Krankschreibung: Attestpflicht ab Tag eins ab sofort in Kraft
03.07.2026 - 21:21:16 | boerse-global.de
Ab dem ersten Krankheitstag soll künftig ein ärztliches Attest nötig sein. Die telefonische Krankschreibung aus der Corona-Zeit fällt weg. Ärzte, Krankenkassen und Gewerkschaften laufen Sturm.
Reformpaket am 2. Juli beschlossen
Bisher durften Arbeitnehmer oft bis zu drei Tage ohne Attest zu Hause bleiben. Das ändert sich nun. Die Regierung verlangt einen Nachweis der Arbeitsunfähigkeit (AU) ab Tag eins. Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft.
Das Gesundheitsministerium verweist auf Videosprechstunden als Alternative. Zudem plant die Regierung Teilkrankschreibungen. Bundeskanzler Merz verteidigte die Pläne am heutigen Freitag: Die Zahl der Krankentage sei mit durchschnittlich 18 pro Jahr zu hoch. Ein offizieller Nachweis müsse vorliegen – auch wenn man nicht zwingend am ersten Tag physisch in die Praxis müsse.
Ärzte warnen vor „bürokratischem Super-GAU"
Die Kritik kommt umgehend und heftig. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezeichnete die Pläne am 2. Juli als Zumutung. Sie befürchtet überfüllte Wartezimmer und deutlich mehr Bürokratie. Der Hausärzteverband Rheinland-Pfalz spricht von einem „bürokratischen Super-GAU", der die ambulante Versorgung lahmlegen könne.
Durch die neuen Regelungen zur Attestpflicht wächst der administrative Druck auf Arbeitgeber und Personalabteilungen erheblich. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie die gesetzliche Arbeitszeiterfassung und Dokumentationspflichten ohne teure Software rechtssicher umsetzen. Kostenlose Mustervorlage zur Zeiterfassung jetzt sichern
Auch die Krankenkassen schlagen Alarm. DAK-Chef Storm wies am heutigen Freitag darauf hin, dass die telefonische Krankschreibung nur 0,8 bis 1,2 Prozent des gesamten AU-Geschehens ausmache. Ihre Abschaffung stehe in keinem Verhältnis zum erwarteten Aufwand. Die bayerische Hausärztin Reis-Berkowicz kritisiert die Maßnahmen als politischen Aktionismus ohne wissenschaftliche Grundlage.
Widerstand in der SPD – Union verteidigt Pläne
Selbst in der SPD-Spitze gibt es Zweifel. Parteichef Lars Klingbeil und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas stellen die Attestpflicht ab dem ersten Tag infrage. Klingbeil betonte am heutigen Freitag, niemand solle krank unnötig zum Arzt gehen müssen. Tarifverträge könnten Ausnahmen regeln.
Unionspolitiker wie Jens Spahn verteidigen das Vorhaben dagegen als Frage der Fairness. SPD-Generalsekretär Klüssendorf bezeichnet die Attestpflicht als das kleinere Übel – im Vergleich zu diskutierten Karenztagen, bei denen Arbeitnehmer im Krankheitsfall zunächst kein Gehalt bekommen hätten.
Steigende Krankheitszahlen und neue Nachweispflichten fordern ein professionelles Gesundheitsmanagement im Betrieb. Erfahren Sie in dieser praxisnahen Anleitung, wie ein rechtssicheres Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) funktioniert und wie Sie Arbeitsplätze nachhaltig sichern. Gratis BEM-Leitfaden mit Muster-Betriebsvereinbarung downloaden
Unternehmer Carsten Maschmeyer warnte Anfang Juli vor einem widersprüchlichen Trend: Während über eine Erhöhung des Rentenalters diskutiert werde, erlebten Arbeitnehmer über 50 oft Altersdiskriminierung. Zur Krankschreibungsregelung merkte er an, dass die Belastung in den Praxen dazu führen könne, dass Patienten kränker aus der Untersuchung kämen als vorher.
Die genaue Ausgestaltung der neuen Regeln soll in den kommenden Wochen konkretisiert werden.
