Lehrlingsförderung: Österreich senkt Basisförderung ab Juli auf 75%
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 22:39 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Neue Förderrichtlinien der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sind in Kraft getreten, während aktuelle Umfragen die hohe Qualität der dualen Ausbildung bestätigen. Gleichzeitig werben Kammern mit Stipendien um leistungsstarke Nachwuchskräfte.
Weniger Geld für Lehrbetriebe
Die finanzielle Unterstützung für Ausbildungsbetriebe in Österreich hat sich mit Juli 2026 verändert. Die Basisförderung für Lehrbetriebe wurde auf 75 Prozent der bisherigen Berechnungsgrundlage gesenkt. Eine Ausnahme gilt für Unternehmen, die nur einen Lehrling ausbilden – sie erhalten weiterhin die volle Förderung.
Das jährliche Budget für diese Maßnahmen liegt bei 280 Millionen Euro. Bis 2029 soll es auf 285 Millionen Euro steigen. Einen Rechtsanspruch auf die Mittel gibt es nicht. Die Bearbeitung der Anträge erfolgt nach Eingangsreihenfolge.
Spitzenwerte für praktisches Wissen
Trotz der Kürzungen genießt das duale Ausbildungssystem international hohes Ansehen. Eine Eurobarometer-Umfrage unter rund 26.500 Befragten bescheinigt Österreichs Ausbildungssystem Spitzenwerte. Bei der Vermittlung praktisch relevanter Fähigkeiten belegt das Land mit 94 Prozent Zustimmung den ersten Platz unter 28 untersuchten Nationen.
Auch die Kompetenz der Ausbilder wird mit 86 Prozent europaweit am höchsten bewertet. Dennoch sieht die Wirtschaftskammer weiteren Handlungsbedarf bei der gesellschaftlichen Akzeptanz.
„Die schulische Bildung genießt in der öffentlichen Wahrnehmung oft noch ein besseres Image“, sagte WKÖ-Vertreter Manfred Denk. Rund 85 Prozent der Befragten gaben an, dass Jugendliche eher zu allgemeinbildenden Schulen ermutigt würden.
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ÖVP-Lehrlingssprecher Klaus Mair betonte am 10. Juli 2026 die Bedeutung der Lehre als Standortfaktor. Zwei Drittel der Fachkräfte hätten ihren Weg über eine Lehre gestartet. Das trage maßgeblich zur geringen Jugendarbeitslosigkeit bei.
Stipendien für Spitzenleistungen
Neben der staatlichen Basisförderung gibt es spezifische Programme für angehende Fachkräfte. Die Handwerkskammer Koblenz hat für besonders leistungsstarke Absolventen Stipendien ausgeschrieben. Erfolgreiche Bewerber können bis zu 9.135 Euro für ihre berufliche Weiterbildung erhalten – etwa die Meisterprüfung.
Die Bewerbungsfrist endet am 10. August 2026. Voraussetzung ist ein Abschluss mit mindestens 87 Punkten oder ein Podiumsplatz bei einem überregionalen Berufswettbewerb.
In der Landwirtschaft gibt es zudem Zuschüsse für den T-Führerschein. Die Regelungen variieren stark je nach Bundesland. Mecklenburg-Vorpommern übernimmt seit Mitte Juni 2026 bis zu 90 Prozent der Fahrschulkosten. Sachsen bietet Pauschalbeträge aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds an. In Bayern und Hessen gibt es derzeit keine entsprechenden Förderprogramme.
Unbesetzte Stellen und Tarifkonflikt
Trotz der positiven Resonanz bleibt die Besetzung offener Stellen schwierig. Im Agenturbezirk Wesel waren zuletzt über 1.200 Ausbildungsplätze unbesetzt – besonders in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie im Baugewerbe.
Zusätzliche Spannungen gibt es bei den Arbeitsbedingungen im Tourismus. Die Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag für rund 250.000 Beschäftigte im Hotel- und Gastgewerbe waren Ende Juni vorerst gescheitert.
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Ein Vermittlungsversuch von Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner am 10. Juli 2026 brachte keine endgültige Einigung. Die Arbeitnehmerseite beharrt auf einem Ausgleich der Inflation. Die Arbeitgeberseite verweist auf bereits unterbreitete Angebote, die Betriebe nun freiwillig umsetzen könnten.
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