Kündigungsschutz, Spitzenverdiener

Kündigungsschutz: Spitzenverdiener ab 177.450 Euro leichter entlassbar

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 08:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Koalition beschließt ein 34-Punkte-Programm mit Steuerentlastungen, schärferem Kündigungsrecht für Top-Verdiener und einer Rentenreform.

Koalitionspaket: Steueranreize und Reformen für die Wirtschaft
Kündigungsschutz - Ein gut gekleideter Geschäftsmann betrachtet nachdenklich ein Kündigungsschreiben in einem modernen Büro. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Koalition hat ein 34-Punkte-Programm verabschiedet, das die deutsche Wirtschaft mit Steueranreizen, Bürokratieabbau und Arbeitsmarktreformen ankurbeln soll. Vorgestellt Anfang Juli 2026, stehen besonders die Neuregelungen bei Abfindungen und der Kündigungsschutz für Spitzenverdiener im Fokus.

Steuerbonus für schnelle Jobwechsel

Eine Weltneuheit nennt es IAB-Forscher Enzo Weber: Wer nach einer Kündigung besonders schnell einen neuen Job findet, soll steuerlich begünstigt werden. Die Idee: Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Sozialkassen profitieren gleichermaßen. Die genaue Ausgestaltung ist aber noch offen.

Parallel lockert die Regierung den Kündigungsschutz für Top-Verdiener. Wer ein Jahreseinkommen von 177.450 Euro erzielt, kann künftig gegen Abfindung leichter entlassen werden. Die Abfindung ist auf zwölf Bruttomonatsgehälter gedeckelt – für Mitarbeiter ab 55 Jahren auf bis zu 20 Monatsgehälter. Die Regelung gilt für neue Verträge ab dem 1. Januar 2027.

Arbeitgeberverbände begrüßen die Pläne. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert sie scharf. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht warnt vor wirtschaftlichen Risiken für betroffene Arbeitnehmer.

Steuerentlastung für die Mitte – Reichensteuer steigt

Ab Anfang 2027 sollen Bürger entlastet werden: rund zehn Milliarden Euro jährlich. Geplant sind höhere Grund- und Kinderfreibeträge. Eine Durchschnittsfamilie mit 60.000 Euro Jahreseinkommen soll bis zu 600 Euro sparen.

Finanziert wird das durch eine verschärfte Reichensteuer. Ab 250.000 Euro Einkommen steigt der Satz auf 45 Prozent, ab 280.000 Euro auf 47 Prozent.

Kanzleramtschef Thorsten Frei verteidigt die Pläne als „wichtigen Schritt zur Entlastung der arbeitenden Mitte“. IfW-Präsident Moritz Schularick ist skeptisch: Die Inflation könnte die Entlastung auffressen. Das Paket reiche nicht für eine Trendwende.

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Befristungen kehren zurück – Krankschreibung wird strenger

Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverträgen wird wieder eingeführt. Möglich sind bis zu 48 Monate bei maximal sechs Verlängerungen – befristet bis Ende 2030.

Die telefonische Krankschreibung fällt weg. Verlangt der Arbeitgeber eine Bescheinigung, müssen Angestellte ab dem ersten Krankheitstag eine vorlegen.

Bürokratieabbau: Weniger Berichte, schnellere Genehmigungen

Die Regierung will Unternehmen administrativ entlasten:

  • Berichtspflichten: Zahlreiche Pflichten werden pauschal aufgehoben.
  • Genehmigungsfiktion: Nach vier Monaten gilt ein Antrag als genehmigt, wenn die Behörde nicht entscheidet.
  • Digitalisierung: Die Steuererklärung soll automatisch vorausgefüllt werden. Unternehmen bekommen ihre Steuernummer innerhalb von vier Wochen.
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Rente: Höheres Alter, höhere Beiträge, Kapitalrente

Die Altersvorsorge wird grundlegend reformiert. Die Regierung setzt die Empfehlungen der Alterssicherungskommission um – bis Jahresende. Geplant sind:

  • Einführung einer Kapitalrente
  • Rentenbeiträge könnten um bis zu zwei Prozentpunkte steigen
  • Renteneintrittsalter über 67 Jahre hinaus
  • Abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll wegfallen

Haushalt 2027: Rekordausgaben, Rekordschulden

Der am 6. Juli verabschiedete Haushaltsentwurf sieht Gesamtausgaben von 555,4 Milliarden Euro vor. Die Neuverschuldung steigt auf über 200 Milliarden Euro.

Der Verteidigungsetat wird massiv auf 109,7 Milliarden Euro aufgestockt. Gekürzt wird beim Kinderzuschlag sowie bei den Zuschüssen zur Renten- und Krankenversicherung. Der Bundestag soll den Etat im November 2026 abschließend beraten.

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