Rheinmetall, Telekom

Rheinmetall und Telekom bauen Schutzschild gegen Drohnen

16.05.2026 - 07:13:21 | boerse-global.de

Rheinmetall und Telekom entwickeln einen Schutzschild für kritische Infrastruktur. Das neue KRITIS-Gesetz treibt die milliardenschwere Initiative voran.

Rheinmetall und Telekom bauen Schutzschild gegen Drohnen - Foto: über boerse-global.de
Rheinmetall und Telekom bauen Schutzschild gegen Drohnen - Foto: über boerse-global.de

Deutschland rüstet sich gegen hybride Bedrohungen – mit einem milliardenschweren Bündnis aus Industrie und Staat.

Seit Inkrafttreten des neuen KRITIS-Dachgesetzes Mitte März sind die Betreiber kritischer Infrastrukturen in der Pflicht. Nun reagiert die Industrie: Rheinmetall und die Deutsche Telekom gaben am 11. Mai eine strategische Partnerschaft bekannt. Gemeinsam entwickeln sie einen bundesweiten Schutzschild gegen Drohnen, Sabotage und physische Angriffe auf Energie- und Verkehrsnetze. Die Ankündigung fällt bewusst in die Woche der AFCEA-Sicherheitsmesse in Bonn – ein klares Signal, dass Deutschland von passiver Sicherheit zu aktiver Resilienz übergeht.

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Das neue Gesetz: Wer schützt, wer zahlt?

Das KRITIS-Dachgesetz trat am 17. März 2026 in Kraft. Es setzt die europäische CER-Richtlinie um und erfasst erstmals elf Sektoren – von Energie über Gesundheit bis zur Lebensmittelversorgung. Betreiber, die mehr als 500.000 Menschen mit essenziellen Diensten versorgen, müssen sich bis zum 17. Juli 2026 beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registrieren.

Die Fristen sind ambitioniert: Neun Monate für Risikoanalysen, zehn Monate für konkrete Schutzmaßnahmen. Wer sich nicht daran hält, riskiert Bußgelder zwischen 100.000 und einer Million Euro. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt nannte das Gesetz einen „notwendigen Schritt, um Deutschland krisenfester zu machen".

Sabotage-Welle: 321 Fälle allein 2025

Der Handlungsdruck ist real. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte im vergangenen Jahr 321 Sabotageakte gegen kritische Infrastruktur. Besonders betroffen: das Stromnetz. Im Januar 2025 legte ein Brandanschlag auf Hochspannungskabel in Berlin rund 50.000 Haushalte und 2.000 Unternehmen lahm – ein Weckruf für die gesamte Republik.

Hinzu kommt die wachsende Drohnen-Bedrohung. Allein im ersten Quartal 2025 zählte das BKA über 500 verdächtige Drohnenflüge über Militärbasen und Industrieanlagen. Die fliegenden Mini-Roboter dienen längst nicht mehr nur der Spionage – sie werden zunehmend als Waffe eingesetzt.

Wie der Schutzschild funktioniert

Die neue Partnerschaft setzt auf ein Mehrschichten-Modell: Sensoren, physische Perimetersicherung und cloudbasierte Datenanalyse in Echtzeit. Rheinmetall-Chef Armin Papperger betonte, dass effektive Verteidigung heute eine „nahtlose Kombination aus physischen Wirkmitteln und sicheren Kommunikationsnetzen" erfordere. Telekom-CEO Tim Höttges ergänzte, sein Konzern bringe seine Expertise in Konnektivität und Datenanalyse ein – um Drohnen auf einem Niveau zu erkennen, das „Großveranstaltungen und Industrieanlagen gleichermaßen absichert".

Die Kosten: 289 Milliarden Euro Schaden

Die wirtschaftliche Dimension ist gewaltig. Eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2025 beziffert den Gesamtschaden durch Diebstahl, Spionage und Sabotage auf 289,2 Milliarden Euro – ein Anstieg um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rund 70 Prozent entfallen auf Cyberangriffe wie Ransomware. Doch die Grenzen verschwimmen: Immer häufiger nutzen Angreifer physischen Zugang, um digitale Systeme zu kompromittieren.

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Diese Cyber-Physische Konvergenz spiegelt sich auch in der Regulierung wider. Das KRITIS-Dachgesetz ergänzt die NIS2-Richtlinie, die seit Dezember 2025 für rund 30.000 Unternehmen gilt. Während NIS2 das digitale Risikomanagement regelt, kümmert sich das neue Gesetz um die physische Sicherheit. Die Geschäftsführungen haften persönlich – und müssen nicht nur beschließen, sondern auch umsetzen.

Politischer Kurswechsel: Weniger Transparenz, mehr Resilienz

Bundeskanzler Friedrich Merz hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Nach dem Berliner Stromnetz-Angriff forderte er eine Abkehr vom jahrzehntelangen „Transparenz-um-jeden-Preis"-Ansatz. Detaillierte Informationen über kritische Versorgungsleitungen sollen künftig nicht mehr öffentlich zugänglich sein.

Die Umsetzung läuft: Im Kanzleramt entsteht ein Abwehrzentrum gegen hybride Bedrohungen, das Sabotage und Spionage koordinieren soll. Parallel arbeitet das BSI an einem nationalen „Cyber-Dome" zur Früherkennung digitaler Angriffe. BSI-Präsidentin Claudia Plattner fordert, dass Sicherheitsmaßnahmen künftig messbar sein müssen – nur so werde aus reaktiver Gefahrenabwehr ein strategisch steuerbarer Prozess.

Ausblick: Die Uhr tickt

Bis zum 17. Juli müssen Tausende Unternehmen ihre Sicherheitslücken analysieren. Besonders mittelständische Betriebe stehen unter Druck – sie fallen oft durch ihre regionale Bedeutung oder Rolle in Lieferketten unter das Gesetz. Rechtsexperten warnen: Die Übergangsfrist ist knapp.

Die Bundesregierung hat angekündigt, das KRITIS-Dachgesetz innerhalb von zwei Jahren zu evaluieren. Bis dahin zählt vor allem eines: der schnelle Aufbau technischer Abwehrsysteme wie des Rheinmetall-Telekom-Schutzschilds. Ob diese Maßnahmen mit der steigenden Frequenz hybrider Angriffe Schritt halten können, wird zur entscheidenden Frage für die Sicherheit der deutschen Arbeitsplätze und Infrastruktur in den kommenden Jahren.

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