Frauen scheiden frĂŒhzeitiger als MĂ€nner wieder aus DAX-VorstĂ€nden aus
03.01.2024 - 08:30:12Das Zweite FĂŒhrungspositionen-Gesetz (FĂŒPoG II) schreibt vor, dass in den VorstĂ€nden börsennotierter paritĂ€tisch mitbestimmter Unternehmen ab einer GröĂe von vier Mitgliedern mindestens eine Frau im Vorstand vertreten sein muss. Das Gesetz trat im August 2022 in Kraft. Im Halbjahr vor Inkrafttreten des Gesetzes wurde ein Drittel (33%) aller neu zu besetzenden Vorstandsposten mit Frauen besetzt; in den sechs Monaten nach Inkrafttreten waren es sogar fast zwei Drittel (64%) aller DAX-Vorstandsposten, die an Frauen gingen. Im Jahr 2023 ist der Anteil weiblicher Neubesetzungen jedoch wieder auf 22% zurĂŒckgegangen.
Wie die Studie offenlegt, gelingt es DAX-Unternehmen hĂ€ufig nicht, Frauen lĂ€ngerfristig in Vorstandspostionen zu halten: Bemerkenswerte 80% der 2023 aus DAX-VorstĂ€nden ausgeschiedenen Frauen verlieĂen nach drei Jahren oder weniger ihren Vorstandsposten wieder, bei den MĂ€nnern traf das nur auf 15% zu. WĂ€hrend die Frauen maximal drei Jahre im Amt blieben, kamen die 2023 ausgeschiedenen MĂ€nner auf eine durchschnittliche Amtszeit von fast acht Jahren (2,7 vs. 7,8 Jahre).
Die 2023 ausgeschiedenen weiblichen VorstĂ€nde waren im Schnitt sechs Jahre jĂŒnger als die MĂ€nner; keine ist durch das Erreichen der Altersgrenze ausgeschieden, bei den MĂ€nnern spielte hingegen bei 35% der scheidenden VorstĂ€nde das Alter eine Rolle. Nur ein Drittel der ausgeschiedenen weiblichen VorstĂ€nde bekleidet nach ihrem Ausscheiden zum Stichtag 1. Januar 2024 wieder einen Vorstandsposten.
«Wir beobachten in den VorstĂ€nden eine vergleichbare Entwicklung wie seinerzeit in den AufsichtsrĂ€ten: Mit der ErfĂŒllung der Quote findet der positive Trend ein Ende. 2023 ist der Anteil weiblicher Neubesetzungen in DAX 40 VorstĂ€nden gegenĂŒber der zweiten HĂ€lfte des Vorjahres um zwei Drittel eingebrochen. Schwerer wiegt noch, dass sieben von neun ausscheidenden VorstĂ€ndinnen ihr Amt weniger als drei Jahre innehatten. Beides zusammen genommen bedeutet einen RĂŒckschlag fĂŒr die BemĂŒhungen um mehr DiversitĂ€t in den Vorstandsgremien», sagt Jens-Thomas Pietralla, Leiter der EuropĂ€ischen Board & CEO Praxisgruppe von Russell Reynolds Associates.
Auch bei der Rollenverteilung fielen DAX-Unternehmen in alte Muster zurĂŒck. RĂŒckten 2022 noch vermehrt Frauen in Vorstandspositionen mit Ergebnisverantwortung (P&L-Verantwortung) auf, ist es 2023 vorwiegend wieder das historisch besonders hĂ€ufig von Frauen gefĂŒhrte Vorstandsressort Personalwesen/HR, das mit Frauen besetzt wird (50% der neu bestellten Frauen).
«Viele Frauen stiegen historisch betrachtet ĂŒber eine Karriere im Personalbereich in den Vorstand auf. Um sich aber im Vorstand ĂŒber Ergebnisverantwortung fĂŒr die Rolle als CEO zu qualifizieren, muss man sich oft zuvor im operativen GeschĂ€ft bei der Leitung einer Region oder der FĂŒhrung eines GeschĂ€ftsbereichs bewiesen haben. Weibliche FĂŒhrungskrĂ€fte mit diesen Erfahrungen sind rar, der Pool ist insgesamt ĂŒberschaubar. So bleibt die klassische Rollenverteilung zwischen MĂ€nnern und Frauen im Vorstand erhalten. Unternehmen sollten ihren weiblichen FĂŒhrungsnachwuchs gezielter in operativen Funktionen einsetzen, um diese klassischen Besetzungsmuster zu durchbrechen», sagt Dr. Thomas Tomkos, Leiter der Deutschen Board & CEO Praxisgruppe von Russell Reynolds Associates.
Auch bei der DiversitĂ€t ĂŒber den Frauenanteil hinaus gab es einen RĂŒckschritt: die InternationalitĂ€t der DAX-VorstĂ€nde ist 2023 zurĂŒckgegangen. Sowohl bei den MĂ€nnern als auch bei den Frauen ging der AuslĂ€nderanteil zurĂŒck; der Anteil der mĂ€nnlichen deutschen VorstĂ€nde stieg von rund 65% auf 68% (von 128 auf 132), der Anteil der weiblichen deutschen VorstĂ€nde unter den Vorstandsfrauen nahm von 55% auf 60% zu (von 32 auf 35).
Anders als der DAX hat der MDAX bei DiversitĂ€t und Frauenquote Fortschritte gemacht: die Frauenquote in MDAX-VorstĂ€nden stieg 2023 um fast ein Viertel von 13,7% und 17,1%. Sechs VorstĂ€ndinnen fehlen dem MDAX mit seinen 50 Unternehmen, um die 20%-HĂŒrde zu nehmen. Es wurden mehr als doppelt so viele Frauen neu in MDAX-VorstĂ€nde berufen als ausschieden: neun kamen hinzu (davon fĂŒnf als Chief Financial Officer CFO), vier schieden aus. Die 2023 aus MDAX-VorstĂ€nden ausgeschiedenen Frauen waren im Schnitt 4,3 Jahre im Amt, bei den MĂ€nnern waren es 5,5 Jahre.
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