Steuerfahndung: Hessen setzt KI-Systeme gegen 100-Milliarden-Schaden ein
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 21:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Finanzminister Lorz stellte heute in Gießen zwei neue Systeme vor, die Steuerfahndern künftig helfen sollen, Milliardenverluste zu verhindern. Die Tools sollen über den KONSENS-Verbund bald bundesweit verfügbar sein.
Zwei Systeme für die Steuerfahndung
Das System KIBUS ist speziell für die Steuerfahndung entwickelt worden. Es nutzt Künstliche Intelligenz zur Mustererkennung in riesigen Datenmengen. Ermittler können damit komplexe Zusammenhänge in Massendaten deutlich schneller identifizieren als mit herkömmlichen Methoden.
Der digitale Wissensassistent MAXi unterstützt die Beamten bei der Recherche in Gesetzestexten. Er übersetzt Dokumente aus über 100 Sprachen. Während MAXi als Assistenzsystem für die tägliche Verwaltung dient, zielt KIBUS auf schwere Steuervergehen ab. Beide Programme laufen in der hessischen SteuerCLOUD – mit Servern in Deutschland für hohe Datenschutzstandards.
Spezial-KI jagt Cum-Cum-Geschäfte
Das Ermittlungszentrum Kapitalertragsteuer in Wiesbaden setzt zusätzlich auf die Spezialanwendung KICC. Diese KI erkennt gezielt Muster von Cum-Cum-Geschäften in großen Datensätzen. Das Zentrum besteht seit September 2025 und arbeitet eng mit der Staatsanwaltschaft Köln zusammen.
„Die Künstliche Intelligenz ersetzt nicht die menschliche Expertise der Prüfer“, betonte Minister Lorz. Sie verstärke diese als „Kollege KI“ entscheidend. Durch automatisierte Auswertung großer Transaktionsdatenmengen sollen Ermittlungserfolge schneller eintreten.
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Studie zeigt massive Digitalisierungsdefizite
Eine aktuelle Studie der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) zeichnet ein kritisches Bild der bundesweiten Steuerfahndung. Der jährliche Steuerschaden in Deutschland liegt demnach bei rund 100 Milliarden Euro. Hauptproblemfelder sind Bargeldbetrug und Umsatzsteuerkarussells – jeweils mit Schäden zwischen 15 und 20 Milliarden Euro.
Die technische Ausstattung ist alarmierend: 91 Prozent der befragten Prüfer fühlen sich digital schlecht ausgestattet. 98 Prozent haben keinen vollen Datenzugriff für effektive Ermittlungen. Rund drei Viertel der Bürger schätzen die Steuerfahndung als ineffektiv ein.
Bundesweiter Roll-out und Pilotprojekte
Die hessischen Tools wie KIBUS sollen über den KONSENS-Verbund allen Bundesländern zur Verfügung gestellt werden. Bereits seit dem 1. Juli läuft in Hessen, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ein Pilotprojekt zur automatischen Steuererklärung. Rund 11,5 Millionen Elster-Nutzer können vorausgefüllte Formulare mit einem Klick bestätigen.
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Ab dem 1. Januar 2027 soll eine Neuregelung in Kraft treten. Finanzämter dürfen dann bestimmte Maßnahmen ohne explizite Zustimmung der Steuerpflichtigen ergreifen.
KI-Check für die Verwaltung
Die Bundesdruckerei veröffentlichte heute den sogenannten MÖVE-Benchmark. Zusammen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Fraunhofer AISEC wurden über 50 Sprachmodelle auf ihre Eignung für die öffentliche Verwaltung geprüft. Die Evaluierung nach Kriterien wie Sicherheit, Transparenz und Nachhaltigkeit soll Behörden eine fundierte Grundlage für die Auswahl geeigneter KI-Technologien bieten.
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