sicht.

Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest sieht mehrere Probleme fĂŒr die deutsche Wirtschaft. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Ifo-PrĂ€sident Clemens Fuest sieht mehrere Probleme fĂŒr die deutsche Wirtschaft. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die ArbeitskrĂ€fteknappheit und die Energiewende werden nach EinschĂ€tzung des PrĂ€sidenten des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, das Wirtschaftswachstum lĂ€ngerfristig belasten. «In Deutschland wird das Wachstum kĂŒnftig schwĂ€cher ausfallen», sagte Fuest der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in Frankfurt.

Er verwies auf die demografische Entwicklung, die zu einem schrumpfenden Angebot an ArbeitskrĂ€ften fĂŒhrt. Zudem dĂŒrfte die Energiewende die wirtschaftliche Entwicklung belasten, was von der Politik unterschĂ€tzt werde. «Die Verknappung des Stromangebots in Deutschland war ein Fehler», sagte Fuest. Unter anderem waren im FrĂŒhjahr die letzten deutschen Atomkraftwerke vom Netz gegangen.

Zuletzt gab es von Unternehmen aus der chemischen Industrie Warnungen, Teile der Produktion wegen hoher Energiekosten ins Ausland zu verlagern. «Die AbwanderungsplÀne von Firmen der chemischen Industrie sind ernst zu nehmen», sagte Fuest. Zu einer Verbesserung der Situation könne beitragen, mehr Energie bereitzustellen.

FachkrĂ€ftemangel laut Fuest grĂ¶ĂŸte Belastung

Eine Strompreisbremse lehnt Fuest allerdings ab. «Ich erwarte, dass die Strompreise in Deutschland dauerhaft höher bleiben als in anderen LĂ€ndern», sagte Fuest. Die Kosten fĂŒr eine Strompreisbremse wĂŒrden langfristig belasten. Es brauche vielmehr eine grundlegende Lösung in Form einer Strommarktordnung, bei der Strom bei einer knappen Versorgungslage teuer und bei einer ausreichenden Versorgung gĂŒnstig sei.

Die grĂ¶ĂŸte Belastung sieht der Ökonom aber in dem Mangel an ArbeitskrĂ€ften in vielen Bereichen der Wirtschaft. «Die ArbeitskrĂ€fteknappheit wird das Wachstum auch in den kommenden Jahren bremsen», sagte Fuest.

Nach EinschĂ€tzung von Fuest könnten durch das FachkrĂ€fteeinwanderungsgesetz Fortschritte erzielt werden. DarĂŒber hinaus mĂŒsse die Kinderbetreuung verbessert werden, was etwa durch bessere Bezahlung erzielt werden könne. Generell verspricht sich Fuest Verbesserungen, wenn das Steuer- und Transfersystem es attraktiver mache, statt Teilzeit- eher Vollzeitstellen anzunehmen.

AbschwÀchung der Inflation wahrscheinlich

Ein weiterer wirtschaftlicher Belastungsfaktor ist laut Fuest die immer noch hohe Inflation in der Eurozone. Dennoch werde die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen voraussichtlich nicht weiter anheben. «Schließlich sind die Konjunkturaussichten fĂŒr die Eurozone nicht so toll», sagte Fuest. Zudem wĂŒrden eine Reihe von Indikatoren auf eine AbschwĂ€chung der Inflation hindeuten. Er erwarte vielmehr, dass die EZB ihre Zinsen fĂŒr lĂ€ngere Zeit auf dem aktuellen Niveau belassen könne.

«FĂŒr Deutschland sind die höheren Zinsen besonders schmerzhaft, da sich die Wirtschaft hier besonders schwach entwickelt», sagte Fuest. «Die EZB macht die Geldpolitik aber fĂŒr der Eurozone insgesamt.»

Fuest verweist auf einen möglichen plötzlichen Anstieg der Energiepreise. «Zudem besteht die Gefahr, dass die EZB die Zinsen zu lange zu hoch hĂ€lt, nachdem sie zunĂ€chst die Inflation unterschĂ€tzt hatte», sagte der Ifo-Chef. Es dĂŒrfte nach den deutlichen Anhebungen schwer werden, eine Rezession in der Eurozone zu vermeiden.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 64044390 |

Weitere Meldungen

Bundesbank: Iran-Krieg treibt Inflation Richtung drei Prozent Die Bundesbank erwartet wegen des Iran-Kriegs einen Inflationsschub in Deutschland und einen spĂŒrbaren DĂ€mpfer fĂŒr die Konjunktur - schlimmstenfalls bis in die zweite JahreshĂ€lfte hinein. (Boerse, 26.03.2026 - 12:09) weiterlesen...

Bundesbank: Irankrieg treibt Inflation Richtung drei Prozent. Die Folgen fĂŒr Inflation und Konjunktur könnten schmerzhaft sein, warnt die Bundesbank. Mit dem Ölpreisschock hat der Nahost-Krieg Deutschland erreicht - Verbraucher spĂŒren das an den Tankstellen. (Wirtschaft, 26.03.2026 - 12:00) weiterlesen...

Ifo: Iran-Krieg drĂŒckt Exporterwartungen wieder ins Minus. Das gilt aber nicht fĂŒr alle Branchen. Unter den Ausnahmen ist auch ein Schwergewicht. Die Unsicherheit durch den Konflikt belastet die Stimmung. (Wirtschaft, 26.03.2026 - 08:26) weiterlesen...

Dax-Konzerne kaufen so viele eigene Aktien zurĂŒck wie nie. Die Schwergewichte im Dax setzen darauf so stark wie nie zuvor, zeigen Berechnungen. Doch es gibt dabei auch Schattenseiten. AktienrĂŒckkĂ€ufe sind bei Unternehmen beliebt, um Kurspflege zu betreiben. (Wirtschaft, 25.03.2026 - 17:11) weiterlesen...

Ifo: Iran-Krieg beendet vorerst Hoffnung auf Aufschwung. Unternehmen blicken skeptischer in die Zukunft, zeigt das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer. Ifo-PrÀsident Fuest sieht die erhoffte Erholung der Wirtschaft mit dem Nahost-Krieg vorerst gestoppt. (Wirtschaft, 25.03.2026 - 11:40) weiterlesen...

Lagarde: Werden nicht zögern, notfalls zu handeln. Die EuropÀische Zentralbank zeigt sich entschlossen, bei Bedarf mit Zinserhöhungen zu reagieren. Steigende Energiepreise könnten die Inflation anheizen. (Wirtschaft, 25.03.2026 - 11:00) weiterlesen...