Pflegenotstand, Erwerbstätige

Pflegenotstand: 700.000 Erwerbstätige kümmern sich nebenbei um Familie

16.06.2026 - 04:51:33 | boerse-global.de

Koalition streitet über Pflegeneuordnungsgesetz, während Kommunen wie Dortmund mit Lotsenprojekten die Beruf-Pflege-Vereinbarkeit verbessern.

Pflegenotstand: Kostenexplosion und neue Lösungsansätze
Pflegenotstand - Eine Gruppe von Fachleuten in einem modernen Büro, die die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege symbolisiert. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Berlin über die Finanzierung ringt, probieren Kommunen und Unternehmen neue Modelle aus.

Streit ums Pflegeneuordnungsgesetz

In der schwarz-roten Koalition knirscht es gewaltig. Ein Entwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sieht vor, die Einkommensgrenze von 100.000 Euro zu streichen. Bisher mussten Kinder erst ab diesem Betrag für die Pflegekosten ihrer Eltern aufkommen.

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Pflegebeauftragte Katrin Staffler (CSU) ist dagegen. Sie fordert eine faire Lastenverteilung und schlägt eine Reform des sogenannten Pflege-Bahr vor. Die staatliche Förderung liegt dort derzeit bei maximal fünf Euro im Monat.

Der Druck ist enorm: Bei 70 Milliarden Euro Gesamtvolumen müssen innerhalb von zwei Jahren über 20 Milliarden Euro eingespart werden. Für Betroffene bleibt die Belastung hoch – der durchschnittliche Eigenanteil für einen Heimplatz liegt im ersten Jahr bei rund 3.245 Euro monatlich.

Betriebe reagieren auf den Pflegenotstand

Während in Berlin noch diskutiert wird, handeln Kommunen schon. In Nordrhein-Westfalen startete Mitte Juni das Landesprogramm „Vereinbarkeit von Beruf & Pflege“. Die Stadt Dortmund und die dortige Agentur für Arbeit machen mit.

Dort wurden bereits Pflege-Lotsinnen geschult. Sie beraten über 1.000 Beschäftigte der Arbeitsagentur in Pflegesituationen.

Die Zahlen zeigen, warum das nötig ist: Allein in NRW gelten 1,39 Millionen Menschen als pflegebedürftig. Rund 700.000 Erwerbstätige kümmern sich neben dem Job um Angehörige. Ziel der Initiativen sind flexible Arbeitsmodelle und pflegefreundliche Strukturen. Bisher haben 36 von 53 Kreisen in NRW die Charta unterzeichnet.

Was Pflegende finanziell erwartet

Wer Angehörige zu Hause pflegt, kann sich bei der Pflegekasse als Pflegeperson eintragen lassen – vorausgesetzt mindestens Pflegegrad 2 und zehn Stunden Pflege pro Woche an zwei Tagen.

Das bringt Ansprüche in der Renten-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung. Die Rentenbeiträge liegen je nach Pflegegrad zwischen 139 und 736 Euro monatlich. Pro Pflegejahr entspricht das einem Rentenanspruch von etwa 7 bis 37 Euro.

Zusätzlich gibt es einen gemeinsamen Jahresbetrag für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von bis zu 3.539 Euro. Bei stundenweiser Verhinderungspflege unter acht Stunden bleibt das reguläre Pflegegeld erhalten.

Sorgearbeit: Frauen tragen weiter die Hauptlast

Trotz aller Debatten um mehr Gleichberechtigung: Die Realität sieht anders aus. Der Hamburger Gleichstellungsmonitor zeigt für 2026: 87 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen.

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Die Betreuungsquote bei Kindern unter drei Jahren stieg zwar auf 50 Prozent. Doch Väter arbeiten in dieser Phase weiter deutlich länger als Mütter.

Aus Österreich kommen ähnliche Zahlen. Nur ein Prozent der Väter nimmt eine Karenzzeit von drei bis sechs Monaten. Frauen gehen im Schnitt 400 Tage in Karenz. Verbände wie die DMÖ fordern ein egalitäreres System und mehr Kinderbetreuung.

Auch die Arbeitszeitdebatte läuft weiter. Unionspolitiker wie Jens Spahn wollen eine wöchentliche statt täglichen Höchstarbeitszeit. Die SPD pocht auf EU-konforme Ruhezeiten.

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