EU und USA verlÀngern in Handelsstreit Stillhalteabkommen
19.12.2023 - 11:51:39Im Streit ĂŒber US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU ist eine erneute Eskalation vorerst abgewendet. Wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte, wurde ein 2021 geschlossenes Stillhalteabkommen bis zum 31. MĂ€rz 2025 verlĂ€ngert. Es sieht vor, dass aus der EU bestimmte Mengen an Stahl und Aluminium zollfrei in die USA importiert werden dĂŒrfen. Im Gegenzug bleiben EU-Sonderzölle auf US-Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-MotorrĂ€der und Jeans ausgesetzt.
Letztere waren als VergeltungsmaĂnahme fĂŒr die 2018 vom damaligen US-PrĂ€sidenten Donald Trump eingefĂŒhrten Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren erlassen worden. Der Republikaner hatte die MaĂnahme «mit Interessen der nationalen Sicherheit» begrĂŒndet.
Keine Einigung bei Gipfeltreffen im Oktober
«Die verlĂ€ngerte Aussetzung von Zöllen gibt Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks Sicherheit und erleichtert den Handel», teilte die EU-Kommission nun mit. Im Zuge der vorlĂ€ufigen Einigung hĂ€tten sich die USA auch bereiterklĂ€rt, zusĂ€tzliche Zollbefreiungen fĂŒr EU-Exporteure zu gewĂ€hren. Insgesamt sparten diese durch die Einigung Zölle von etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr.
Eigentlich sollte bis Ende dieses Jahres eine endgĂŒltige Lösung gefunden werden. Bei einem Gipfeltreffen im Oktober in Washington gelang allerdings keine Einigung. Als Grund fĂŒr das Scheitern wurde in BrĂŒssel ein unzureichendes Entgegenkommen der USA genannt. FĂŒr den Streit ĂŒber die Sonderzölle wollten die USA demnach nur Lösungen akzeptieren, die nicht im Einklang mit Regeln der Welthandelsorganisation WTO stehen.
EnttÀuschung bei EuropÀern
Die europĂ€ische Industrie hatte sich vom vorlĂ€ufigen Scheitern der Verhandlungen enttĂ€uscht gezeigt. So sprach die deutsche Stahlindustrie von einer groĂen Chance, die verpasst worden sei. Als Risiko fĂŒr das Stillhalteabkommen gilt eine mögliche RĂŒckkehr von Trump ins WeiĂe Haus nach der PrĂ€sidentenwahl im November kommenden Jahres.
Um welche Dimensionen es geht, zeigen Zahlen der EU-Kommission: 2022 wurden aus der EU rund 3,8 Millionen Tonnen Stahl in die USA exportiert. 1,7 Millionen Tonnen davon konnten wegen des Stillhalteabkommens zollfrei ausgefĂŒhrt werden - hinzu kamen 1,5 Millionen Tonnen auf freiwilliger Basis. Bei Aluminium wurden von Gesamtexporten von 289 000 Tonnen rund 216 000 zollfrei gestellt - allerdings nur 146 000 Tonnen im Rahmen des Abkommens. Von den EU-Vergeltungszöllen waren ursprĂŒnglich US-Exporte im Wert von 2,8 Milliarden Euro betroffen.


