Kassensystem-Reform: Elektronische Kassen ab 100.000 Euro Umsatz Pflicht
30.06.2026 - 18:31:24 | boerse-global.de
Ein Referentenentwurf sieht vor, die offene Ladenkasse für bestimmte Betriebe zu verbieten. Stattdessen sollen elektronische Systeme mit zertifizierter Sicherheitstechnik Pflicht werden.
Digitale Kassen für Betriebe ab 100.000 Euro Umsatz
Betriebe mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz müssen künftig elektronische Kassensysteme nutzen. Diese benötigen eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE). Die klassische offene Ladenkasse ist für diese Umsatzklasse dann tabu.
Das Ziel: mehr Transparenz bei Bargeschäften. Die einmaligen Umstellungskosten werden auf 98,7 Millionen Euro geschätzt. Die jährliche Nettoentlastung durch einfachere Abläufe liegt laut Entwurf bei rund 89 Millionen Euro.
Wer gegen die neuen Vorschriften verstößt, zahlt bis zu 25.000 Euro Bußgeld. Der Einsatz von Manipulationssoftware kann sogar mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe enden.
Neue Regeln für Kassenbons
Ab 2027 greift eine Bagatellgrenze von 30 Euro für Papierbons. Kleinere Beträge müssen dann nicht mehr zwingend auf Papier dokumentiert werden – solange die Daten im System erfasst sind. Eine vollständige digitale Belegpflicht soll ab 2029 kommen.
Steuererklärung per App startet in fünf Ländern
Parallel zur Kassenreform treibt die Finanzverwaltung die Digitalisierung für Privatpersonen voran. In Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz startet am 1. Juli 2026 eine neue Funktion in der App „MeinELSTER+“.
Unter dem Arbeitstitel „Steuererklärung mit einem Klick“ richtet sich das Angebot an ledige und kinderlose Arbeitnehmer sowie Rentner ohne weitere Einkünfte. Die App erstellt auf Basis vorhandener Daten einen automatischen Vorschlag. In Rheinland-Pfalz wird das Verfahren zunächst für das Steuerjahr 2025 angeboten.
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Internationale Verschärfungen zum 1. Juli
Auch international werden die Regeln strenger. In Tunesien müssen Restaurants und Cafés mit Vor-Ort-Verzehr ab sofort digitale Registrierkassen nutzen. Bis 2028 soll die Pflicht auf alle steuerpflichtigen natürlichen Personen ausgeweitet werden.
In Vietnam tritt ein neues Steuerverwaltungsgesetz in Kraft. Es definiert zehn Handlungen explizit als Steuerhinterziehung – darunter die Nichtabgabe von Erklärungen, das Unterlassen der Rechnungsstellung und die Verwendung unrechtmäßiger Dokumente.
E-Rechnungspflicht kommt schrittweise
Die Kassenreform ergänzt die laufende Umstellung auf die E-Rechnung im B2B-Bereich. Seit Anfang 2025 gilt bereits eine Empfangsbereitschaft für elektronische Rechnungen. Ab 2027 wird die Sendepflicht für Unternehmen mit über 800.000 Euro Jahresumsatz wirksam. 2028 folgt dann die Pflicht für alle Unternehmen.
Auf europäischer Ebene sieht das Reformpaket „ViDA“ (VAT in the Digital Age) die verbindliche E-Rechnung im grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr bis 2030 vor. Experten warnen: Die korrekte Abrechnung stellt bereits heute hohe Anforderungen an die IT-Systeme – besonders seit in der Gastronomie wieder unterschiedliche Steuersätze für Speisen und Getränke gelten.
Angesichts der neuen E-Rechnungspflicht und strengerer Prüfregeln sollten Unternehmer ihre Buchführung rechtzeitig absichern, um teure Nachzahlungen zu vermeiden. Ein kostenloser Experten-Ratgeber zur Umsatzsteuer erklärt Ihnen die wichtigsten Neuerungen und wie Sie Fallstricke bei der Vorsteuer rechtssicher umgehen. Kostenlosen Umsatzsteuer-Ratgeber als PDF sichern
Streit um große Steuerreform
Die Kassen-Digitalisierung ist Teil einer größeren Debatte über eine Einkommensteuerreform zum 1. Januar 2027. Finanzminister Klingbeil hat zwei Modelle vorgelegt. Das Entlastungsvolumen liegt zwischen 17 und 28 Milliarden Euro.
Die SPD-geführten Entwürfe sehen eine Entlastung von rund 35 Millionen Steuerzahlern vor. Gleichzeitig sollen die Spitzensteuersätze und die Erbschaftsteuer steigen. Die Union kritisiert die geplante Umverteilung und mahnt Haushaltsdisziplin an. Ein Koalitionsausschuss am Mittwoch soll über die weitere Ausgestaltung beraten.
