SteuerschÀtzung, Milliardenloch

SteuerschÀtzung 2026: Milliardenloch zwingt Regierung zum Sparen

09.05.2026 - 00:00:44 | boerse-global.de

Die aktuelle SteuerschĂ€tzung prognostiziert bis 2030 Mindereinnahmen von 87,5 Milliarden Euro. Besonders umstritten sind geplante KĂŒrzungen beim Elterngeld.

SteuerschĂ€tzung 2026: Milliardenloch zwingt Regierung zum Sparen - Foto: ĂŒber boerse-global.de
SteuerschĂ€tzung 2026: Milliardenloch zwingt Regierung zum Sparen - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die deutsche SteuerschĂ€tzung 2026 beschert der Ampel-Koalition ein dickes Minus: Bis 2030 fehlen Bund, LĂ€ndern und Gemeinden insgesamt 87,5 Milliarden Euro. Besonders umstritten ist eine geplante KĂŒrzung beim Elterngeld um 500 Millionen Euro.

SteuerausfÀlle in Rekordhöhe

Die 170. SteuerschĂ€tzung vom 7. Mai 2026 hat die finanzpolitischen SpielrĂ€ume drastisch verengt. FĂŒr das laufende Jahr erwarten die Experten Steuereinnahmen von 998,7 Milliarden Euro – rund 17,8 Milliarden weniger als noch prognostiziert. Davon entfallen knapp 6,8 Milliarden auf GesetzesĂ€nderungen, elf Milliarden auf allgemeine Abweichungen von frĂŒheren SchĂ€tzungen. Der Bund allein muss mit Mindereinnahmen von 52,3 Milliarden Euro bis 2030 rechnen.

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Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) macht die geopolitische Lage verantwortlich. Der Iran-Konflikt und der daraus resultierende Energiepreisschock hĂ€tten die Konjunktur schwer belastet. Auch die US-Politik trage zur Stagnation bei. Die Prognose fĂŒr das Wirtschaftswachstum 2026 liegt bei mageren 0,5 Prozent, 2027 sollen es 0,9 Prozent werden. Die Inflation bleibt mit 2,9 Prozent spĂŒrbar, die Energiepreise schossen im April um 10,1 Prozent nach oben.

Klingbeil fordert mehr Krisenresistenz und UnabhÀngigkeit. Statt breiter Steuersenkungen setzt er auf strategische Investitionen und Reformen. Der Haushalt 2027 sieht Neuverschuldung von 110,8 Milliarden Euro vor, die Gesamtausgaben liegen bei 543,3 Milliarden Euro. Die Verteidigungsausgaben sollen 3,1 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen.

Familienministerin unter Druck

Familienministerin Karin Prien (CDU) soll in ihrem Ressort 500 Millionen Euro einsparen – und das vor allem beim Elterngeld. Das System kostet knapp 13 Milliarden Euro und erreicht rund 1,6 Millionen Bezieher. Ein Gesetzesentwurf soll bis zum 20. Mai vorliegen.

Mehrere Optionen stehen im Raum: eine weitere Absenkung der Einkommensgrenze (aktuell bei 175.000 Euro), eine einkommensabhĂ€ngige KĂŒrzung der Leistung oder eine VerkĂŒrzung der Bezugsdauer. Der Widerstand ist gewaltig.

Jasmina Hostert, familienpolitische Sprecherin der SPD, lehnt die KĂŒrzungen entschieden ab. Unions-Politikerin Anne König schlĂ€gt vor, stattdessen bei Projektförderungen zu sparen. Wirtschaftsforscherin Katharina Wrohlich vom DIW warnt: „Das wĂ€re ein fatales Signal in Zeiten niedriger Geburtenraten." 2025 kamen nur 654.300 Kinder zur Welt – ein Minus von 3,4 Prozent zum Vorjahr und der niedrigste Wert seit der Nachkriegszeit.

IW-Experte Wido Geis-Thöne sieht kaum Spielraum fĂŒr echte Einsparungen, ohne das System grundlegend zu verĂ€ndern. Juristen weisen zudem darauf hin, dass die Höchst- und MindestsĂ€tze von 1.800 und 300 Euro seit der EinfĂŒhrung 2007 unverĂ€ndert sind. Inflationsbereinigt mĂŒsste der Höchstbetrag heute bei rund 2.480 Euro liegen.

Bundesrat blockiert Steuerbonus

Am 8. Mai 2027 lehnte der Bundesrat einen steuerfreien Bonus von bis zu 1.000 Euro ab. Grund: Der Streit um die Kostenverteilung. LĂ€nder und Gemeinden sollten zwei Drittel der SteAusfĂ€lle tragen, wĂ€hrend die Gegenfinanzierung ĂŒber eine Tabaksteuer nur dem Bund zugutekommt. Nur Hamburg, Bremen, Niedersachsen und das Saarland stimmten zu. Die Regierung will nun den Vermittlungsausschuss anrufen.

Unionsfraktionschef Jens Spahn bietet derweil eine Zusammenarbeit bei der Einkommensteuer an. Voraussetzung: Die Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen muss außerhalb des Steuersystems finanziert werden – ohne die Schuldenbremse auszuhebeln.

Neue Regeln fĂŒr Wirtschaft und Medien

Seit dem 1. Mai gilt das Bundestariftreuegesetz: Öffentliche AuftrĂ€ge ĂŒber 50.000 Euro gehen nur an Firmen, die TarifvertrĂ€ge einhalten. Der Bundesrat billigte zudem eine Reform des Vergaberechts – ebenfalls mit einer Schwelle von 50.000 Euro fĂŒr Direktvergaben, um ein 500-Milliarden-Investitionspaket zu beschleunigen.

Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied am 7. Mai, dass Arbeitnehmer mit Dienstwagen keine Werbungskosten fĂŒr Dienstreisen mit dem Privatfahrzeug geltend machen können. Außerdem: Das aktuelle Vollverzinsungssystem bei Steuerschulden verstĂ¶ĂŸt nicht gegen EU-Recht.

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Kulturminister Wolfram Weimer treibt das Medien-Investitionspflicht-Gesetz voran. Streamingdienste mit ĂŒber zehn Millionen Euro Jahresumsatz sollen acht Prozent ihres deutschen Nettoumsatzes in europĂ€ische Werke investieren mĂŒssen. 60 Prozent davon in neue Produktionen, 80 Prozent mit deutschem Kulturbezug, 70 Prozent bei unabhĂ€ngigen Produzenten. Wer zwölf Prozent investiert, erhĂ€lt flexiblere Regeln. Die Produktionsallianz begrĂŒĂŸt den Vorstoß, kritisiert aber die fehlende Regelung zur Rechtevergabe der Produzenten.

Ausblick: Heiße Wochen fĂŒr die Koalition

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Regierung den Spagat zwischen Sparzwang und sozialem Frieden schafft. Der BDI argumentiert, die Regierung habe ein Ausgaben-, nicht ein Einnahmeproblem. Der DGB fordert eine Vermögensteuer. Der Energiepreisschock und die geopolitische Lage im Nahen Osten bleiben die entscheidenden UnwĂ€gbarkeiten. Bis zum 20. Mai muss Familienministerin Prien ihren Gesetzesentwurf vorlegen – der Streit im Bundestag ist programmiert.

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