Polen-Reform, Steuerwesen

Polen-Reform: 19 Änderungen für digitales Steuerwesen ab Juli

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 09:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Polens Finanzministerium stellt umfassendes Reformpaket vor: Digitalisierung, Entlastung der Mittelschicht und höhere Bankensteuer stehen im Fokus.

Polens „Deregulation 2.0“: Steuerreform entlastet Mittelschicht und Banken
Ein stilisiertes polnisches Adler-Emblem, durchzogen von digitalen Linien, vor dem Hintergrund einer verschwommenen Warschauer Skyline bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

„Deregulation 2.0“ soll das Steuerwesen digitalisieren, die Mittelschicht entlasten und Banken stärker besteuern.

Finanzminister Andrzej Doma?ski und Minister Maciej Berka präsentierten die Eckpunkte am 13. Juli. Insgesamt umfasst das Paket 19 wesentliche Änderungen.

Kostenlose App soll Kassen ersetzen

Ein zentraler Bestandteil ist eine mobile Applikation. Sie soll herkömmliche Registrierkassen ersetzen und elektronische Belege erstellen. Die Daten fließen direkt in ein automatisiertes System zur Vorbereitung von Umsatzsteuererklärungen.

Das Ministerium rechnet mit rund zwei Millionen Steuerzahlern, die von vorausgefüllten VAT-Erklärungen profitieren könnten.

Mehr Planungssicherheit für Unternehmen

Die Reform bringt deutliche Änderungen im Umgang mit Behörden. Individuelle Steuerauskünfte sollen künftig fünf Jahre gültig sein. Die Einspruchsfrist gegen Bescheide verlängert sich von 14 auf 30 Tage.

Ein besonderer Anreiz für Selbstkorrekturen: Wer Fehler eigenständig korrigiert, zahlt nur noch 50 Prozent der üblichen Verzugszinsen. Bei Betriebsprüfungen sollen klarere Fristen und ein Wesentlichkeitsgrundsatz Bagatellfälle effizienter behandeln. Die „stillschweigende Zustimmung“ durch Behörden ist für das erste Quartal 2027 geplant.

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Steuerstufe soll steigen

Parallel zu den Deregulierungsplänen diskutiert die Regierungskoalition über eine Anhebung der zweiten Steuerstufe. Ein Vorschlag der Partei Polska 2050 vom 14. Juli sieht vor, die Grenze für den Spitzensteuersatz von 120.000 PLN auf 140.000 PLN anzuheben. Einkommen bis zu dieser Grenze würden mit 12 Prozent besteuert.

Experten zufolge könnten Durchschnittsverdiener jährlich rund 2.600 PLN sparen.

Banken sollen zahlen

Zur Gegenfinanzierung ist eine Erhöhung der Körperschaftsteuer für Banken im Gespräch. Ministerin Katarzyna Pe?czy?ska-Na??cz verwies auf die hohe Überschussliquidität des Sektors. Derzeit liegt der Steuersatz für Banken bei 30 Prozent.

Finanzminister Doma?ski betonte, die Entscheidung müsse auf politischer Ebene innerhalb der Koalition getroffen werden.

Verbrauchsteuern: Erleichterungen für Drohnen und Biogas

Für das vierte Quartal 2026 plant die Regierung 16 Änderungen im Verbrauchsteuergesetz. Vorgesehen sind Steuerbefreiungen für Treibstoff im Drohnenverkehr sowie Erleichterungen für Biogas und Wasserstoff. Unternehmen sollen zudem die Verbrauchssteuer auf abgelaufene alkoholische Getränke zurückerhalten, wenn diese unter Aufsicht vernichtet werden.

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Ausblick auf 2027

Für nächstes Jahr zeichnen sich weitere Anpassungen ab. Ein Gesetzentwurf sieht vor, die Pauschalsteuer auf Mieteinnahmen von verbundenen Unternehmen auf 15 Prozent anzuheben – sofern diese 100.000 PLN übersteigen. Auch Einzelunternehmer ohne Angestellte müssten ab dieser Grenze mit 15 Prozent rechnen.

Wirtschaftsvertreter begrüßen die Stoßrichtung grundsätzlich. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Umsetzung. Von einem früheren Reformpaket wurde bislang nur etwa die Hälfte realisiert. Und der Erfolg der automatisierten Steuererklärungen hängt maßgeblich von der Qualität der digitalen Daten ab.

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