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Österreich-Steuersatz 4,9%: Bäckereien kämpfen mit 6 Mio. Euro IT-Kosten

04.07.2026 - 08:31:08 | boerse-global.de

Neue 4,9-Prozent-Regel für Grundnahrungsmittel belastet Bäckerhandwerk mit hohen IT-Kosten und komplexen Einstufungen.

Österreichs Steuersenkung: Bäckereien kämpfen mit Bürokratie
Bäckereien - Hände eines Bäckers halten ein traditionelles Brot vor einer unscharfen modernen Registrierkasse mit Zahlen. Die Szene symbolisiert Steuerkomplexität. 04.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Seit dem 1. Juli gilt in Österreich für ausgewählte Grundnahrungsmittel ein reduzierter Steuersatz von 4,9 Prozent. Bisher waren es 10 Prozent. Die Maßnahme soll Haushalte entlasten – doch das Bäckerhandwerk kämpft mit bürokratischen Hürden.

Fettgehalt entscheidet über Steuersatz

Die Einstufung der Produkte folgt der EU-Warenklassifikation. Entscheidend sind Fett- und Zuckergehalt sowie die Verkaufsform. Die Praxis führt zu kuriosen Unterschieden: Übersteigt der Fettgehalt fünf Prozent in der Trockenmasse, bleiben es 10 Prozent. Croissants oder spezielle Gebäcke fallen darunter, klassisches Brot und einfache Semmeln nicht.

Auch der Verzehrort spielt eine Rolle. Beim Mitnehmen gilt der ermäßigte Satz, beim Verzehr vor Ort die vollen 10 Prozent. Die Wirtschaftskammer Österreich kritisierte die mangelnde Praxistauglichkeit. Für Betriebe bedeuten die Einstufungen oft kostspielige Laboranalysen – rund 200 Euro pro Produkt.

Sechs Millionen Euro für neue Kassensysteme

Die technische Umsetzung trifft vor allem kleine Händler hart. Viele ältere Registrierkassen können die neuen Dezimalstellen nicht verarbeiten. Der Handelsverband bezifferte die branchenweiten IT-Kosten auf rund sechs Millionen Euro. Im Einzelfall berichten Händler von 370 Euro für Software-Updates bis zu 15.000 Euro für komplette Neuanschaffungen.

Besonders betroffen ist das regionale Handwerk. Allein in der Steiermark müssen 167 Bäckerbetriebe mit 271 Standorten umstellen. Eine Inhaberin aus Waidhofen an der Ybbs nannte ein Paradoxon: Eine belegte Buttersemmel wird mit 10 Prozent besteuert, obwohl Butter und Semmel einzeln dem ermäßigten Satz unterliegen.

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Behörden überwachen Preisweitergabe

Die Bundeswettbewerbsbehörde kündigte an, die Weitergabe der Steuersenkung zu kontrollieren. Unternehmen sind gesetzlich dazu verpflichtet. Erste Analysen der Plattform preisrunter.at bei rund 7.000 Artikeln zeigten: Am Stichtag wurden etwa 90,6 Prozent der rechnerischen Entlastung tatsächlich umgesetzt.

Große Handelsketten wie Billa, Spar und Hofer senkten die Preise für tausende Artikel. Billa gab an, über 4.000 Artikel angepasst und stets zugunsten der Kunden abgerundet zu haben. Kritik gab es vereinzelt bei Pfandsystemen: Alte Milch- und Joghurtgebinde führen nach der Steuersenkung zu Differenzen bei der Rückgabe.

Mindereinnahmen von bis zu 200 Millionen Euro

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Für die öffentlichen Haushalte hat die Steuersenkung deutliche Folgen. Der staatliche Budgetdienst rechnet für 2026 mit Ausfällen zwischen 135 und 200 Millionen Euro. Ab 2027 sollen die Kosten auf jährlich rund 400 Millionen Euro steigen.

Die durchschnittliche Entlastung pro Haushalt liegt bei etwa 45 bis 100 Euro pro Jahr – rund sechs bis sieben Euro monatlich. Experten erwarten einen dämpfenden Effekt auf die Inflation von etwa 0,15 Prozentpunkten bis Juni 2027.

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