Weniger KĂ€se und Milch fĂŒr China - Zölle auf EU-Produkte
12.02.2026 - 14:33:54Nach eineinhalb Jahren ist es offiziell: China verhĂ€ngt Zölle gegen eine Reihe importierter Milchprodukte aus der EuropĂ€ischen Union. Betroffen sind laut dem Handelsministerium in Peking auch deutsche Hersteller. Die AufschlĂ€ge beliefen sich auf bis zu 11,7 Prozent, teilte die Behörde zum Ende der Anti-Subventionsuntersuchung mit.Â
Damit setzte China die SĂ€tze, die ab diesem Freitag gelten, niedriger an als die im Dezember verhĂ€ngten vorlĂ€ufigen Zölle zwischen 21,9 und 42,7 Prozent. Die AufschlĂ€ge gelten den Angaben zufolge ĂŒber die kommenden fĂŒnf Jahre fĂŒr bestimmte Sorten von frischem sowie verarbeiteten KĂ€se sowie Milch und Sahne ĂŒber einem gewissen Fettgehalt, die in erster Linie zum Verzehr gedacht sind.
Deutsche Unternehmen auf der Liste
Von den betroffenen Firmen aus Deutschland listete die Behörde mit dem Deutschen Milchkontor, einen der gröĂten Molkereibetriebe in der Bundesrepublik auf. Zudem tauchten die in Niedersachsen ansĂ€ssige Molkerei Ammerland, die Privatmolkerei Naarmann aus dem MĂŒnsterland sowie Arla Foods Deutschland auf, Teil der gleichnamigen dĂ€nisch-schwedischen GroĂmolkereigenossenschaft.
Weitere betroffene Firmen kamen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Italien, wie aus der Auflistung hervorging. Die ZollsĂ€tze schwanken demnach je nach Firma zwischen 7,4 und 11,7 Prozent. Direkte Auswirkungen fĂŒr Verbraucher in Europa dĂŒrften die Zölle indes nicht haben.Â
Folgen fĂŒr deutsche Hersteller
Der Milchindustrie-Verband stuft die Auswirkungen der geplanten Zölle fĂŒr den deutschen Milchsektor als Â«ĂŒberschaubar» ein. KĂ€se und Rahm machten im Vergleich zu LĂ€ndern wie Italien und Frankreich nur einen geringen Anteil an den deutschen China-Exporten aus. Von den MaĂnahmen gegen KĂ€se sind nach Verbandsangaben vor allem Italien und DĂ€nemark betroffen.Â
FĂŒr die deutschen Exportfirmen seien die chinesischen Zölle dennoch spĂŒrbar, sagte ein Sprecher des Verbandes. Margen und WettbewerbsfĂ€higkeit im China-GeschĂ€ft wĂŒrden dadurch erheblich belastet.
Wie wichtig Chinas Markt ist
Laut der EU-Kommission exportierte Deutschland 2025 Milchprodukte im Wert von knapp 364 Millionen Euro nach China. Daten fĂŒr Dezember liegen bislang nicht vor. Vollmilch war dabei mengenmĂ€Ăig die wichtigste Position. Im Vorjahr hatte der Exportwert bei mehr als 373 Millionen Euro gelegen. Damit entfĂ€llt knapp ein Viertel der gesamten EU-Ausfuhren auf Deutschland.Â
China ist fĂŒr Deutschland neben GroĂbritannien laut Milchindustrie-Verband der wichtigste Drittland-Zielmarkt fĂŒr Milchprodukte. Die Ausfuhren seien seit einigen Jahren jedoch rĂŒcklĂ€ufig, weil China seine Milchproduktion deutlich ausgeweitet habe. Im Jahr 2021 lag der Exportwert noch bei 595 Millionen Euro. Dennoch sei der chinesische Markt fĂŒr die EU sehr relevant, so der Sprecher.
Ăhnlich Ă€uĂerte sich der PrĂ€sident des Exportverbands BGA, Dirk Jandura. China gehöre fĂŒr die deutsche Milchwirtschaft zu den wichtigsten AbsatzmĂ€rkten auĂerhalb der EU. ZusĂ€tzliche Zölle verteuerten den Marktzugang, schwĂ€chten die WettbewerbsfĂ€higkeit und erhöhten die Unsicherheit in einem ohnehin anspruchsvollen internationalen Umfeld.Â
Ăkonom: Branche muss neue MĂ€rkte finden
Chinas finale Zölle seien niedriger, jedoch bleibe der Marktzugang fĂŒr die Produzenten eine Sorge, sagte Ăkonom Thijs Geijer von ING Research. «China gilt seit langem als Wachstumsmarkt fĂŒr Exporteure von Milchprodukten aus der EU, aber die Exportmengen von Produkten wie KĂ€se standen bereits vor EinfĂŒhrung der Zölle unter Druck», erklĂ€rte er. Die Zölle Chinas aber auch der USA zeigten, dass die Branche weitere MĂ€rkte auĂerhalb Europas erschlieĂen mĂŒsse, sagte Geijer.Â
EuropĂ€ische Milchprodukte sind in China beliebt. KĂ€se aus Frankreich oder Italien sowie Milch aus Deutschland genieĂen einen guten Ruf. Zudem hatten spĂ€testens seit dem sogenannten Melamin-Skandal von 2008, bei dem Milchprodukte gepanscht wurden und sich bei SĂ€uglingen anschlieĂend Nierensteine gebildet hatten, das Vertrauen chinesischer Konsumenten in heimische Marken erschĂŒttert.Â
Wie China die Zölle begrĂŒndetÂ
Seit August 2024 hatte das Handelsministerium die EU-Milchprodukte wegen mutmaĂlich unfairer Subventionen untersucht. Wie schon in anderen FĂ€llen gegen aus der EU importierte Schweinefleischprodukte oder Weinbrand bestĂ€tigte Peking am Ende den Anfangsverdacht. Ein Sprecher des Handelsministeriums betonte, die Untersuchung sei nach Prinzipien der Fairness, Unparteilichkeit und Offenheit verlaufen.Â
Im aktuellen Fall erklĂ€rte die Behörde, die importierten Milcherzeugnisse aus der EU seien subventioniert und schĂ€digten damit chinesische Milchprodukte-Hersteller. Zur BegrĂŒndung hieĂ es weiter, dass zwischen dem Schaden und den Subventionen ein kausaler Zusammenhang bestanden habe.Â
Zoll-Schlagabtausch zwischen Peking und BrĂŒssel
Pekings Untersuchungen gelten als GegenmaĂnahme zu den von BrĂŒssel 2024 eingefĂŒhrten Zöllen auf Elektroautos, die in China hergestellt wurden. Im Fall der Milcherzeugnisse hatte sich die EU-Kommission bereits im Dezember besorgt ĂŒber die VerhĂ€ngung vorlĂ€ufiger AufschlĂ€ge geĂ€uĂert. Ein Sprecher hatte damals gesagt, die jĂŒngste Untersuchung beruhe nach EinschĂ€tzung der Behörde auf fragwĂŒrdigen VorwĂŒrfen und unzureichenden Beweisen. Die MaĂnahmen seien ungerechtfertigt und unbegrĂŒndet.
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