Koalitionspaket 34 Punkte: Kündigungsschutz gelockert, Minijob-Steuer erhöht
05.07.2026 - 06:13:01 | boerse-global.de
Selbstständige müssen künftig schneller handeln: Der Bundesfinanzhof (BFH) verlangt eine Dokumentation der Arbeitszimmerkosten innerhalb von zehn Tagen. Wer die Frist verpasst, verliert den Steuervorteil.
Bislang reichte oft die jährliche Sammelerfassung der Belege. Damit ist jetzt Schluss. Die Ausgaben für das häusliche Arbeitszimmer müssen zeitnah gebucht werden – sonst droht die Versagung des Betriebsausgabenabzugs.
Als Alternative bleibt die jährliche Pauschale von 1.260 Euro. Das Bundesfinanzministerium sieht keinen Handlungsbedarf, die strikten Vorgaben abzumildern. Experten warnen: Vor allem Kleingewerbetreibende und Freiberufler stehen vor organisatorischen Hürden.
Koalition beschließt großes Reformpaket
Flankiert wird die Entwicklung durch ein umfassendes Reformpaket. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD einigte sich am 2. Juli 2026 auf ein 34-Punkte-Programm. Motto: „Deutschland wieder flottkriegen."
Die verschärften Dokumentationspflichten beim Arbeitszimmer zeigen, wie genau das Finanzamt hinsieht – umso wichtiger ist eine lückenlose Vorbereitung auf eine mögliche Außenprüfung. Dieser kostenlose Ratgeber liefert Ihnen Checklisten und Verhandlungsstrategien, um souverän durch jede Prüfung zu kommen. Sicher durch die Betriebsprüfung: Kostenlosen Report anfordern
Ein zentraler Punkt: Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Stattdessen gilt künftig die Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) übt scharfe Kritik. Laut DIW-Experte Daniel Graeber gibt es keinen belegten Zusammenhang zwischen telefonischer Krankmeldung und hohen Krankenständen. Die neue Regelung könne Arztpraxen überlasten und das Ansteckungsrisiko erhöhen.
Weitere Eckpunkte der Reform
Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen wird auf bis zu 48 Monate verlängert. Bis zu sechs Verlängerungen sind möglich – gültig für Neueinstellungen bis Ende 2030.
Für Hochverdiener mit einem Jahreseinkommen ab 177.450 Euro wird der Kündigungsschutz gelockert. Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von 2 auf 5 Prozent.
Um die Mobilität zu fördern: Abfindungen bei schnellem Jobwechsel werden steuerlich begünstigt. Sonn- und Feiertagszuschläge bleiben bis zu einem Stundenlohn von 75 Euro steuerfrei.
Ob neue Befristungsregeln oder Minijob-Änderungen – das aktuelle Reformpaket zwingt Arbeitgeber dazu, ihre bestehenden Vertragsvorlagen dringend zu überprüfen. Sichern Sie sich 19 rechtssichere Muster-Formulierungen und vermeiden Sie Bußgelder durch veraltete Klauseln. Kostenloses E-Book: Rechtssichere Arbeitsverträge erstellen
Wohneigentum steuerlich benachteiligt
Während die Hürden für Arbeitszimmerkosten steigen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 4. Juli 2026 ein grundsätzliches Problem: Die Wohneigentumsquote in Deutschland liegt bei 44 Prozent – der EU-Schnitt bei 70 Prozent.
Selbstnutzer in Metropolregionen verlieren gegenüber Vermietern über 15 Jahre erhebliche Summen. Grund: Vermieter profitieren von weitreichenderen Abschreibungsmöglichkeiten. Bei einem Objekt im Wert von 300.000 Euro beziffert das IW den Nachteil auf rund 87.000 Euro.
IW-Experte Michael Voigtländer fordert Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer. Nur so werde Wohneigentum wieder attraktiver.
Handwerkerbonus wird gekürzt
Bereits am 1. Juli 2026 beschloss die Koalition eine weitere Verschärfung: Der Handwerkerbonus sinkt ab 2027 von 20 auf 15 Prozent der Arbeitskosten. Der maximale Steuervorteil fällt von 1.200 auf 900 Euro.
Das IW warnt vor einer Zunahme der Schwarzarbeit. Die Frage ist: Rechnen sich Handwerkerleistungen für Privathaushalte dann überhaupt noch?
