Schweizer Aktionäre: 97 Traktanden nur durch Ankeraktionäre gerettet
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 19:27 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung der 100 größten Firmen im Swiss Performance Index (SPI) zeigt: Vor allem Vergütungsmodelle und die Besetzung von Kontrollorganen stoßen auf wachsenden Widerstand.
Das Beratungsunternehmen Swipra analysierte den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026. Das Ergebnis: Institutionelle Investoren und Streubesitz lehnen immer häufiger die Vorschläge der Führungsgremien ab.
Ankeraktionäre retten viele Abstimmungen
Ohne die Unterstützung von Großaktionären wären insgesamt 97 Traktanden auf den Generalversammlungen gescheitert. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 37. Besonders betroffen: 45 Wahlen in den Verwaltungsrat und 25 Abstimmungen über Vergütungsberichte.
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In den umstrittensten Fällen stimmten bis zu 54 Prozent der Aktionäre gegen die Vergütungspläne. Die Ankeraktionäre spielen damit eine entscheidende Rolle für die Stabilität der Unternehmen.
CEO-Gehälter steigen weiter
Die Kritik hat einen konkreten Hintergrund: Die Gesamtvergütung der Vorstandsvorsitzenden im Leitindex SMI stieg im Median um 6,1 Prozent auf 8,2 Millionen Franken. Das dürfte die Diskussionen weiter anheizen.
Parallel dazu geraten die Kontrollinstanzen unter Druck. Der Anteil der Gegenstimmen bei Wahlen der Revisionsstellen verdoppelte sich fast – von 22 auf 41 Prozent. Die durchschnittliche Mandatsdauer der Prüfgesellschaften liegt bei 14 Jahren. Jedes fünfte Mandat besteht sogar seit über 20 Jahren.
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Anleger stimmen differenzierter ab
Ein weiterer Trend: das sogenannte Split Voting. Institutionelle Anleger geben ihre Stimmen nicht mehr pauschal ab, sondern entscheiden differenziert über einzelne Anträge. Auch Nachhaltigkeitsberichte rücken in den Fokus – im Streubesitz lag die Ablehnungsquote bei rund zehn Prozent.
Wie stark die Verwaltungsräte selbst am Unternehmen beteiligt sind? Die Studie zeigt: Präsidenten halten im Median Aktien im Wert von 2,2 Millionen Franken. Einfache Mitglieder kommen auf durchschnittlich 914.000 Franken – etwa das 4,5-fache ihres jährlichen Honorars.
