Minijob-Reform: Steuersatz springt von 2 auf 5 Prozent
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 00:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Gewerkschaften und SozialverbĂ€nde laufen Sturm gegen das Paket âAgenda 2030â. Arbeitgeber fordern derweil noch schĂ€rfere Einschnitte.
Im Kern geht es um tiefgreifende VerÀnderungen im Arbeitsrecht, bei der sozialen Sicherung und im Gesundheitswesen. Die Fronten sind verhÀrtet.
Streit um Arbeitszeit und KĂŒndigungsschutz
Ein zentraler Punkt: die geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes. Die Regierung will die tĂ€gliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer Wochenhöchstgrenze aufweichen. DGB-Chefin Yasmin Fahimi zieht eine rote Linie. Der Acht-Stunden-Tag mĂŒsse erhalten bleiben, sonst drohten âerhebliche Konflikteâ.
Noch weiter gehen die PlĂ€ne zur Liberalisierung des Arbeitsmarkts. KĂŒnftig sollen Befristungen ohne Sachgrund bis zu vier Jahren möglich sein â doppelt so lang wie bisher. Bis zu sechs VerlĂ€ngerungen wĂ€ren bis Ende 2030 erlaubt. Auch der KĂŒndigungsschutz steht zur Debatte.
ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger begrĂŒĂt die Schritte â und fordert mehr: Karenztage und eine Begrenzung des Arbeitslosengeldes auf zwölf Monate. Die Gewerkschaften sehen darin eine einseitige Belastung der BeschĂ€ftigten.
Milliardenloch in der Krankenversicherung
Der Bundestag hat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verabschiedet. Es soll ein milliardenschweres Defizit in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgleichen. Die Folgen: höhere Zuzahlungen, sinkende FestzuschĂŒsse fĂŒr Zahnersatz und eine Deckelung der VergĂŒtungssteigerungen.
Kliniken und Ărzte schlagen Alarm. Gerald GaĂ, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), warnt vor einer Insolvenzwelle. Durch den Sparkurs und auslaufende ZuschlĂ€ge könnten den Kliniken insgesamt rund acht Milliarden Euro fehlen.
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VerschĂ€rft wird auch der Umgang mit Krankmeldungen: BeschĂ€ftigte sollen ab dem ersten Tag der ArbeitsunfĂ€higkeit ein Ă€rztliches Attest vorlegen. Die telefonische Krankschreibung soll entfallen. SozialverbĂ€nde sprechen von einem Misstrauensvotum gegenĂŒber den Arbeitnehmern.
Am 13. Juli demonstrierten in MĂŒnchen 25 Organisationen â darunter Verdi, IG Metall und die Caritas â gegen die PlĂ€ne. Ihre Sorge: eine SchwĂ€chung des Sozialstaats.
Minijob-Reform spaltet die Union
Selbst innerhalb der Regierungsparteien knirscht es. Kanzler Merz will Minijobs nach Personengruppen differenzieren â SchĂŒler, Studenten, Rentner, andere ErwerbstĂ€tige. CSU-Chef Markus Söder lehnt eine Abschaffung oder tiefgreifende Reform ab. Er warnt vor wirtschaftlichen SchĂ€den in Gastronomie und Landwirtschaft.
Die konkreten PlĂ€ne: Der Pauschalsteuersatz fĂŒr Arbeitgeber steigt von zwei auf fĂŒnf Prozent. Minijobber sollen zudem verpflichtend in die Rentenversicherung einzahlen. Die Minijob-Grenze erhöht sich auf 633 Euro.
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Experten des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bezeichnen die MaĂnahmen als unzureichend. Kernprobleme wie die VerdrĂ€ngung regulĂ€rer BeschĂ€ftigung wĂŒrden nicht gelöst.
Proteste weiten sich aus
Der Widerstand wĂ€chst â nicht nur in Stellungnahmen, sondern auf der StraĂe. In ĂŒber 14 StĂ€dten folgten Tausende den Aufrufen zu Sozialprotesten. Am 13. Juli eskalierte die Stimmung an der UniversitĂ€t Köln: Dort eröffnete Kanzler Merz eine neue Einrichtung fĂŒr Regierungslehre. Kritiker befĂŒrchten eine einseitige, wirtschaftsnahe Elitenausbildung.
Auch in der Koalition brodelt es. Bei der Reform des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG), beschlossen am 1. Juli, drohen Teile der SPD-Fraktion mit Gegenwind. Die geplanten EinschrÀnkungen könnten den Zugang von NGOs und Journalisten zu staatlichen Informationen erschweren.
Der DGB hat bereits fĂŒr den 26. September zu bundesweiten Demonstrationen aufgerufen. Ziel: den Druck auf die Regierung vor den Landtagswahlen im Osten weiter zu erhöhen.
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