Steuerreform 2027: Zehn Milliarden Euro Entlastung für Steuerzahler
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 08:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ab 2027 ändert sich das deutsche Steuerrecht grundlegend. Das Kabinett verabschiedete am 6. Juli ergänzend den Bundeshaushalt für 2027.
Insgesamt 34 Punkte umfasst das Maßnahmenpaket. Die Steuerzahler sollen jährlich um rund zehn Milliarden Euro entlastet werden.
Freibeträge steigen, Steuertarif wird angepasst
Die Reform tritt überwiegend zum 1. Januar 2027 in Kraft. Zentrales Element: Die Anhebung steuerlicher Freibeträge. Der Grundfreibetrag soll bis 2028 stufenweise auf 12.900 Euro klettern.
Auch das Kindergeld steigt – auf 272 Euro. Der Arbeitnehmerpauschbetrag erhöht sich auf 1.430 Euro. Um die kalte Progression abzumildern, plant die Regierung eine Abflachung der Steuerprogression.
Der Spitzensteuersatz greift künftig ab einem zu versteuernden Einkommen von 70.600 Euro. Eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro Bruttojahreseinkommen könnte ab 2028 um mehr als 600 Euro pro Jahr entlastet werden. Alleinerziehende sparen je nach Einkommen zwischen 470 und 500 Euro.
Reichensteuer wird verschärft
Die Entlastungen müssen gegenfinanziert werden. Der Koalitionsbeschluss sieht daher Verschärfungen bei hohen Einkommen vor. Die Reichensteuer wird reformiert: Ein Satz von 45 Prozent gilt künftig bereits ab 250.000 Euro Einkommen. Für Einkommen über 280.000 Euro kommt ein neuer Höchstsatz von 47 Prozent.
Der Steuerbonus für Handwerkerleistungen sinkt. Ab 1. Januar 2027 fällt der Fördersatz von 20 auf 15 Prozent der Lohnkosten. Der maximale Abzugsbetrag wird auf 900 Euro pro Jahr begrenzt. Wer noch von der alten Regelung profitieren will, muss Zahlungen noch vor Jahresende 2026 leisten.
Weitere Anpassungen: Die Pauschalsteuer für Minijobs steigt von zwei auf fünf Prozent. Auch die Steuer auf alkoholische Getränke soll erhöht werden – ausgenommen sind Bier und Wein.
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Digitale Steuererklärung kommt
Die Regierung will die Steuerverwaltung modernisieren. Bis zum Herbst 2026 soll ein Steuervereinfachungsgesetz vorliegen. Geplant ist eine automatisch vorausgefüllte digitale Steuererklärung. Das soll den Aufwand für Bürger erheblich reduzieren.
Unternehmen profitieren von beschleunigten Prozessen: Die Vergabe einer Steuernummer soll künftig innerhalb von vier Wochen erfolgen. Diverse Berichtspflichten entfallen. Das entlastet die Wirtschaft schätzungsweise um 720 Millionen Euro pro Jahr.
Die europäischen Nachhaltigkeitsstandards (ESRS) und die Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) sollen mit Augenmaß umgesetzt werden. Letztere gilt erst für Unternehmen ab 5.000 Beschäftigten und einem Mindestumsatz von 1,5 Milliarden Euro.
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Kritik an Arbeitsmarktplänen
Das Gesamtpaket stößt auf Kritik. Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) warnen: Steigende Sozialbeiträge könnten die steuerlichen Vorteile auffressen. Der Rentenversicherungsbeitrag soll bis 2028 auf 19,9 Prozent steigen.
Für Diskussionen sorgen geplante Änderungen am Arbeitsmarkt. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit (AU) wäre dann wieder ab dem ersten Tag nötig.
Parallel dazu plant die Regierung: Die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen soll auf bis zu 48 Monate verlängert werden. Regierungsvertreter verteidigen die Schritte als notwendig für die Wettbewerbsfähigkeit. Gewerkschaften und Opposition kritisieren den Wegfall flexibler Regelungen für Arbeitnehmer.
Im Rahmen der Rentenreform sind weitere Einschnitte geplant: eine Kapitalrente, die Anhebung des Rentenalters über 67 Jahre sowie die Abschaffung der vorgezogenen Rente ohne Abschläge. Das soll die langfristige Finanzierung des Systems sichern.
