Sanierung, Abriss

Sanierung oder Abriss: Die 75-Prozent-Grenze bei Baukosten

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 00:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Steigende Baukosten und Energieauflagen zwingen Eigentümer zur Wahl zwischen Sanierung und Neubau. Eine alte Faustregel hilft bei der Kalkulation.

Sanierung oder Neubau: Die 75-Prozent-Regel als Entscheidungshilfe
Ein detailliertes Architekturmodell, das ein modernes Gebäude neben einem teilweise dekonstruierten Altbau zeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine alte Faustregel hilft bei der Kalkulation.

Die 75-Prozent-Grenze als Richtwert

In der Immobilienwirtschaft gilt: Kostet die Vollsanierung 75 Prozent oder mehr eines Neubaus, lohnt sich der Abriss wirtschaftlich meist mehr. Konkret liegen die Kosten für eine Kernsanierung zwischen 1.800 und 3.000 Euro pro Quadratmeter. Ein Neubau schlägt mit 3.000 bis 4.000 Euro zu Buche.

Die Preisdynamik am Bau verschärft die Lage zusätzlich. Das Statistische Bundesamt meldet für Mai 2026 einen Anstieg der Baupreise um 5,0 Prozent zum Vorjahr. Besonders teuer wurden Dach- und Zimmerarbeiten mit plus 7,3 Prozent, der Rohbau verteuerte sich um 4,9 Prozent.

Experten raten, auch die langfristige Energieeffizienz einzupreisen. Neubauten ermöglichen oft individuellere und effizientere Lösungen als sanierte Altbauten.

Steuerliche Fallstricke und Förderchancen

Die Wahl zwischen Sanierung und Neubau hängt stark von steuerlichen Instrumenten ab. Für Neubauten gibt es eine degressive Abschreibung von 5 Prozent pro Jahr. Bei Sanierungen gilt die 15-Prozent-Grenze: Übersteigen die Kosten in den ersten drei Jahren nach dem Kauf 15 Prozent des Kaufpreises, müssen Eigentümer über die Nutzungsdauer abschreiben – statt sofort abzusetzen.

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Für selbstgenutztes Wohneigentum lockt der Steuerbonus nach § 35c EStG. 20 Prozent der Kosten, maximal 40.000 Euro, lassen sich über drei Jahre steuerlich geltend machen. Das Programm ist bis 2029 befristet und gilt für Gebäude ab zehn Jahren Alter.

Ergänzend startete im September 2024 das Programm „Jung kauft Alt“. Es unterstützt Familien mit begrenztem Einkommen durch zinsverbilligte KfW-Kredite beim Kauf und der Sanierung sanierungsbedürftiger Bestandsimmobilien.

Wohnungsbau in der Krise

Die Rahmenbedingungen bleiben angespannt. Das ifo Geschäftsklima für den Wohnungsbau fiel im Juni 2026 auf minus 31,0 Punkte. Knapp 44 Prozent der Unternehmen klagen über Auftragsmangel, die Stornierungsquote liegt bei 11,4 Prozent.

Immerhin: Die Baugenehmigungen stiegen von Januar bis April 2026 um 13,4 Prozent zum Vorjahr. Doch die Fertigstellungen hinken dem Bedarf hinterher. Für 2026 werden nur rund 200.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet – benötigt werden etwa 320.000.

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Politische Initiativen wie der „Gebäudetyp E“ sollen einfacheres und günstigeres Bauen ermöglichen. Bauforscher fordern über einen „Normen-Notruf“ die Reduzierung überzogener Baunormen.

Bauruinen: Kommunen dürfen härter durchgreifen

Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Sigmaringen von Mitte Juli 2026 stärkt die Rechte der Städte. Abbruchverfügungen für verfallene Gebäude sind demnach bereits rechtmäßig, wenn das Orts- oder Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt wird. Eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit ist nicht zwingend nötig – besonders in der Nähe von Denkmälern oder Landschaftsschutzgebieten.

Bei Nichtwohngebäuden zeigt sich ein enormer Sanierungsstau. Die energetische Sanierungsquote lag 2024 bei mageren 0,69 Prozent – weit unter dem Ziel von 1,9 Prozent. Die Baukosten stiegen hier zwischen 2021 und 2024 um 32 Prozent. Das bremst Investitionen, trotz staatlicher Förderanreize.

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