Steuerreform, Grundfreibetrag

Steuerreform 2027: Grundfreibetrag auf 12.900 Euro, Kindergeld steigt

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 20:51 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das 34-Punkte-Reformpaket bringt höhere FreibetrÀge und Kindergeld, doch Experten warnen vor steigenden Sozialabgaben, die die Entlastung aufzehren könnten.

Steuerreform 2027: Entlastungen, aber SozialbeitrÀge steigen
Steuerreform - HĂ€nde interagieren mit einem digitalen Tablet, das Steuerformulare und Finanzdaten anzeigt, im Hintergrund ein unscharfes BĂŒro. 07.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Ab 2027 sollen Steuerzahler entlastet werden – doch Experten warnen vor steigenden SozialbeitrĂ€gen.

FreibetrÀge steigen, Kindergeld wird erhöht

Der steuerliche Grundfreibetrag klettert bis 2028 schrittweise auf 12.900 Euro. Zum Vergleich: Aktuell liegt er bei 12.348 Euro. Auch Familien dĂŒrfen sich freuen: Der Kinderfreibetrag steigt von 4.878 auf 5.123 Euro, das monatliche Kindergeld erhöht sich ab Januar 2027 auf 272 Euro – ein Plus von 13 Euro.

Arbeitnehmer bekommen zudem den Arbeitnehmerpauschbetrag um 200 Euro auf 1.430 Euro angehoben. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnet fĂŒr ein Ehepaar mit zwei Kindern mit einer jĂ€hrlich Entlastung von rund 576 Euro. Regierungsvertreter sprechen sogar von ĂŒber 600 Euro.

Kritiker sehen das anders. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Oppositionspolitiker halten die Reform fĂŒr unzureichend. Ihr Vorwurf: Die kalte Progression werde nicht vollstĂ€ndig ausgeglichen.

Digitalisierung soll SteuererklÀrung revolutionieren

Ein Kernpunkt des Pakets: die automatisierte SteuererklĂ€rung. KĂŒnftig soll die EinkommensteuererklĂ€rung vorausgefĂŒllt und digital bereitgestellt werden. Das soll Millionen BĂŒrgern den Papierkram ersparen.

Auch Unternehmen profitieren: Die Zuteilung einer Steuernummer soll kĂŒnftig innerhalb von vier Wochen erfolgen.

Im Arbeitsrecht gibt es ebenfalls Änderungen. Die sachgrundlose Befristung von ArbeitsverhĂ€ltnissen soll auf bis zu 48 Monate ausgeweitet werden. Gleichzeitig fĂ€llt die telefonische Krankschreibung aus der Pandemie-Zeit wieder weg.

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Wer soll das bezahlen? Reichensteuer und KĂŒrzungen

Die Entlastungen mĂŒssen gegenfinanziert werden. DafĂŒr plant die Regierung eine Anhebung der Reichensteuer. Ab 250.000 Euro Einkommen greift kĂŒnftig ein Steuersatz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro sind es 47 Prozent. Experten warnen: Das könnte auch viele mittelstĂ€ndische Unternehmen treffen.

ZusĂ€tzliche Mittel kommen durch KĂŒrzungen beim Handwerkerbonus. Der anrechenbare Anteil sinkt von 20 auf 15 Prozent, der Höchstbetrag von 1.200 auf 900 Euro. Auch Minijobs werden teurer: Der Pauschalsteuersatz steigt von 2 auf 5 Prozent.

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Der Haken: SozialbeitrÀge fressen die Entlastung auf

Finanzwissenschaftler dĂ€mpfen die Euphorie. Ihre Berechnungen zeigen: Steigende SozialbeitrĂ€ge könnten die steuerlichen Vorteile neutralisieren oder sogar ĂŒberkompensieren.

Ein Beispiel: Ein Geringverdiener mit 30.000 Euro Bruttoeinkommen hÀtte 2028 rund 11 Euro mehr im Monat. Bei 70.000 Euro Einkommen droht unter dem Strich eine Mehrbelastung von fast 100 Euro.

Noch deutlicher wird es bei einem Single mit 6.500 Euro Monatseinkommen: Trotz Steuerreform mĂŒsste er mit rund 383 Euro weniger netto rechnen. Familien profitieren oft nur vom höheren Kindergeld, wĂ€hrend das verfĂŒgbare Einkommen in höheren Gehaltsstufen sinkt.

Schon jetzt hat Deutschland die höchste Abgabenlast auf Arbeitseinkommen in Europa.

Rente: Mehr Geld, aber auch höhere Steuern

Das Paket greift auch tief ins Rentensystem ein. Zum 1. Juli 2026 gab es bereits eine Rentenerhöhung um 4,24 Prozent. Die Folge: Mehr Rentner ĂŒberschreiten die Grenze zum steuerpflichtigen Grundfreibetrag.

Geplant ist zudem eine Kapitalrente, die mit Beitragserhöhungen von bis zu zwei Prozentpunkten einhergeht. Das Rentenalter soll ĂŒber 67 Jahre hinaus steigen, die vorgezogene Rente ohne AbschlĂ€ge wird abgeschafft.

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