Krypto-Besteuerung, Kabinett

Krypto-Besteuerung: Kabinett plant Ende der Haltefrist-Steuerfreiheit

06.07.2026 - 20:54:13 | boerse-global.de

Bundeskabinett plant Abschaffung der Steuerfreiheit für Krypto-Gewinne nach einem Jahr. Anleger müssen künftig Abgeltungsteuer zahlen.

Krypto-Steuerreform: Haltefrist für Gewinne soll entfallen
Krypto-Besteuerung - Eine Euro-Münze verschmilzt mit einem digitalen Netzwerk und Steuersymbolen, die die Besteuerung von Kryptowährungen darstellen. 06.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das Bundeskabinett berät heute über eine grundlegende Reform der Besteuerung digitaler Währungen.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil will Kryptowährungen künftig wie Aktien behandeln. Statt der bisherigen Steuerfreiheit nach zwölf Monaten sollen Gewinne unabhängig von der Haltedauer mit der Abgeltungsteuer belegt werden. Die Abgabe liegt bei 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag.

Was sich für Anleger ändert

Die effektive Steuerbelastung steigt damit auf rund 26,375 Prozent. Ein Beispiel: Bei 10.000 Euro Gewinn fließen künftig 2.637 Euro an den Fiskus. Bisher konnten Anleger diesen Betrag nach einem Jahr komplett behalten.

Für kurzfristig orientierte Trader bringt die Reform eine Entlastung. Sie unterliegen aktuell ihrem persönlichen Steuersatz von bis zu 45 Prozent. Die Deckelung auf die Abgeltungsteuer senkt ihre Abgaben deutlich.

Offene Fragen bleiben: Gibt es Bestandsschutz für Altbestände? Wie werden Verluste künftig mit Aktiengewinnen verrechnet? Der Entwurf schweigt dazu.

Milliardenhoffnung mit Risiken

Die Regierung erwartet jährliche Mehreinnahmen von zwei Milliarden Euro. Experten zweifeln an dieser Prognose. Sie verweisen auf Österreich: Dort brachte eine ähnliche Reform statt der erwarteten 300 Millionen nur 34 Millionen Euro.

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Ab 2027 verschärft die EU die Transparenzregeln. Die Richtlinie DAC8 verpflichtet Kryptodienstleister zum automatischen Datenaustausch mit Finanzbehörden. Steuerhinterziehung wird dann deutlich schwieriger.

Verfassungsrechtliche Bedenken

Der Widerstand formiert sich. Bereits im Mai lehnte der Finanzausschuss einen ähnlichen Entwurf der Grünen ab – mit Stimmen von CDU/CSU und AfD. Kritiker argumentieren: Kryptowerte gleichen strukturell Edelmetallen wie Gold. Und Gold bleibt nach einem Jahr steuerfrei. Juristen sehen darin eine mögliche verfassungswidrige Ungleichbehandlung.

Branchenverbände warnen vor einer Abwanderung von Kapital und Innovation. Der Bundesblock befürchtet sogar Mindereinnahmen, wenn Deutschland für Krypto-Unternehmen an Attraktivität verliert.

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Petition gegen die Reform

Die Initiative ProHaltefrist kämpft gegen die Abschaffung. Sie reichte Ende Mai eine Petition beim Bundestag ein. Das Ziel: 30.000 Unterschriften, um eine Behandlung im Petitionsausschuss zu erzwingen. Die Initiative kritisiert vor allem den drohenden Vertrauensverlust für Langzeit-Anleger.

Finanzexperten raten betroffenen Anlegern, ihre Unterlagen genau zu prüfen. Wer Erwerbszeitpunkt und Anschaffungskosten lückenlos nachweisen kann, ist für mögliche Übergangsregelungen gewappnet.

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